Keinen Energiebonus bekommen Sigrid und Martin Kerhsenfischer für eine Photovoltaikanlage auf ihrem Haus – sie sind ausgeschlossen.
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Keinen Energiebonus bekommen Sigrid und Martin Kerhsenfischer für eine Photovoltaikanlage auf ihrem Haus – sie sind ausgeschlossen.

Fürstenfeldbruck

Förderprogramm sorgt für Frust: Gebremste Freude an der Energiewende

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Anreize für die Energiewende schaffen: Das sollen Förderprogramme der Landesregierung für Photovoltaikanlagen wie der Energiebonus. Bei einer Brucker Familie schaffte dieses Förderprogramm aber keinen Anreiz, sondern Frust – weil nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung überhaupt antragsberechtigt ist.

Fürstenfeldbruck – „Der Energiebonus ist ein Feigenblatt“, sagt Martin Kerhsenfischer. Soll heißen: Die Regierung könne sich zwar damit brüsten, die Energiewende zu fördern. „Im Endeffekt steckt aber nicht viel dahinter.“ Dem Brucker geht es dabei gar nicht so sehr um den Förderbetrag. 600 Euro sind tatsächlich eher ein kleiner Anreiz denn eine Grundlage für eine vielleicht wacklige Finanzierung. „Aber es geht ums Prinzip“, sagt Kerhsenfischer.

Was war passiert? Der Brucker und seine Frau Sigrid hatten ihr Einfamilienhaus an ihre beiden Kinder überschrieben. „Wir hatten schon länger vor, das zu regeln“, sagt Sigrid Kerhsenfischer. Nun also erfolgte der Gang zum Notar. Weil das Paar seinen Lebensabend aber noch in dem Haus verbringen will, ließ es sich den Nießbrauch gewähren, der über ein reines Wohnrecht hinaus geht. „Wir dürfen mit dem Haus praktisch alles machen – außer es als Sicherheit für einen Kredit angeben oder es verkaufen“, sagt Martin Kerhsenfischer.

Als die Formalitäten erledigt waren, wollten sich die Kerhsenfischers den Wunsch nach einer Photovoltaikanlage erfüllen. Doch das sollte sich als die falsche Reihenfolge herausstellen. „Wir haben uns beraten lassen, und es hieß, dass es auch Förderungen für die Anlagen gibt“, erzählt der Brucker. Kurzerhand bewarb er sich also um den Energiebonus im Rahmen des 10 000-Häuser-Programms – und erhielt eine Absage. Der Grund dafür liegt in den Förderrichtlinien. Die schließen nämlich weite Teile der Bevölkerung aus.

Der Energiebonus

Nur Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses dürfen den Energiebonus beantragen. Dagegen sind unter anderem Nießbrauchsberechtigte, Mieter, Eigentümer von Mehrfamilienhäusern, Nichtwohngebäuden oder Gewerbebetrieben ausgeschlossen. Kein Problem, dachten sich die Kerhsenfischers. Dann können ja die Kinder als neue Eigentümer den Zuschuss beantragen, „Die haben schließlich auch was davon, dass eine solche Anlage aufs Dach kommt“, sagt Sigrid Kerhsenfischer.

Doch da folgte der nächste Fallstrick: Der Eigentümer muss selbst seinen Erstwohnsitz in dem Haus haben, für das der Zuschuss beantragt wird. Der Sohn und die Tochter des Brucker Paares sind aber längst ausgezogen. Den Zuschuss können die Kerhsenfischers damit in den Wind schreiben.

In einem Schreiben an die Brucker begründet das Wirtschaftsministerium diese Richtlinien damit, dass der Fördertopf sehr begrenzt sei und daher der Kreis der Antragsberechtigten eingeschränkt wurde. Außerdem hält man die Abwicklung der Förderfälle im Ministerium für zu kompliziert, wenn Nießbrauchsberechtigte bauliche Änderungen am Eigentum anderer Personen vornehmen würden.

„Formaljuristisch ist das sicher alles richtig“, sagt Martin Kerhsenfischer. Seine Begeisterung für das Förderprogramm in dieser Form hält sich aber in Grenzen: „Dann kann der Staat es gleich bleiben lassen, bevor er mit den Richtlinien bei den Bürgern nur Frust erzeugt. Für die Steuerzahler wäre das wahrscheinlich auch günstiger.“

Ihre Photovoltaikanlage auf dem Dach lassen sich die Kerhsenfischers dennoch nicht vermiesen. „Wir bauen sie natürlich trotzdem“, sagt Martin Kerhsenfischer. Mit Zustimmung der beiden Kinder, aber ohne Zuschuss aus dem Energiebonus.

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