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Otto Meißner und Susanne Poller: Der ehemalige Vorsitzende, der zuletzt Beisitzer war, gilt als „Mister HVF“. Poller ist Kreisheimatpflegerin und wird Beisitzerin.

Das Tagblatt spricht mit den Nachfolgern

Großes Stühlerücken beim Historischen Verein

Fürstenfeldbruck - Beim Historischen Verein Fürstenfeldbruck (HVF) geht eine Ära zu Ende: Mehr als die Hälfte der Vorstandsposten ist neu besetzt worden. Die ausscheidenden Vorstände der „Generation Aufbau“ haben den Verein in den vergangenen rund 15 Jahren zu dem gemacht, was er heute ist.

79 Mitglieder gaben den designierten Nachfolgern bei der Versammlung im Veranstaltungsforum einhellig ihren Segen. Sie bestätigten auch die verbliebenen Vorstände – Ulrike Bergheim und ihren Stellvertreter Jürgen Horbach sowie Anne Mischke-Jüngst, Fritz Aneder und Toni Drechsler – einstimmig in ihren Ämtern. Noch im vergangenen Jahr hatte es so ausgesehen, als fänden sich keine Nachfolger. Letztendlich wurden die Neuen persönlich angesprochen und zur Kandidatur

bewegt.

1. Otto Meißner und Susanne Poller

Lange Zeit war Otto Meißner die Lokomotive des HVF, 2015 begann er mit einem Rückzug auf Raten. Nach elf Jahren als Vorsitzender übergab er das Amt an Anna Ulrike Bergheim und wurde Beisitzer, nun ist auch das vorbei. Dem Verein verbunden bleibt der 77-Jährige trotzdem – nicht zuletzt, weil er längst dessen Ehrenvorsitzender ist und vielen schlicht als „Mister HVF“ gilt. Meißner ist stolz darauf, den Verein ins Kulturleben von Stadt und Landkreis integriert zu haben. „Geduld, Ausdauer, Erfolg und viele Helfer, die Sie unterstützen“, wünscht er seiner Nachfolgerin Susanne Poller.

Die 49-jährige Architektin verfügt im Landkreis bereits über ein großes Netzwerk, denn sie ist Kreisheimatpflegerin für Baudenkmäler. „Das ist nicht immer ein nettes Geschäft“, sagt die Schöngeisingerin. Denn manchmal müsse man Hausbesitzern auch unangenehme Wahrheiten sagen. Dem HVF könne ihr Netzwerk jedoch nutzen – deshalb fühlt sich die zweifache Mutter zur Mitarbeit im Vorstand fast verpflichtet. „Ich glaube, ich kann dem Verein etwas geben.“

2. Peter Wollein und Friedrich Staudacher

Schriftführer beim HVF zu sein, ist ein Halbtagsjob – jedenfalls dann, wenn man das Amt so ernst nimmt wie Peter Wollein. In seinen 13 Vorstandsjahren organisierte er neben dem Tagesgeschäft drei Ausstellungen, kümmerte sich um die Homepage des Vereins und fungierte als Ansprechpartner für Fragen der Mitglieder. Als seine größten Erfolge betrachtet er die Mitarbeit an diversen Ausgrabungen und am Aufbau der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte im Brucker Museum.

Mit 76 Jahren ist es nun aber Zeit, den ehrenamtlichen Halbtagsjob an den Nagel zu hängen, findet Wollein. Damit endlich Zeit ist für die Familienchronik, die er schreiben, und die Fotosammlung, die er ordnen möchte.

Der neue Schriftführer Friedrich Staudacher bezeichnet sich nach fünfjähriger Mitgliedschaft noch als „Frischling“. Geschichte und Kultur der Region interessieren den Elektroingenieur aber schon lange – deshalb reizt ihn die Mitarbeit im HVF-Vorstand neben seinen anderen Hobbys Reisen, Natur und Fotografieren. Der Vater zweier Söhne ist 72 Jahre alt und lebt mit seiner Frau in Eichenau.

3. Rolf Marquardt und Ulrich Bähr

Rolf Marquardt war seit 1994 im Vorstand und machte unter anderem als Leiter des Arbeitskreises Vor- und Frühgeschichte von sich reden. Als seinen größten Erfolg betrachtet er die Einrichtung der archäologischen Abteilung im Brucker Museum – ein Unterfangen, für das er neben dem praktischen Engagement die finanziellen Mittel besorgte. „Als Kreisrat weiß man, wo man hinschreiben muss“, so der 80-Jährige. „Dass die Abteilung bleibt und gedeiht“, ist sein größter Wunsch.

