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Michael Schanderl (l.) und Hans Friedl von den FW

Entscheidung 2018

Gewinner und Verlierer: Stimmen zum Ausgang der Landtagswahl

Sie waren die hartnäckigsten Gegner der CSU-Kandidaten: Die Grünen und die Freien Wähler. Routinier Martin Runge und die 3. Bürgermeisterin von Kaufering, Gabriele Triebel, rückten Newcomer Benjamin Miskowitsch und Ex-BR-Moderator Alex Dorow ganz schön auf die Pelle.

Fürstenfeldbruck – Man traute seinen Augen kaum, aber auf den Internet-Wahlseiten des Landratsamtes Landsberg färbten sich im Stimmkreis Landsberg/Fürstenfeldbruck-West tatsächlich einige Gemeinden Grün. Das bedeutete nichts anderes, als dass Gabriele Triebel etwa in Dießen mehr Stimmen geholt hatte als der amtierende CSU-Landtagsabgeordnete. Und Martin Runge nahm im Ostkreis Benjamin Miskowitsch zumindest seinen Heimatort Gröbenzell ab – genau wie Hans Friedl (FW) in Alling.

Die Begeisterten

Kein Wunder, dass bei den Grünen die Stimmung bestens war. „Mein Wahlergebnis ist sensationell“, jubelte Gabriele Triebel. „Wir haben alle Wahlziele erreicht: zweistellig, zweitstärkste Kraft und die absolute Mehrheit der CSU gebrochen.“ Man habe den Nerv der Wähler getroffen, er wünsche ein weltoffenes und ökologisches Bayern. Ihre Chancen, in den Landtag einzuziehen, sieht die 3. Bürgermeisterin aus Kaufering (Kreis Landsberg) als gut an. Sie liege rund fünf Prozent über dem Landesschnitt. „Ich gehe langsam davon aus, jetzt geht es an die Oppositionsarbeit.“

Martin Runge ist trotz aller Feude nachdenklich. „Das Ergebnis der Grünen ist schön, aber wenn das rechte Lager zunimmt, ist es alles andere als erfreulich.“ Runge rechnet sich gute Chancen aus, wieder in den Landtag einzuziehen. „Durch die OB-Kandidatur in Fürstenfeldbruck konnte ich an Zweitstimmen zulegen“, glaubt er.

Die Zufriedenen

Zufrieden zeigten sich am Wahlabend die Freien Wähler. Ostkreis-Kandidat Hans Friedl: „Das ist eine Überraschung im positiven Sinn.“ Mit seinem eigenen Wahlkampf ist der Allinger zufrieden. „Ich habe nichts unversucht gelassen.“ West-Kandidat Georg Stockinger (FW) sagt sein Bauchgefühl: „Die Leute fühlen sich nicht mehr verstanden und vertreten.“ Die Probleme seien nicht gehört worden, das habe er im Wahlkampf stark mitbekommen. Daher das Ergebnis für CSU und SPD.

Er stellt sich auf eine Koalition mit der CSU ein. Vize-Landrat Hans Wieser (FW) räumt Friedl Chancen ein, über die Liste in den Landkreis einzuziehen. Und er rechnet mit einer Koalition CSU-FW.

Die Entsetzten

Die entgegengesetzte Stimmungslage bei der SPD: Bei der Zweitstimme magere 9,5 Prozent im Ost- und sogar nur 7,0 Prozent im Westkreis. Das löste Entsetzen und Mitleid über Parteigrenzen hinweg aus. Kathrin Sonnenholzner (SPD), scheidende Abgeordnete aus Jesenwang, formulierte es so: „Das ist extrem bitter.“ Das schlechte Abschneiden sei nicht nur mit den eigenen Fehlern zu erklären – aber auch. „Wir haben versucht, es zu vielen recht zu machen.“ Im Hinblick auf den Einzug der AfD in den Landtag sagte Sonnenholzner: „Ein schrecklicher Abend – nicht nur für die SPD.“

Michael Schanderl (l.) und Hans Friedl von den FW

Ostkreis-Kandidat Peter Falk meinte, seine Partei hätte sich im Wahlkampf breiter aufstellen müssen. Mit Themen wie Anstand habe man nicht punkten können. Das werde von den Wählern als selbstverständlich vorausgesetzt. Den Wahlkampf im Landkreis bezeichnete der SPD-Mann als gut. Man könne sich aber nicht vom Landestrend entkoppeln.

„Dass es uns so reinhaut, das ist ein Schlag für die SPD“, sagte Westkreis-Kandidat Christian Winklmeier. Sein persönliches Ergebnis sei ganz ordentlich. „Es war ein guter Wahlkampf, ich kann mir nichts vorwerfen.“ Bei dem Ergebnis sei klar, dass es wohl nicht für den Einzug in den Landtag reiche. Das sei absehbar gewesen, auch wenn man auf die Zweitstimmen warten müssen. Winklmeier ist enttäuscht, trägt es jedoch mit Fassung. „Wir müssen uns als Partei hinterfragen und uns damit auseinandersetzen, das wird spannend.“ Kritisch sieht er, dass nun mehr Parteien im Landtag sitzen. Ein zersplittertes Parlament sei schwer handlungsfähig.

Als unverständlich bezeichnet Fürstenfeldbrucks SPD-Fraktionschef Philipp Heimerl das Abrutschen seiner Partei. „Dass eine demokratische Partei schwächer ist als die AfD, da tut mir die SPD leid“, sagte Gabriele Off-Nesselhauf (CSU). Auch Vize-Landrätin Martina Drechsler (CSU) und Georg Stockinger (FW) finden diese Tatsache schrecklich. „Absolut traurig“, sagt Martin Runge (Grüne).

„Da stimmt etwas mit der Gesellschaft nicht“, analysiert Fürstenfeldbrucks OB Erich Raff (CSU). Denn die SPD habe ein Programm zu bieten. Für ihn war deren Abschneiden die schockierendste Nachricht des Abends.

„Mir tun unsere Kandidaten aus den Stimmkreisen leid“, sagte Brucks SPD-Stadtrat Mirko Pötzsch. „Gerade Christian Winklmeier hat einen tollen Wahlkampf geleistet.“ Doch so wie es aussieht, wird der Landkreis diesmal nicht in der roten Landtagsfraktion vertreten sein. „Eine Stimme für die SPD aus dem Kreis wäre wichtig gewesen, es ist schade“, sagt Philipp Heimerl.  tog/imu/st

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