Wie der Tatort Fürstenfeld ausgeht, entscheidet das Publikum jeden Abend von neuem. foto: tb

Tatort Fürstenfeld

Hier entscheiden die Zuschauer, wer der Mörder ist

Fürstenfeldbruck – Komödiantisch ist die Neue Bühne Bruck aus der Sommerpause zurückgekehrt. Und nicht nur das: Mit einem nahezu komplett improvisierten Krimi geht das Theater neue Wege. Statt kurzer Szenen à la „In Impro Veritas“ wird ein abendfüllendes Stück aus dem Stegreif entwickelt.

Und zwar mit Hilfe des Publikums, das mitentscheiden darf. Soll am „Tatort Fürstenfeld“ konventionell mit dem Messer gemordet werden, mit Nagellack, einem Regenschirm oder gar mit einem Kaffeefilter?

Wie ein Kaffeefilter zur Mordwaffe werden kann, das wissen die beiden Darsteller Christina Schmiedel und Michael Stadler heute noch nicht. Denn bei der Premiere fiel die Wahl der Zuschauer auf den Regenschirm als Tatwerkzeug und den Gärtner als Opfer. Bei der nächsten Vorstellung am Sonntag kann das schon ganz anders sein. Da wird womöglich ein Finanzbeamter mit der Kettensäge dahingerafft. Vorgegeben sind bei dem Stück lediglich ein Rahmen und zwei von Carlos Camos eigens komponierte Klavierstücke, die die Handlung wie eine Filmmusik untermalen. In den improvisierten Szenen wird das Leben des späteren Opfers aufgerollt. Hier werden alle entscheidenden Hinweise auf das Motiv gestreut, hier lernt man die Verdächtigen kennen – überzeichnete Typen mit hohem Wiedererkennungswert. „Das Ganze geht stark in die komödiantische Richtung“, so Christina Schmiedel. Wobei eine klare Grenze zum Absurden gezogen wird – die Geschichte soll plausibel sein.

Für die Schauspieler ist das Stück eine Konzentrationsleistung erster Güte. Denn sie müssen die spontan erfundenen Indizien alle im Kopf behalten, damit sie später in der Auflösung erklärt werden können. Absprachen sind tabu. Vielmehr spielen sich die Figuren auf der Bühne die Informationen zu – anders geht es nicht. „Wir überraschen uns gegenseitig“, erklärt Schmiedel. „Im Impro-Theater ist es tödlich, wenn man vorher weiß, was erraten werden soll.“

Die Vorbereitungen auf „Tatort Fürstenfeld“ waren anders als die Proben für ein inszeniertes Stück. Es wurde stets vor Publikum geübt. Die Schauspieler hatten zwar keine Texte zu lernen, mussten aber in den eigenen Charakter-Fundus greifen und sich Typen, Gesten, Dialekte für die Figuren überlegen. „Opfer und Verdächtige müssen von der ersten Sekunde an unterscheidbar sein.“ Auch beim Schluss gibt es viele Variationen. Wird der Täter verhaftet oder kommt er davon? War das Ganze womöglich gar kein Mord, sondern Selbstmord oder ein Unfall? „Es steckt noch total viel drin.“ Und es gibt noch neun Aufführungen, in denen all das passieren kann. (os)

Weitere Aufführungen

sind der 23., 28. und 30. Oktober sowie der 4., 11., 12., 18. und 19. November, freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr. Karten gibt es im Internet unter der Adresse www.buehne-bruck.de oder an der Abendkasse.

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