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Werner Kainzinger koordiniert die Fursty-Ärzte.

Asyl-Ärzte berichten

Hallo Doc, wie geht es Dir?

Fürstenfeldbruck – Insgesamt 17 Ärzte kümmern sich in jeweils unterschiedlichem Ausmaß um die aktuell rund 1100 Asylbewerber in der Dependance am Fliegerhorst. Sie erzählen von ihren Begegnungen.

Die Mediziner haben vor kurzem neue Räume bezogen und freuen sich über eine bessere Ausstattung. Ärzte-Koordinator Werner Kainzinger zeigt sich zufrieden.

„Hey Doc, how are you?“ (Hallo Doc, wie geht es Dir) – diesen Satz hört Kainzinger mittlerweile immer wieder, wenn er durch Bruck geht. Der Fursty-Medizin-Koordinator berichtet von einer großen Dankbarkeit vieler Asylbewerber, allerdings auch davon, dass rund 20 Prozent der Flüchtlinge nur schwer zu erreichen seien.

Werner Kainzinger koordiniert die Fursty-Ärzte.

Die neuen Räume seien angesichts der Vergrößerung der Einrichtung dringend nötig gewesen, schildert er. Bis zu 900 Behandlungen im Monat leistet das Ärzteteam, dem unter anderem mehrere Allgemeinmediziner angehören, Kinderärztinnen, Internisten und neuerdings für einige Stunden je Wochen auch ein Psychiater. Vor dem Umzug in die neuen Räume hatten die Fursty-Ärzte kaum medizinisches Gerät zur Verfügung. Das hatte zur Folge, dass immer wieder Flüchtlinge in Facharzt-Praxen überwiesen werden mussten. Diese Zahl hat sich nun deutlich reduziert, weil es in der Dependance beispielsweise mittlerweile Ultraschallgeräte gibt. Die geringe Zahl an Überweisungen entlaste die Praxen und damit auch die Bevölkerung, sagt Kainzinger. Teils wurden die Geräte gekauft, teils wurden sie aber auch gespendet. Im Umgang mit den Flüchtlingen sei natürlich die Sprachbarriere ein Problem. Die Flüchtlingen würden sich da untereinander helfen. Irgendeiner kann dann schon übersetzen. Insgesamt bemerkt Kainzinger bei den Asylbewebern auch eine gewisse Neugier auf die ärztliche Versorgung.

Rund ein Drittel der Behandlungen erfolgten wegen banaler grippaler Infekten. Immer wieder müssten aber auch teils exotische Hauterkrankungen behandelt werden und Wirbelsäulen-Beschwerden. Je Monat gebe es etwa drei bis sieben Tuberkulose-Erkrankungen, die Zahl der Krätze-Fälle sei unbedeutend. Viel zu tun haben die Gynäkologen, berichtete Kainzinger – viele Frauen sind schwanger, einige auch ungewollt. Außerdem immer wieder auf der Behandlungsliste: Schrammen vom Fußballspielen oder von Radlunfällen.

Als nächstes auf die Agenda sollen Impfungen, was mit nicht unerheblichen Kosten verbunden sein werde. Es gelte aber unbedingt, den Ausbruch von Krankheiten zu vermeiden, die hierzulande eigentlich als ausgerottet gelten, sagte Kainzinger, der sich jüngst allerdings auch einmal einem Angriff gegenübersah, der ihn zwang, die Polizei um Hilfe zu bitten. Das sei aber ein einmaliges Vorkommnis gewesen.

Adelheid Reik von der Regierung von Oberbayern lobte Kainzingers Engagement deutlich. Er habe die ärztliche Versorgung ins Leben gerufen. „Wir brauchen Leute, die anpacken und etwas bewegen. Das alles geht nur, wenn alle zusammenhelfen.“  

st

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