+
Neue Besen kehren das verstaubte Kino aus (v.l.): Markus Eisele, sein Mitarbeiter Christian Pfeil und IG-Vorsitzender Richard Bartels.

Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck

Großes Kino mit Happy End

  • schließen

Vorhang öffne dich! Nach dreieinhalb Jahren öffnet nächsten Freitag das legendäre und denkmalgeschützte Lichtspielhaus wieder seine Pforten. Das Tagblatt hat schon mal einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Fürstenfeldbruck – Der Vorhang, der sich am 28. April 2013 zum vermeintlich letzten Mal geschlossen hat, ist noch immer derselbe. Gewaschen wurde er freilich zwischenzeitlich schon. Die Leinwand dagegen ist nagelneu. Und auch das von Vorbesitzerin Susanne Mair übernommene Mobiliar ist auf Hochglanz getrimmt. 164 bequeme Kinostühle mit Trinkbecher-Halter an der Seite sind verblieben. 116 weniger als anno dazumal. Aber das hat seinen Grund: Denn im hinteren Bereich ist eine Art Wohlfühlloge geplant. Eine flexible Couch-Landschaft mit kleinen Tischchen soll Wohnzimmer-Atmosphäre vermitteln. Vorne unter der Leinwand wurde eine kleine Bühne installiert, die für Vorträge und kleine Kabarett-Einlagen dienen soll.

Noch ist nicht alles perfekt, aber bis zur Eröffnung am kommenden Freitag soll alles passen. „Simpel“, wie der Startup-Film im Lichtspielhaus heißt – es ist die Deutschlandpremiere des eigentlich erst zwei Wochen später offiziell in die Kinos kommenden Streifens –, ist der nostalgische Kinotempel freilich nicht. Der Filmtitel damals bei Abschiedsvorstellung am 28. April 2013: „Das Leben ist nichts für Feiglinge.“

Mehrere andere Kinos

Feig ist Markus Eisele nicht. Er betreibt auch Kinos in München, Stegen und Zwickau und ist ein Cineast durch und durch. Es steckt viel Herzblut drin im neuen Lichtspielhaus. Das ist schon jetzt im lachsfarben gehaltenen Foyer zu spüren. Dort, wo ganz früher mal auf der linken Seite das Kassen-Kabuff mit Sprechbuchse war, soll künftig so eine Art Mini-Kintopp-Museum entstehen. Noch stehen aber Farbeimer und Leitern rum. Der übrige Einlassbereich schaut dagegen schon ganz schmuck aus.

Das Herzstück des Kinos ist weiterhin nicht direkt, sondern über den für die Öffentlichkeit gesperrten Seiteneingang zu erreichen. Im ersten Stock befindet sich der Blechklotz, der für moderne Kinoeffekte unerlässlich ist: der digitale Filmvorführer, der unten vom Foyer aus gesteuert per Knopfdruck funktioniert und irgendwie dafür verantwortlich war, dass das Lichtspielhaus damals überhaupt dicht gemacht hat. Die finanziell anspruchsvolle Umstellung vom antiken Filmabspul-Projektor zum hypermodernen PC-Panoptikum haben Vorbesitzerin und Investoren abgeschreckt.

Eisele dagegen hat eine billige Lösung gefunden: Er teilt sich das Digital-Monster auf Leihbasis mit Tom Blum, der mit dem gleichen Gerät jeden August seinen Freiluft-Kinosommer auf dem Klosterareal gestaltet. Für Eisele kein Problem: In den Ferien hat das Lichtspielhaus ohnehin geschlossen, der transportable Kino-PC wird einfach für diese Zeit nach Fürstenfeld verfrachtet.

Aber eigentlich hat sich nicht viel verändert, seit Kino-Profi Eisele die Regie über das altehrwürdige Gemäuer im Auftrag der mittlerweile auf 120 Mitglieder angewachsenen IG Lichtspielhaus unter der Leitung von Richard Bartels übernommen hat. Zuvor war über die Fortsetzung der Filmbude ein heftiger Streit über Sinn oder Unsinn entstanden. Das Drehbuch dazu füllte sogar einen ganzen Oberbürgermeister-Wahlkampf.

