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Aus dem Gerichtssaal

Gnade für Schwarzfahrerin

Immer wieder ist eine 24-jährige einstige Bruckerin in der S-Bahn ohne Fahrkarte erwischt worden. Nun reichte es dem Staatsanwalt am Brucker Amtsgericht.  Er wollte die notorische Schwarzfahrerin für fünf Monate ins Gefängnis stecken.

Fürstenfeldbruck – Seit 2007 stand die junge Frau fast jedes Jahr vor einem Richter. Zwei Mal bekam sie eine Bewährungsstrafe. 2015 und 2016 wurde sie erneut drei Mal ohne Fahrkarte erwischt. Wegen günstiger Sozialprognose kam sie auch dieses Mal mit einer Geldstrafe von 1200 Euro davon.

Die Frau habe ein schweres Leben hinter sich, meinte der Richter. Als Kleinkind war sie von ihrer Mutter verlassen worden und wuchs bei der Oma auf. Mit nur 16 Jahren wurde sie selbst Mutter, zwei Jahre später brachte sie ihr zweites Kind zur Welt. Der Vater der Kinder hat sie immer wieder geschlagen.

Eine Berufsausbildung hat die 24-Jährige wegen ihrer frühen Schwangerschaften nicht absolviert. Sie erledigte Hilfsarbeiten, um etwas zu verdienen. Das nahm ihr der Kindsvater regelmäßig ab. Wenn sie mit ihrem schwerkranken Kind, das an einer Muskelschwäche leidet, in die Klinik musste, brauchte die 24-Jährige die S-Bahn. Doch das Geld für ein Ticket hatte sie nicht.

Inzwischen hat sie sich von ihrem rabiaten Partner getrennt. Sie lebt in Berlin – unterstützt von Großmutter und zwei Tanten. Weil sie an Schlaf- und Gedächtnisstörungen leidet, will sie eine Therapie machen – und doch noch eine Ausbildung.  (sus)

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