Im Caritas-Zentrum

Gelähmtes Mädchen stellt Bilder aus

Fürstenfeldbruck – Lucy Hoffmann ist kopfabwärts gelähmt. Und doch hat die 17-Jährige ein besonderes Hobby: Sie malt mit dem Mund. Bald werden ihre Bilder in Bruck ausgestellt. Davor trifft sie sich mit gesunden Schülern.

Diese Kunststunde wird wie keine andere: Im Juli kommt Lucy Hoffmann nach Bruck. Im Viscardi-Gymnasium wird sie gemeinsam mit den Zehntklässlern malen – mit ihrem Mund. Anschließend werden alle Bilder vom Ambulanten Kinderhospiz München (AKM) in den Räumen der Brucker Caritas unter dem Titel „Im Rahmen des Möglichen“ ausgestellt. Damit soll auf Menschen aufmerksam gemacht werden, die schwer krank sind. Denn diese und betroffene Angehörige leben oft im Verborgenen. Die Schirmherrschaft hat Brucks Sozialreferent Jan Halbauer (Grüne) übernommen, dem die Ausstellung sehr am Herzen liegt.

Am liebsten malt sie Tiere

Die 17-jährige Münchnerin hat schon immer gerne gezeichnet. Ihre Hände kann sie dafür aber nicht benutzen. Denn kurz vor ihrem zweiten Geburtstag wurde bei Lucy Hoffmann Muskelatrophie festgestellt, eine lebensbedrohliche, chronische Nervenkrankheit, die Lucys Motorik schwächt. Auf dem Bauch liegend kann sie den Pinsel aber behutsam mit dem Mund führen. Sie taucht die Spitze in die Farbe, zieht bunte, kräftige Linien über die Leinwand. Tiere malt sie besonders gerne. Giraffen oder Vögel. Aber in den letzten Jahren sind auch einige Auftragswerke hinzugekommen.

Auftraggeberin ist meist Angela Zacher vom Ambulanten Kinderhospiz. Dort werden Lucy und ihre Familie seit rund acht Jahren betreut.

Das AKM arbeitet seit einigen Jahren eng mit der Brucker Caritas und der ambulanten Hospiz- und Palliativberatung zusammen und betreut Familien mit schwerkranken Kindern. Etwa 14 sind es allein im Landkreis. Heuer hat das AKM eine Fachstelle für das Fünfseenland in Inning am Ammersee eröffnet, Außenstellen in den Landkreisen sollen hinzukommen.

Auch Geschwister leiden oft sehr

Denn: „Die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit hat weitreichende Folgen, von denen die ganze Familie betroffen ist“, so Christine Bronner, die das AKM 2009 mit ihrem Mann gegründet hat. Die Sorge um das kranke Kind könne auch Geschwister sehr belasten und Ehen zerbrechen lassen.

Obwohl in Bayern jährlich rund 7300 Menschen die Diagnose einer lebenslimitierenden Krankheit bekämen, gebe es nicht genug Betreuungsmöglichkeiten, Betroffene lebten oft im Verborgenen. Das will die Kampagne „Mach das Licht an“ ändern. Sie soll Betroffene mit ihren Anliegen in die Mitte der Gesellschaft rücken. Dabei stehen aber nicht die Kinder mit ihren Krankheiten, sondern mit ihren Talenten und Stärken im Vordergrund.

Lucy Hoffmann ist dafür ein gutes Beispiel: Von den geschwächten Muskeln lässt sie sich nicht aufhalten. Auch wenn das Mundmalen sehr anstrengend ist, arbeitet sie mit Feuereifer. Ihr Traum: berühmt werden. Und eine Shopping-Tour in New York. Der Einkaufstripp ist mittlerweile geplant.

Auch auf ihren Besuch am Viscardi-Gymnasium freut sich Lucy Hoffmann schon. „Die Jugendlichen sollen begreifen, wie eine Gesellschaft, in der Menschen mit und ohne Behinderung ihren Beitrag leisten, funktionieren kann“, sagt Kunstlehrerin Stefanie Schielein.

Die Ausstellung

„Im Rahmen des Möglichen“ der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz gastiert vom 2. Juni bis 31. August im Caritaszentrum, Hauptstraße 5. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr.´

von Maria-Mercedes Hering

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