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Ausstellung von Guido Zingerl: Gezeichnete Kritik an Profitgier und Krieg

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Von: Ulrike Osman

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Guido Zingerl
Guido Zingerl © Weber

Mehr als ein halbes Jahrhundert umspannen die Bilder, die ab Freitag in der Kiener-Halle zu sehen sind. Sie bilden einen kleinen, aber charakteristischen Querschnitt durch das Lebenswerk des Brucker Künstlers Guido Zingerl. Und es zeigt sich: Die Zeichnungen sind heute so aktuell wie bei ihrer Entstehung.

Fürstenfeldbruck – Der 89-jährige Guido Zingerl ist bekannt als unermüdlicher Mahner und Ankläger, der sich in seinen Karikaturen, Zeichnungen und Gemälden gegen das Unrecht der Welt auflehnt. Das älteste unter den 21 Werken ist eine Zeichnung mit dem Titel „Deformierte Gesellschaft“. Es stammt von 1968, hat aber an Aktualität nichts eingebüßt. Thema ist die Profitgier einzelner, die auf dem Rücken der breiten Masse ausgelebt wird.

„Man könnte bei allen Bildern die Daten aktualisieren, ohne dass es jemand merkt“, sagt Alexander Fink. Der Vorsitzende der Hans-Kiener-Stiftung ist mit Guido Zingerl befreundet und hat die Ausstellung angeregt. Passend zu den „ewig jungen Themen“, die der Künstler in seinen Werken verarbeitet, trägt sie den Titel „Das kurze Gedächtnis der Menschheit“.

Zwischen den vielen Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Karikaturen stechen besonders drei großformatige Farbgemälde heraus, die in der hellen, luftigen Halle besonders gut zur Geltung kommen. Fink beschreibt diese zutreffend als „künstlerische Wimmelbilder“, in denen man selbst bei langer und wiederholter Betrachtung immer wieder neue Details entdecken kann.

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„Frieden kommt nicht von allein“ heißt eines der Bilder. Zingerl malte es 1982 unter dem Eindruck des ersten Libanonkrieges, des Falklandkrieges und des Nato-Doppelbeschlusses. Wie ein Keil lässt er einen Demonstrationszug sich zwischen eine waffenstarrende Albtraumwelt und die Profiteure in Gestalt der Rüstungsindustrie schieben.

„Lasst und das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde“ – dieses Zitat von Bertold Brecht könnte als Motto über Zingerls gesamter künstlerischer Aussage stehen. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung.

Die Halle des Hans-Kiener-Hauses im Rückgebäude der Münchner Straße 3 hat die gleichnamige Stiftung für die Nutzung durch soziale Einrichtungen umgebaut. Die Brucker Tafel packte hier während des Corona-Lockdowns Lebensmitteltüten. Der Weiße Ring und das Dominikus-Ringeisen-Werk haben ihre Büros gleich nebenan. Die Halle soll auch für gesellschaftliche Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Fink wünscht sich, „dass Leben entsteht“ in diesem Winkel der Münchner Straße.

Die Ausstellung

„Das kurze Gedächtnis der Menschheit“ mit Werken von Guido Zingerl in der Halle des Hans-Kiener-Hauses (Münchner Straße 3, Rückgebäude) läuft vom 27. bis 29. Mai. Die Öffnungszeiten: Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr, Sonntag 11 bis 15 Uhr. Am Sonntag um 11 Uhr findet eine Vernissage mit dem Künstler statt.

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