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Wenn Frauen vor gewalttätigen Männern geflohen sind und Platz im Frauenhaus gefunden haben, können sie nicht ewig bleiben.

Wohnungsnot trifft Gewaltopfer immer härter

Herbergssuche nach dem Frauenhaus

Die Wohnungsnot in der Region betrifft zunehmend auch Frauen, die vor ihren prügelnden Ehemännern geflohen sind. Eine Besserung ist nicht in Sicht.

Landkreis „Verzweiflung und Frustration sind riesengroß“, sagt eine Sprecherin des Frauenhauses im Landkreis auf Tagblatt-Anfrage. Wenn Frauen vor gewalttätigen Männern geflohen sind und Platz im Frauenhaus gefunden haben, können sie nicht ewig bleiben – und hier liegt eines der Probleme: Wie findet man eine Wohnung für eine alleinstehende Frau mit beispielsweise drei Kindern?

Wie die Sprecherin des Frauenhauses sagt, kursieren bei den Betroffenen die kuriosesten Ideen. Die Frauen würden sich auf jede denkbare Wohnung bewerben, stehen bei den Besichtigungen Schlange, oft ohne Erfolg. Es folgt dann immer wieder die Bitte um Verlängerung des Aufenthalts im Frauenhaus, der eigentlich auf ein halbes Jahr beschränkt ist. Das Damoklesschwert der nicht vorhandenen Wohnungen schwebe über allen, so die Sprecherin.

Das hat dann zur Folge, dass die Plätze im Frauenhaus für neue Fälle fehlen. 170 Anfragen im Landkreis Bruck im vergangenen Jahr standen nur 14 Aufnahmen gegenüber – viele Frauen mussten weitervermittelt werden, weil das Frauenhaus voll war. So nächtigten die Betroffenen etwa übergangsweise in der Bahnhofsmission.

Allerdings: In den vergangenen Wochen habe es auch Lichtblicke gegeben, wie die Sprecherin des Frauenhauses berichtet. Einige Male habe man Glück gehabt und doch eine Wohnung gefunden. Von nur einer einzigen Frau sei bekannt, dass sie nach dem Aufenthalt im Frauenhaus in die „gewaltgeprägte Situation“, wie es im Fachjargon heißt, zurückging. Manche Frauen fanden auch Unterkunft bei Bekannten, bei anderen ist nicht bekannt, wo sie jetzt leben.

Insgesamt befürchtet die Sprecherin, dass Frauen sich aufgrund der Situation schneller auf feste Bindungen zu anderen Männern einlassen, nur um eine Wohnung zu haben. Sprich: Man zieht zusammen, bevor man genau weiß, ob der neue Partner zuverlässig ist. Dabei ist Gefahr gegeben, dass die Spirale der Gewalt von vorne beginnt.

Insgesamt bietet das Frauenhaus im Landkreis Platz für jeweils maximal sechs Frauen mit zusammen sieben Kindern. Im Jahr 2016 wurden 14 Frauen neu aufgenommen, sechs waren zum Jahreswechsel schon da. Insgesamt wurden auch 21 Kinder betreut. Im Schnitt bleiben 22 Prozent der Frauen länger als sechs Monate. Das sei für die Betroffenen sehr anstrengend, berichtet die Sprecherin. Denn in dem Haus treffen die verschiedensten Nationalitäten mit Kindern unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem Bildungshorizonten aufeinander. Daher könne es auch zu einer Art Frauenhauskoller kommen.

Lösungen für die Wohnungsnot sieht die Sprecherin keine. Möglicherweise müsse man über die Gründung von Wohngemeinschaften nachdenken. Auch für ihre Mitarbeiter sei das alles sehr frustrierend. 

Der geplante Neubau eines Frauenhauses in Bruck muss als gescheitert gelten. Zuvor hatten die Verantwortlichen einen Paradigmenwechsel angekündigt. 

Thomas Steinhardt

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