Aus dem Gerichtssaal

Geld für Flüchtlinge abgezweigt

Fürstenfeldbruck – Es war der August vergangenen Jahres, Flüchtlinge strömten zu tausenden nach Deutschland, mussten untergebracht, versorgt und mit Kleidung ausgestattet werden. Diese „unbürokratische Anfangsphase“, so der Staatsanwalt am Amtsgericht Fürstenfeldbruck, hat ein Mitarbeiter des Landratsamtes, ein seit 2014 bei der Behörde beschäftigter 46-jähriger Germeringer, ausgenutzt.

Er hatte den Auftrag, für unbegleitete Jugendliche Kleidung zu besorgen. Mit 2100 Euro in der Tasche ist er in Begleitung von 21 in Maisach untergebrachten jungen Männern losgezogen, um das Notwendige zu kaufen. Jeder der Jugendlichen hätte 100 Euro ausgeben dürfen. Doch nicht jeder hat dies genutzt. Insgesamt wurden in einem Brucker Geschäft für die Hosen, T-Shirts, Jacken, Unterwäsche und Socken knapp 1700 Euro bezahlt.

Zwar musste der 46-Jährige damals dem Landratsamt für die Einkäufe keine Quittungen vorlegen. Die restlichen rund 400 Euro hätte er aber natürlich bei der Behörde wieder abliefern müssen. Das Geld kam dort aber niemals an. Und das kam dem Mann jetzt teuer zu stehen. Seine Anstellung beim Landratsamt hat er schon verloren. Am Amtsgericht wurde er zudem wegen veruntreuender Unterschlagung zu einer Geldstraße in Höhe von 900 Euro verurteilt.

Der 46-Jährige beteuerte seine Unschuld. „Ich habe nichts von deren Geld behalten“, betonte er. Er habe den Rest direkt nach dem Einkauf noch vor dem Geschäft den Jugendlichen zukommen lassen. Die hätten es dann genutzt, um zum Friseur zu gehen, einen Döner zu essen oder um nach Hause zu telefonieren.

Ein Kollege des Mannes vermutete, Mobbing sei der Grund dafür, dass der Germeringer auf der Anklagebank gelandet sei. Denn er habe Unregelmäßigkeiten von Kollegen aufgedeckt.

Für die Verteidigerin war die Schuld ihres Mandanten nicht erwiesen. Sie beantragte, ihn nach „Im Zweifel für den Angeklagten“ freizusprechen. Doch Richter und Staatsanwalt hatten diese Zweifel nicht. „Den Ärmsten der Armen“, habe er das bisschen Geld, das ihnen für Kleidung zur Verfügung gestellt wurde, weggenommen, empörte sich der Staatsanwalt.

Neun der Jugendlichen hatten bei der Polizei ausgesagt, sie hätten von dem Restgeld nichts gesehen. Fünf waren zu der Verhandlung geladen worden und wiederholten ihre Aussagen. Zwar erinnerte sich einer der fünf, er habe 35 Euro vom Angeklagten erhalten, unter anderem für einen Friseurbesuch. Doch dies sei zu einem anderen Zeitpunkt geschehen. 

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