+
Das Kloster Fürstenfeld mit seiner Gartenanlage

755 Jahre Bayern

Die Geschichte Fürstenfeldbrucks

  • schließen

Fürstenfeldbruck hat eine Geschichte, die bis ins Hochmittelalter zurückreicht. Auch bis heute ist die Große Kreisstadt eng mit ihren Ursprüngen verbunden.

Fürstenfeldbruck - Rund 25 Kilometer westlich von München im Landkreis Fürstenfeldbruck befindet sich die gleichnamige Große Kreisstadt Fürstenfeldbruck. Ihr Name deutet die beiden Geschichtsstränge des Ortes: Das Zisterzienserkloster „Fürstenfeld“ und den Markt „Bruck“. Seit ihrer Entstehung sind beide eng miteinander verbunden.

Fürstenfeldbruck: Gründung im Mittelalter

Das Kloster Fürstenfeld wurde 1263 vom wittelsbachischen Landesherren Ludwig II. gegründet. Hintergrund war folgender: Ludwig der II. bezichtigte seine Frau Maria von Brabant der Untreue und ließ sie deshalb hinrichten. Als Sühneleistung vom Papst auferlegt, musste er ein Kloster gründen und fand auf „des Fürsten Feld“ den geeigneten Platz dafür.

Ganz in der Nähe war der bereits früher entstandene Ort Bruck, der nach der Brücke über den Fluss Amper benannt wurde, wie es im Mittelalter üblich war. Durch die geläufige Ortsbenennung war jedoch eine eindeutige Zuordnung der verschiedenen „Bruck“ schwierig. Das genaue Alter Brucks ist nicht bekannt, jedoch geht man davon aus, dass eine erste Ansiedlung um 1150 am Amperübergang der Salzstraße von München nach Augsburg bzw. Landsberg entstanden ist.

Die Ortsgründer waren wahrscheinlich die Herren von Gegenpoint, die ihren Sitz auf einer Spornburg in der näheren Umgebung hatten. Die Gegenpointer waren Dienstmänner Heinrichs des Löwen, seinerzeit Herzog von Sachsen und Bayern aus dem Geschlecht der Welfen, Gründer von München und Vetter von Friedrich Barbarossa. Die Familie Gegenpoint waren für den Schutz der Brücke und die Erhebung des Zolls zuständig. Die Burg wurde im 15. Jahrhundert verlassen - heute sind nur noch die Erdwerke erkennbar. Ein Gedenkstein und ein Kreuz sollen an die Burg erinnern.

Angliederung von Bruck an das Kloster Fürstenfeld

Aus der Ansiedlung am Amper-Übergang entstand um 1250 der „Markt Bruck“, der 1306 erstmals als florierender Markt schriftlich genannt wird. Zu dieser Zeit unterstand Bruck noch den Herren von Gegenpoint. Das Kloster Fürstenfeld erwarb jedoch in den Jahren 1340 bis 1425 die Besitzrechte des Ortes von den Gegenpointern, die aufgrund von Erbteilungen wirtschaftlich geschwächt waren. Somit war Bruck ein Klostermarkt, jedoch mit nur bescheidenen Selbstverwaltungsrechten.

Die gemeinsame Lage von Kloster und Markt hatte vor allem auch politische und wirtschaftliche Ursachen: die wittelsbachischen Herzöge waren sehr bemüht darum, ihren Einfluss im Westen des Herzogtums zu sichern. Das Kloster Fürstenfeld wurde für die Wittelsbacher immer wichtiger, zeitweise war es sogar die Grablege des Adelsgeschlechts. Besonders Ludwig der Bayer, ab 1328 Kaiser Ludwig IV., förderte das Kloster immens. Der Sohn des bereits verstorbenen Herzog Ludwigs hatte eine enge Verbindung zur Sühnestiftung seines Vaters. Er nannte die Klosterkirche "monumentum paternae poenitentiae": Ein Denkmal väterlicher Bußgesinnung.

Die Klosterkirche

Fürstenfeld und Bruck in der Neuzeit

Fürstenfeldbruck war in der Neuzeit vielen neuen Einflüssen ausgesetzt. Durch die Reformation war der Konvent gespalten. Daraus resultierte, dass sich der bayerische Herzog wiederholt in die Verwaltung des Klosters einmischte. Erst auf dem Konzil von Trient (1545-1563) reagierte die katholische Kirche auf die Forderungen und Lehren der Reformation. Eigens vorangetriebene Reformen sollten die Lehren der katholischen Kirche wieder stabilisieren.

