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In diesem Wrack des BMW-Erlkönigs starb die 53-jährige Beifahrerin.

22 Monate Gefängnis

Haft für tödliche Spritztour im Testwagen

Es war ein Horror-Unfall: Ein BMW-Ingenieur und Testfahrer schrottete bei einer Spritztour den Prototyp eines Sportwagens. Seine Beifahrerin starb. Gestern wurde der Man aus dem westlichen Landkreis zu 22 Monaten Haft verurteilt.

Westlicher Landkreis/Landshut Der 39-Jährige arbeitet seit 2010 bei BMW. Den Sportwagens hat er selbst mitentwickelt, unter anderem Fahrwerk und Fahrverhalten. Im Juni 2018 besuchte er eine Geburtstagsfeier in Bonbruck (Kreis Landshut). Seine zukünftige Schwiegermutter (53) war mit von der Partie. Auch sie arbeitete bei BMW. Sie habe ihn zu einer Spritztour überredet. Das sei der lang gehegte Traum der Frau gewesen, so der 39-Jährige bei der Verhandlung vor dem Landgericht Landshut. „Und sie wollte sicher nicht nur das Interieur genießen.“ Vielmehr habe sie ihm zu verstehen gegeben, dass sie das schnelle Autofahren liebe.

Vor Gericht war der 39-Jährige reumütig: „Ich kann mir bis heute nicht verzeihen, was passiert ist, und ich wünschte, ich wäre nicht losgefahren und hätte ihr den Wunsch nicht erfüllt.“ Er befinde sich wegen des Unfalls vor fast eineinhalb Jahren noch immer in psychischer Behandlung.

In Kurve Kontrolle verloren

Gegen 22.40 Uhr raste der Mann aus dem westlichen Landkreis Fürstenfeldbruck damals mit dem BMW M 850i in der Testphase – einem so genannten Erlkönig – durch eine Links-rechts-Kurvenkombination in einem Waldstück. Mit 116 Stundenkilometer verlor er die Kontrolle über den Boliden. Er krachte gegen mehrere Bäume und landete auf dem Dach. Seine Beifahrerin starb noch an der Unfallstelle. Der Fahrer kam mit leichten Verletzungen davon. Er hatte eine Schürfwunde am rechten Auge.

In einem ersten Prozess war der Mann zu 22 Monaten Bewährungsstrafe und zwei Jahren Führerscheinsperre verurteilt worden. Der Staatsanwaltschaft war das zu wenig. Sie ging in Berufung.

Zwei Wochen nach der Verhandlung damals heiratete der 39-Jährige die Tochter der Toten. Diese begleitete ihn auch gestern zum Berufungsprozess. Nach dem Urteil war sie ebenso fassungslos wie ihr Mann und völlig in Tränen aufgelöst.

Kein verbotenes Rennen

Die Staatsanwaltschaft war ursprünglich von einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge ausgegangen. Sie hatte dem Testfahrer vorgeworfen, den 2,1 Tonnen schweren und 530 PS starken Sportwagen bewusst zum Driften gebracht und die Kurven geschnitten zu haben. Ein Normalfahrer hätte die Kombination mit 70 Stundenkilometer durchfahren, auch für einen Profi wäre bei 95 Stundenkilometer Schluss gewesen. Der Fahrer räumte ein, zu schnell unterwegs gewesen zu sein. Als der Testwagen ausgebrochen sei, habe er aber versucht, gegenzulenken und Gas zu geben, um den Erlkönig wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Der Kfz-Sachverständiger bestätigte diese Version des Geschehens in beiden Prozessen. Bei bewusstem Driften wäre der Lenkeinschlag anders gewesen. Der 39-Jährige sei ein Könner und habe schnell reagiert.

Aber bei der gefahrenen Geschwindigkeit sei es „einen Tick zu spät gewesen“. Das Landgericht Landsberg kassierte gestern das Ersturteil. Der 39-Jährige wurde wegen fahrlässiger Tötung und Straßenverkehrsgefährdung schuldig gesprochen. Die zweijährige Führerscheinsperre bleibt bestehen. Walter Schöttl

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