Die Frage wurde zum Politikum

Denn der ehemalige Grüne, spätere Freie Wähler und aktuell parteilose Thomas Lutzeier hatte wie viele andere Ur-Brucker die teilweise schon verschimmelten (Lein-)Wände dazu auserkoren, ein neues Stück Filmgeschichte in der Kreisstadt zu schreiben. Ein halbes Jahr nach Schließung des Zelluloid-Tempels an der Maisacher Straße wurde kurz nach Weihnachten 2014 in den Fürstenfelder Lokalitäten ein Förderkreis gegründet mit dem Ziel, das Lichtspielhaus neu erstrahlen zu lassen. Das ist nun gelungen. Allerdings nicht so, wie es sich Lutzeier und seine Mitstreiter vorgestellt haben. Der hatte auf ehrenamtliche Mitarbeiter gesetzt, Bartels favorisierte die professionelle Schiene.

Im Verlauf vieler Kompetenzstreitigkeiten und mit Einflussnahme bürokratischer Denkmalschützer hatten sich Förderverein und Interessengemeinschaft auseinander dividiert. Die OB-Wahl, bei der Lutzeier mangels nötiger Unterschriften nicht antreten durfte, gab schließlich den Ausschlag. Längst schon hatte die Denkmalschutz-Behörde strikte Auflagen gemacht, als das Rathaus die Initiative ergriff und das vom renommierten Architekten Adolf Voll 1930 erbaute Kino für 1,04 Millionen Euro erwarb. Was zunächst angesichts der Filetlage mitten in der City als cleverer Schnäppchen-Schachzug galt – immerhin würde die Bebauung mit Wohnungen ein deutliches Plus in die Stadtkasse spülen –, wurde dann doch zu einem Politikum. Großes Kino im Wahlkampf.

Dann war Zug dahinter

Das dramatische Gezetere ist inzwischen längst verhallt, das Happy End flimmert im Abspann auf. Am 15. März hatte Eisele den Zuschlag bekommen und den momentan noch auf ein halbes Jahr befristeten Pachtvertrag unterschrieben. An Ostern 2018 wird der Probebetrieb für etwa ein halbes Jahr noch einmal unterbrochen, um das Kino endgültig fertig zu renovieren. Dann soll auch der Vertrag unbefristet verlängert werden.

Zuletzt ging alles selbst für Eisele und Bartels überraschend schnell. „Da war Zug dahinter“, loben sie und meinen damit vor allem Kamilla Ilgen und Bruno Wegner, die im Rathaus ein Auge aufs nahe Kino haben und den Handwerkern Dampf machten.

Das November-Programm

im Lichtspielhaus steht im Internet unter www.kino-ffb.de. Am 29. Oktober präsentiert Jung-Regisseur Jonas Gernstl – der Sohn des BR-Kult-Filmemachers – seinen Film „665 Freunde“. Danach gibt es (außer donnerstags) täglich aktuelle, vom Publikum auserwählte Wunschfilme wie „Amelie rennt“ oder „Ostwind 3“ sowie Nostalgie-Schinken wie „Casablanca“ und „Alexis Sorbas“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neue Predigerin in Auferstehungskirche
Die Evangelische Auferstehungsgemeinde bekommt eine neue Prädikantin. Sabine Rother wird im Gottesdienst am Sonntag, 17. Dezember, in ihr neues Amt eingeführt und dabei …
Neue Predigerin in Auferstehungskirche
Puchheim bekommt einen Naturkindergarten
 Puchheim soll seinen ersten Naturkindergarten bekommen. Der Stadtrat beschloss jetzt die dafür formal notwendige Anerkennung von 20 weiteren Kinderbetreuungsplätzen.
Puchheim bekommt einen Naturkindergarten
Erste Ganztagsklassen in Eichenau
In Eichenau sollen die ersten Ganztagsklassen entstehen – und zwar an der Starzelbachschule. Eine Befragung hat ergeben, dass Eltern ein solches Angebot möchten.
Erste Ganztagsklassen in Eichenau
Zeugenschutz rettet Frau Leben – aber ruiniert ihre Gesundheit
Auf der Flucht vor ihrem brutalen Ehemann musste Maria S. ihre Heimat verlassen und eine neue Identität annehmen. Im Kreis Fürstenfeldbruck hat sie eine neue Bleibe …
Zeugenschutz rettet Frau Leben – aber ruiniert ihre Gesundheit

Kommentare