Nachfolger Ulrich Bähr aus Schöngeising gehört dem Verein erst seit zwei Jahren an. Experimentelle Archäologie, das frühe Mittelalter und historische Verkehrsbeziehungen interessieren den Datenverarbeitungsberater (50). „Und da haben wir im Verein ein Riesenpotenzial.“

4. Werner Dreher und Alfred Beheim

Als Redakteur der vom HVF herausgegebenen sogenannten „Brucker Blätter“ ist Werner Dreher bereits im September zurückgetreten. Gesundheitliche Gründe zwangen ihn zu diesem Schritt. Damals sprang Alfred Beheim kurzfristig ein. Nun wurde er offiziell als neues Mitglied in den erweiterten Vorstand gewählt.

„Regionalhistorie war immer mein Faible“, erzählt der 60-Jährige. „Sie hat mich schon in der Schule mehr interessiert als Mathe.“ Kein Wunder also, dass der Verwaltungsbeamte später Gründungsmitglied und Schriftführer des Vereins „Lebensraum Haspelmoor“ wurde und maßgeblich an den Feierlichkeiten zum 950-jährigen Bestehen seiner Heimatgemeinde Hattenhofen beteiligt war.

Und wenn in zweieinhalb Jahren die Ruhephase seiner Altersteilzeit beginnt, wird er noch mehr Freiraum für ehrenamtliches Engagement haben – doch schon jetzt will sich der Vater zweier Töchter mit Elan in die HVF-Arbeit stürzen.

5. Volker Goldbeck und Angela Thorwirth

Manche HVF-Schatzmeister hielt es nur wenige Monate im Amt. Volker Goldbeck blieb zehn Jahre und hütete damit die Vereinskasse am zweitlängsten. Viel Kleinarbeit hinter den Kulissen war gefragt und manchmal detektivisches Geschick, wenn es darum ging, die aktuellen Adressen verzogener Mitglieder zu ermitteln. Die Umstellung der Beitragseinziehung auf das SEPA-Verfahren sieht Goldbeck als eine der größten Herausforderungen – neben der Einführung eines neuen Verwaltungstools und der finanztechnischen Verschmelzung mit dem Förderverein des Klosters, die immerhin rund 220 neue Mitglieder zum HVF brachte.

Aber der 71-Jährige jonglierte nicht nur mit Zahlen. Auf eine Anfrage der Sternwarte Bonn begann er über den vergessenen Brucker Erfinder Franz Heinrich Lollert zu recherchieren und förderte viel Wissenswertes zutage – zum Beispiel, dass 1948 ein von Lollert entwickeltes Teleskop in Bruck stand, und dass er diverse medizinische Gerätschaften erfand. Seiner Nachfolgerin wünscht Goldbeck, „dass sie die Kasse genauso ruhig durch die Fährnisse der Zeit bekommt wie ich – und so lange“.

Als Vize-Geschäftsstellenleiterin der Brucker Sparkasse ist Angela Thorwirth prädestiniert für den Posten, und als langjährige Schatzmeisterin des SC Maisach bringt sie reichlich Erfahrung in Sachen Vereinsfinanzen mit. Die 56-Jährige ist Mutter von vier Söhnen, lebt in Olching und wünscht ihrem Vorgänger „alles Gute, für das, was er sich vorgenommen hat“. Das wird sich zumindest teilweise nach wie vor beim HVF abspielen, denn dort bleibt Goldbeck aktiv bei der Organisation von Ausflügen.

6. Josef Braun und Wolfgang Wuthe

Sein großes Ziel, in Mammendorf eine historische Sammlung aufzubauen, hat Josef Braun in seinen fünf Jahren als HVF-Vorstandsmitglied nicht verwirklichen können. „Das verfolgen wir aber weiter“, sagt der 78-Jährige. Seine Nachfolge als Beisitzer tritt der gleichaltrige Wolfgang Wuthe an. Beide kommen aus der Historischen Vereinigung Mammendorf, die mittlerweile als Arbeitskreis in den HVF integriert ist.

Was die neue Riege vorhat

Das Programm für das laufende Jahr, das der neue Vorstand umsetzen will, steht. Im Oktober organisiert der HVF eine Reise zu frühchristlichen Zeugnissen nach Armenien. Tagesfahrten führen zum Kloster Waldsassen, zu den Kirchen in Maisach, Esting, Geiselbullach und Olching, nach Benediktbeuern und an den Tegernsee.

Von Ulrike Osman

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