Margit Simoneitwill das Thema bekannt machen.

Projekt

Haymatloz: Flucht vor den Nazis in die Türkei

Unter dem Titel „Haymatloz“ widmet sich das Bündnis Fürstenfeldbruck ist bunt – nicht braun Menschen, die im Nationalsozialismus in die Türkei geflohen sind. 

Fürstenfeldbruck – Los geht es an diesem Dienstag um 18.30 Uhr mit einem Film im Lichtspielhaus. Margit Simoneit erklärt, was dahinter steckt.

Frau Simoneit, wie ist das Projekt entstanden?

Im Jahr 2017 haben wir als Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bei den internationalen Wochen gegen Rassismus eine Veranstaltung über das Leben Eduard Zuckmayers durchgeführt. Der Bruder des Schriftstellers Carl Zuckmayer war Musikpädagoge und musste aufgrund seines jüdischen Glaubens in die Türkei auswandern. Dabei wurde uns bewusst, dass dieses Kapitel der deutsch-türkischen Geschichte bei uns zu wenig bekannt ist. Im Hinblick auf den auch bei uns zunehmenden Rassismus und Antisemitismus und auf die Fluchtbewegung lohnt es sich, sich mit der Thematik zu beschäftigen.

Wer war von der Ausbürgerung betroffen?

Es waren besonders Künstler, Wissenschaftler, Akademiker, politisch Verfolgte – zum Großteil Juden. Also jene, die im nationalsozialistischen Deutschland keine berufliche Zukunft hatten oder um ihr Leben bangen mussten. Um die 1000 Auswanderungs- und Fluchtbiografien sind bisher dokumentiert.

Haben die geflüchteten Deutschen ihre Spuren in der Türkei hinterlassen?

Ja. Sowohl sichtbar mit vielen Bauwerken als auch in Schule und Lehre kann man bis heute diese Spuren finden. So singen türkische Kinder heute noch von Eduard Zuckmayer ins Türkische übersetzte, ursprünglich deutsche Volkslieder. Das Wort „Haymatloz“, das den Ausgebürgerten in ihren Pass gestempelt wurde, ist als Lehnwort ins Türkische übernommen worden.

Wie wollen Sie das Thema greifbar machen?

Der Film begleitet Nachkommen der Exilanten auf den Spuren ihrer Kindheit in der Türkei und lässt sie aus ihrem Blickwinkel von den damaligen Lebensumständen und von ihren Eltern erzählen. Dabei wird auch ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Türkei geworfen. Eine Ausstellung, die bis zum 30. November in der Volkshochschule läuft, klärt mit Bildern und Fakten über die politischen und geschichtlichen Entwicklungen der damaligen Zeit in Deutschland und in der Türkei auf. Den Schwerpunkt bilden wieder ausgewählte Biografien. Der Autor Kemal Yalcin liest am 28. November aus seinem Buch, das er nach Gesprächen mit Zeitzeugen und deren Kindern verfasst hat.

Wie beurteilen Sie gegenwärtig das deutsch-türkische Verhältnis?

Da kann ich nur sagen: sehr schwierig. Sicherlich kann unser Projekt ein kleiner Schritt sein, vor Ort etwas zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und stärkerem Zusammenwachsen beizutragen. seo

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