Die Zisterzienser berieten unter dem Vorsitz des Abtes Cîteaux im Jahre 1595 in Fürstenfeld über ihre Grundsätze für eine Reform ihres Ordens. Diese sollte bis in das 18. Jahrhundert andauern. Vor allem strebten sie die Rückkehr zur Rigorosität mönchischen Lebens an. Die Kirche schien zu erstarken - doch nicht für lange.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hinterließ sichtliche Spuren in Europa, auch an Fürsten und dem nahen Bruck. Das Kloster und der Ort wurden häufig Opfer von Plünderungen und Brandschatzungen. Zeitgleich wütete mehrmals im Ort die Pest. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war das Kloster Fürstenfeld ruiniert.

Fürstenfeldbruck: Selbstständigkeit für Bruck durch Säkularisation

Nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sich Abt Martin Dallmayr immens für das Kloster ein und konnte es sanieren und die Ordensdisziplin wiederherstellen. In der Folgezeit stieg die Zahl der Mitglieder im Konvent stetig an. Fürstenfeld wurde zu einer herausragenden Stätte der Frömmigkeit und der Wissenschaft. Dallmayrs Nachfolger, Abt Balduin Helm, legte im Jahre 1700 den Grundstein für den Kirchenneubau, indem er den barocken Umbau der Klosteranlage initiierte. Im spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) wurde der Markt Bruck von österreichischen Truppen im Jahre 1704 fast vollständig niedergebrannt. Das Kloster blieb davon weitestgehend unberührt.

Seit dem späten Mittelalter unterstand der Markt Bruck dem Kloster Fürstenfeld. Zwar verfügte Bruck kaum über Selbstverwaltungsrechte, doch war unter der Obhut des Klosters gut leben. Für Arbeit und schulische Bildung war durch die pastorale Betreuung gesorgt, ebenso war das Kloster zu dieser Zeit der größte Kreditgeber am Ort und leistete Unterstützung für die sozial Schwachen. Einzig die Nutzungsrechte für landwirtschaftliche Flächen war der Streitpunkt zwischen Bruck und Kloster Fürstenfeld.

Dies sollte sich im Jahre 1803 ändern. Durch die Säkularisation im napoleonischen Zeitalter wurden einerseits kirchliche Institutionen aufgehoben und deren Besitz verstaatlicht, andererseits die geistlichen Fürstentümer und Herrschaften des Heiligen Römischen Reiches durch größere Territorialstaaten annektiert. So verfuhr man auch mit dem Kloster Fürstenfeld.

Die Säkularisation und das Wegfallen des Klosters als großer wirtschaftlicher, schulischer und spiritueller Faktor war für Bruck ebenfalls zuerst nicht hilfreich. Jedoch konnte sich der Markt nun einer langsam entwickelnden, selbstständigen kommunalen Tradition erfreuen, die über die Stadterhebung im Jahr 1935 bis zur Ernennung zur Großen Kreisstadt 2006 führte. Diese Entwicklung kann man gut in der Gestalt eines Rathaus beobachten. Wo andernorts in Bayern historische Rathäuser von bürgerlichem Selbstbewusstsein zeugten, gab es in Bruck bis Mitte des 19. Jahrhunderts überhaupt keinen Bedarf für ein Rathaus. Erst im Jahre 1866 wurde durch den Umbau eines Geschäftshauses das heutige „Alte Rathaus“ geschaffen. Wegen Platzmangels wurde 1934 ein neues Rathaus errichtet.

Das Alte Rathaus. Heute beherbergt es das Standesamt Fürstenfeldbruck.

Geschichte Fürstenfeldbrucks: Markt Bruck wird modernisiert

Bruck als Markt war bis dahin schon wirtschaftlicher Mittelpunkt des Umlandes geworden und nun entwickelte sich der Markt auch zu seinem verwaltungsmäßigen Zentrum. 1821 wurde Bruck der Sitz des Rentamtes (Finanzamtes). Anfang des 19. Jahrhunderts wurden ebenfalls die beiden Landgerichtsbezirke Dachau und Landsberg errichtet. Aus Teilen dieser beiden Landgerichte wurde 1823 der Sitz des neugebildeten Landgerichtes (Landkreises) Bruck. Dies gehörte erst zum Isarkreis und ab 1838 dann zu Oberbayern. 1909 folgte das Messungsamt (Vermessungsamt).

