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Wenn es dunkel wird , kann es losgehen mit den Vorführungen auf dem Volksfestplatz. Theoretisch. 

Fürstenfeldbruck

Genehmigung für Auto-Kino erteilt - Lichtspielhaus erhält den Zuschlag

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  • Stefan Reich
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Kinofans müssen sich wohl noch länger gedulden, bis die Filmtheater wieder öffnen. In Fürstenfeldbruck gibt es nun eine echte Chance auf ein Autokino am Volksfestplatz. Wenn sich letzte Details klären lassen, darf der Betreiber des Lichtspielhauses bald loslegen. Interesse hatten auch andere Veranstalter.

Fürstenfeldbruck – In ziemlich genau zwei Wochen soll es soweit sein. Dann sollen erstmals Kinofans mit ihren Autos vor eine große Leinwand auf dem Volksfestplatz rollen, ihre Motoren aus- und ihre Autoradios einschalten, sich zurücklehnen und genießen. „Noch ist es nicht ganz sicher, ob es wirklich ein Autokino auf dem Volksfestplatz geben wird“, sagt Markus Eisele, Geschäftsführer der Arena Filmtheater Betriebs GmbH aus München. Sie hat die Genehmigung für das Autokino bekommen. Sie betreibt auch das Kino im Brucker Lichtspielhaus, das sie von der Stadt gemietet hat. Einige organisatorische Fragen sind laut Eisele aber noch offen.

Klassiker früherer Jahre

Und klar ist für ihn: „Wenn wir bis zum 29. Mai nicht loslegen können, lohnt sich der Aufwand nicht mehr.“ Die Zeichen dafür, dass es klappt, die stünden jetzt aber gut. Sechs Wochen lang, voraussichtlich bis zum 11. Juli, will er dann vor allem aktuelle Filme zeigen, aber auch Arthouse-Streifen und Klassiker früherer Jahre. „Aktuell heißt in dem Fall: Filme, die zum Zeitpunkt der Kinoschließungen im März schon angelaufen waren“, sagt Eisele. Danach seien Kinostarts ja bis auf Weiteres verschoben worden.

Der Lärmschutz

Zusammen mit Tom Blum, dem Veranstalter des Brucker Kinosommers, will Eisele eine große Leinwand und einen Projektor auf dem Volksfestplatz aufstellen. Sobald es dunkel genug ist, kann es losgehen. „Das wird besonders im Juni erst spät abends der Fall sein“, weiß der Betreiber. Unter anderem deshalb müssen Fragen des Lärmschutzes und der Abwicklung von An- und Abreise von rund 300 Autos geklärt werden. Auch die beantragte Radiofrequenz, über die der Ton zum Film in die Fahrzeuge kommen soll, ist von der Bundesnetzagentur noch nicht zugeteilt. „Da rechne ich aber nicht mit Schwierigkeiten“, sagt Eisele. Zu allen anderen Fragen soll es am kommenden Montag Gespräche mit der Stadt geben.

Das Landratsamt

Neben der Erlaubnis durch die Stadt war auch eine infektionsschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung durch das Landratsamt nötig. Die Kreisbehörde hat jetzt grünes Licht gegeben. Das Konzept habe überzeugt, teilt die Behörde mit. Man habe sich bei der Beurteilung an Entscheidungen anderer Kreisbehörden zu ähnlichen Anträgen gehalten.

Beim Scala ist man enttäuscht

Nicht ganz glücklich mit der Entscheidung der Stadt ist die Konkurrenz, die Ähnliches vorgehabt hatte, jetzt aber nicht darf. Insgesamt sieben Personen hätten Anträge auf den Betrieb eines Autokinos oder einer Open-Air-Konzertbühne gestellt, teilte die Stadt am Freitag auf Anfrage mit. Unter ihnen war auch Markus Schmölz, Geschäftsführer des Scala-Kinos in Fürstenfeldbruck. Er sagt: „Wir sind als steuerzahlender Betrieb mit 40 Mitarbeitern, die gerne gearbeitet hätten, ziemlich enttäuscht. Zumal denen nun auch unsere Facebook-Umfrage mit mehr als 1000 Teilnehmern zu Gute kommt.“

Schmölz hatte unter anderem gegenüber unserer Zeitung Ende April seine Ideen für ein Autokino öffentlich vorgestellt. Lichtspielhaus-Betreiber Eisele sagt, er sei schon vor Ostern an die Stadt herangetreten. Die habe, als dann mehr Interessenten auf den Plan getreten seien, ein formelles Verfahren zur Vergabe eingeleitet.

Interne Bewertung bei der Stadt Fürstenfeldbruck

Die Stadt teilte am Freitag auf schriftliche Anfrage mit, man habe den Bewerbern einheitliche Fragestellungen zukommen lassen. Auf dieser Grundlage sei dann die interne Bewertung durchgeführt und in dieser Woche eine Entscheidung getroffen worden. Details zu den Fragestellungen und deren Gewichtung wurden nicht genannt.

Schmölz sagt, für Stadt und Bürger wäre es die beste Entscheidung gewesen, wenn beide Kinos sich zusammengeschlossen hätten. „Aber es kam nicht einmal eine Anfrage.“ Eisele sagt, er fände es ungut, wenn es nun Enttäuschung gebe. Für ihn habe im Mittelpunkt gestanden, in diesen Zeiten überhaupt etwas Kultur anzubieten. Der weitere Verlauf sei ein normaler, formaler Vorgang gewesen.

Auch wenn es keine Kooperation mit dem Scala gibt, kann Eisele sich vorstellen, die Infrastruktur anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Konzerte etwa seien denkbar. Auch bei Kirchen habe man nach dem Bescheid des Landratsamtes schon angefragt, ob Interesse bestehe.

Kommentar: 

Dass es in Bruck ein Autokino geben soll, das dürfte angesichts der anhaltenden Sperrung der Kinosäle wegen der Corona-Krise viele freuen. Allerdings werden mindestens genauso viele enttäuscht sein, wenn sie lesen, dass nicht das hoch professionelle Scala der Betreiber sein wird, sondern das Lichtspielhaus. 

Das ist umso enttäuschender, als es ja Markus Schmölz vom Scala war, der in der Öffentlichkeit für die Idee eines Autokinos warb und so zweifellos half, sie durchzusetzen. 

Das Lichtspielhaus existiert bekanntlich nur, weil die Stadt dereinst einsprang, mit öffentlichen Geldern das Gebäude rettete und es einem von Anfang an nicht unumstrittenen Betreiber übergab. So entsteht jetzt der Eindruck, dass die Stadt demjenigen den Vorzug gibt, den sie ohnehin schon subventioniert. 

Dabei wäre es jetzt an der Zeit gewesen, die zahlreichen (Brucker) Mitarbeiter des Scala zu unterstützen. Was wird das Lichtspielhaus zur Vorführung bringen? Dr. Mabuse und die unsichtbaren Krallen des Amper-Ungeheuers? Gut, Tom Blum ist mit an Bord, das lässt hoffen. Ein schaler Beigeschmack bleibt aber trotzdem. (Thomas Steinhardt)

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