Absteigen heißt es an der Amperkanal-Brücke an der der Oskar-von-Miller-Straße
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Absteigen heißt es an der Amperkanal-Brücke an der der Oskar-von-Miller-Straße

Testfahrt

Unterwegs mit Brucks Zweirad-Papst: Hier muss die Stadt noch radlfreundlicher werden

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Seit Ende Januar darf sich Fürstenfeldbruck mit dem offiziellen Zertifikat als „Fahrradfreundliche Stadt“ schmücken. Doch ist sie das tatsächlich? Das Tagblatt war auf Test-Tour mit dem ADFC-Experten Adi Stumper. Dabei wurde deutlich: Das Radwegnetz weist etliche undurchsichtige Stellen und Gefahren auf.

Fürstenfeldbruck – Am brenzligsten ist die Situation weiterhin auf der engen Amperbrücke. Hier treffen Laster, Pkw und Zweiräder aufeinander. Und daran wird sich so schnell nichts ändern. Erst wenn der seit Jahren geplante autofreie neue Brückenschlag von der Magdalena-Kirche rüber zur Münchner Straße umgesetzt ist, könnte sich die Lage entspannen.

Auto trifft auf Radl

Doch freie Fahrt für radelnde Pendler von der City zum Bahnhof wird es auch dann nicht geben. Denn Bruck bleibt Knotenpunkt zweier Bundesstraßen, die ungeachtet aller Wünsche und Vorstellungen der Kommunalpolitiker ihre eigenen Gesetze und Behörden haben. Besonders deutlich wird das an der Kreuzung Augsburger-/Marthabräustraße. „Radfahrer absteigen“ – schwarz auf weiß steht auf dem Schild, dass es sich auf dem links stadteinwärts führenden, in beiden Fahrtrichtungen befahrbaren Schutzstreifen ausgestrampelt hat. Wer verkehrsrechtlich konform in die City radeln will, muss bis zu vier Fußgänger-Ampelknöpfe drücken und die Straßen schiebend überqueren.

Büsche behindern die Sicht auf die Emmeringer Straße 

Danach geht der Kampf zwischen Pferde- und Menschenstärken erst richtig los. Dabei wäre die innerstädtische B 2 breit genug, um mit ein bisschen guten Planungswillen jedem einen eigenen Streifen zu gönnen. Raclclub-Chef Adi Stumper, der zwar in Mammendorf lebt, aber auf allen Radwegen im Landkreis daheim ist, vergleicht die Wünsche der Drahteselfreunde mit dem Kampf gegen Windmühlen und einer „Verkehrspolitik aus den 1970er-Jahren“.

Radweg endet abrupt

Ähnlich ist die Situation am anderen Ende der Stadt, wo die für Laster und Pkw zur Umgehungsroute gewordene Oskar-von-Miller-Straße in die B 2 mündet. Vor allem ortsunkundige Radler auf dem Weg zum Bahnhof oder zum Kloster stehen an mehreren Stellen „wie der Ochs vorm Berg“. Denn durchgehend ist die fast drei Kilometer lange Oskar-von-Miller-Straße nicht zu beradeln. Zwar gibt es auf der Südseite einen in beide Richtungen freigegebenen Radweg. Der endet jedoch auf der Mitte der Strecke auf der engen Amperkanal-Brücke mit einem Verbotsschild. Hält man sich an die Gesetze, müsste der Drahtesel zur Überquerung der verkehrsreichen Straße auf dem Zebrastreifen geschoben werden.

Auf der Nordseite geht es weiter, allerdings auf einem engen Gehsteig – zusammen mit Fußgängern. Wer einst im Theorie-Unterricht vor der Führerscheinprüfung aufgepasst hat, kann das unterhalb des blauen Fußgängeremblems angeschraubte weiße Zusatzschild „Radfahren erlaubt“ richtig deuten: Streng genommen besagt es, dass in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf. Also knapp sieben Stundenkilometer, was auf zwei Rädern Balancekünste erfordert.

Sicht ist behindert

Doch auch wenn Radfahrer unter sich sind, kann es brandgefährlich werden. Etwa auf der autofreien, erst vor wenigen Jahren gebauten Holzbrücke unterhalb des ausschließlich Fußgängern vorbehaltenen Deichenstegs. Ein Stoppschild und künstliche Verengungen warnen zwar vor aus beiden Richtungen kommenden Radlern auf der vorfahrtsberechtigten Emmeringer Straße. Doch überhängende Sträucher und dichte Büsche verhindern den Durchblick. „Ein Spiegel könnte Abhilfe schaffen“, sagt Stumper.

Auf dem Radweg zum Kloster ist nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt.

Am anderen autofreien Ufer ist die Situation ähnlich. Fast täglich sind dort brenzlige Beinahe-Zusammenstöße zu beobachten, wenn sich Radler bei der Ein- und Ausfahrt zur Weiherstraße in die Quere kommen. Dabei ist dieser Straßenzug erst kürzlich zu einer der noch wenigen Fahrradzonen in der Stadt ausgewiesen worden. Auch dort würde ein kostengünstiger Spiegel helfen.

Es gibt noch viel zu tun

Auch nach der Zertifizierung zur fahrradfreundlichen Kommune – die Bewerbungsphase dauerte fünf Jahre – gibt es noch viel zu tun. Unermüdlich kämpfen Stumper und Mitstreiter um Verbesserungen. Demnächst werden Maßnahmen an der äußeren Schöngeisinger Straße umgesetzt.

Und an der Ampel endet der Radweg an der B 2

Oft scheitern guter Wille und gesunder Radlerverstand aber an kleinlicher Paragrafenreiterei. So am Waldfriedhof, wo der stadteinwärts führende Radweg plötzlich mit einem Verbotsschild endet und der Radler auf dem Zebrastreifen die Landsberger Straße queren muss – nur weil Der Weg danach für Fußgänger und Radfahrer angeblich um ein paar vorgeschriebene Zentimeter zu eng ist. Dabei ist die Situation auf der anderen Straßenseite ähnlich und wird mit einer Parkplatz-Zufahrt an einem Supermarkt sogar verschärft.

Es gäbe noch viele kritische Stellen zu beleuchten. Ramponierte, von Baumwurzeln verworfene Teerdecken, undurchsichtige Wegführungen, Schlaglöcher, holprige oder fehlende Bordsteinabsenkungen. Das Fazit des radelnden Reporters: Von einer wirklich fahrradfreundlichen Stadt ist Bruck (wie die meisten deutschen Kommunen) noch meilenweit entfernt. „Gerade so fahrradtauglich“ würde das verliehene Prädikat schon eher treffen. Doch Stumper ist guter Dinge, dass es für Pedaltreter peu a peu voran geht.

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