Bürger in der Brucker Hauptstraße. Dauerausstellung „Leben in Bruck um 1900“.

Bis zum Jahre 1900 erfasst Bruck ein Modernisierungsschub, der einen enormen Anstieg der Bevölkerung zur Folge hatte: 1873 war der Anschluss an die Eisenbahnlinie München-Lindau, 1883 die Errichtung einer Sparkasse, 1892 die Inbetriebnahme des ersten gemeindlichen Elektrizitätswerkes in Bayern. Das Wasserkraftwerk der heutigen Stadtwerke Fürstenfeldbruck war nach den Plänen von Oskar von Miller errichtet und versorgte die nahegelegene heutige Große Kreisstadt Fürstenfeldbruck mit Strom für eine elektrische Straßenbeleuchtung. das Kraftwerk ist heute noch in Betrieb und steht unter Denkmalschutz.

Historische Aufnahme des E-Werkes Schöngeising.

Im Jahre 1910 wurde der gemeindliche Schlachthof eröffnet. Wegen seiner landschaftlichen Lage verbunden mit der städtischen Infrastruktur wurde Bruck ab ca. 1850 zu einem beliebten Ausflugs- und Urlaubsziel im Münchner Umland - zur Erholung im Sommer oder zum Rodeln im Winter.

Fürstenfeld und Bruck werden zu Fürstenfeldbruck

Das Klostergebäude wurde nach der Säkularisation verkauft, jedoch 1816 vom Staat zurückgekauft. Anschließend wurde es militärisch genutzt, zuerst als Militärinvalidenanstalt, später als Unteroffiziersschule der bayerischen Armee und Militärfohlenhof. Ab 1924 wurde das Kloster als Ausbildungsstätte der bayerischen Polizei genutzt. Noch heute ist die Polizeihochschule im Klostergebäude untergebracht. Die Kirche hingegen war das Ziel zahlreicher Kunstinteressierter.

Der barocke Innenraum der Klosterkirche

Für den Ort blieb das Kloster auch weiterhin von kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung, weshalb es auch Aufnahme in den neuen Ortsnamen fand. Aufgrund unterschiedlicher Schreibweisen - Bruck bei München, Bruck bei Fürstenfeld, etc. - legte sich die Regierung 1908 auf die einheitliche Bezeichnung „Fürstenfeldbruck“ fest.

Mit der Erschließung der Alpen ab 1900, aber vor allem aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg war die Zeit für FFB als touristisches Reiseziel vorbei. Es entwickelte sich zunehmend durch seine Nähe zu München und der günstigen Zugverbindung zu einem Wohnort direkt vor den Toren der Großstadt.

Die Geschichte Fürstenfeldbrucks im Zweiten Weltkrieg

Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933 übernahm die NSDAP auch in Fürstenfeldbruck die Kontrolle. Mithilfe ausgeklügelter Propaganda und Begeisterung der Massen auf der einen Seite, jedoch mit Terror, Gewalt und dem Schikanieren Andersdenkender, regierten die Nationalsozialisten auch in FFB. Sie sicherten durch Bau- und Siedlungsprogramme Arbeitsplätze und somit Zustimmung im Volk. Jedoch kam ihnen auch das nahe gelegene Konzentrationslager Dachau zu Gute, um ihren Gegnern und Verfolgten mit Inhaftierung zu drohen.

Trotz der Einrichtung des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck 1936 und der Nähe zu München, blieb FFB über den kompletten Zweiten Weltkrieg hinweg unbeschadet. Mit dem Einzug der US-Streitkräfte am 29. April 1945 endete für die Fürstenfeldbrucker der Krieg.

In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges führte der Todesmarsch, in denen KZ-Insassen in letzter Minute in noch von der Wehrmacht gehaltene Gebiete verlegt werden sollten, durch Fürstenfeldbruck. Ein Mahnmal neben dem Rathaus erinnert heute an die Opfer dieser unmenschlichen Tortur. Jedes Jahr wird dort am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, 27. Januar, eine Gedenkveranstaltung abgehalten.

Die Geschichte Fürstenfeldbrucks: Die heutige Große Kreisstadt

Fürstenfeldbruck hatte im Jahr 1935 bei seiner Stadterhebung eine Einwohnerzahl von 6.000. Bis zum Jahr 1946 hat sich diese Zahl annähernd auf 11.300 verdoppelt, bedingt durch die Eingliederung der Heimatvertriebenen und Evakuierten. Mit der dadurch einsetzenden Bautätigkeit wuchs die Anzahl der Betriebe und somit auch die Steuereinnahmen. Die Flüchtlinge trugen mit ihrer Erfahrung und ihrem Schaffensdrang erheblich bei.

Der Barockgarten des Kloster Fürstenfeld.

In den 1960er und 1970er Jahren erlebte Fürstenfeldbruck einen weiteren Bevölkerungsschub. Durch die S-Bahn-Anbindung an München zogen immer mehr Leute in die heutige Große Kreisstadt, ganz nach dem Motto: „Arbeiten in München, Wohnen im Umland“. Zwischen 1961 und 1981 stieg die Einwohnerzahl auf 32.326 an. Stand 2016 wohnen in FFB 37.176 Menschen.

Dementsprechend musste auch die Infrastruktur dem Wachstum angepasst werden. Zahlreiche Schulen, Sportstätten, Ver- und Entsorgungseinrichtungen, Freizeiteinrichtungen und andere Gebäude entstanden. Dazu wurden im Westen der Stadt und in der Buchenau Neubaugebiete erschlossen.

Die Klosterkirche, die Teil der Barockstraße ist, verfiel jedoch soweit, dass sie in den 1970er Jahren wegen Baufälligkeit nicht betreten werden durfte. Der ehemalige OB von Fürstenfeldbruck Sepp Kellerer (CSU) setzte sich in den 1980er und 1990er Jahren sehr für den Wiederaufbau des ganzen Areals ein. Auch der Förderverein „Freundes des Klosters Fürstenfeld“ war sehr aktiv.

Die Hauptstraße in Fürstenfeldbruck mit dem Rathaus.

Heute zählt die Stadt 14 Kindergärten und -krippen, vier Grund- und zwei Hauptschulen, eine Realschule, zwei Gymnasien, eine Berufsschule, zwei BOS und FOS, eine Berufsaufbauschule und eine landwirtschaftliche Fachschule. Ebenso befinden sich in Fürstenfeldbruck die Cäcilienschule für geistig Behinderte und die Pestalozzischule für Lernbehinderte, das Brucker Forum, das Evangelische Bildungswerk, die Kreismusikschule und die Volkshochschule. Gegenwärtig versucht die Stadt, die alte Innenstadt wieder zu beleben und neben das zweite urbane Zentrum am Bahnhof Buchenau zu positionieren.

Heute ist die zweigleisige S-Bahn-Strecke, an der Fürstenfeldbruck liegt, dem Ansturm der Fahrgäste nicht mehr gewachsen. Seit vielen Jahren fordern Bevölkerung und Kommunalpolitiker einen Ausbau der Strecke. In der Politik in Fürstenfeldbruck wird die S-Bahn-Stammstrecke wohl auch bei der Landtagswahl 2018 ein Thema sein.  Nun soll in München eine zweite Stammstrecke gebaut werden. Die wird wohl auch Auswirkungen auf Fürstenfeldbruck haben. Der Wohnraum ist wie in vielen Gebieten rund um München absolute Mangelware und sehr teuer.

tf

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Spitzenspiel vor Rekordkulisse im Hölzl-Stadion
Dritte Liga gegen Kreisklasse: Rund 700 Zuschauer wollten sich das Totopokal-Spiel Emmering gegen Unterhaching nicht entgehen lassen.
Spitzenspiel vor Rekordkulisse im Hölzl-Stadion
Auto kippt nach Crash um
Schon wieder hat es an der Kreuzung Feuerhausstraße/Stadelbergerstraße gekracht.
Auto kippt nach Crash um
Urteil: Disco-Raser von Fürstenfeldbruck wieder auf freiem Fuß
Ein israelischer Student stand vor Gericht, weil er nach einer Schlägerei vor dem Buck Rogers in Fürstenfeldbruck zwei Männer mit seinem Mercedes erfasst haben und …
Urteil: Disco-Raser von Fürstenfeldbruck wieder auf freiem Fuß
Rita Falk über neuen Eberhofer-Film: So sehr leben die Darsteller ihre Rollen
Fast jedes Jahr einen Eberhofer im Kino: Seit 2013 gehört der Dorfpolizist zum Pflichtprogramm für viele Kinobesucher. Die konnten in Germering die Autorin Rita Falk …
Rita Falk über neuen Eberhofer-Film: So sehr leben die Darsteller ihre Rollen

Kommentare