Kinder sind oft die Leidtragenden familiärer Probleme.
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Kinder sind oft die Leidtragenden familiärer Probleme.

Landkreis Fürstenfeldbruck

Neue Methodik - Hilfe für Jugendliche und Familien wird dezentralisiert

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
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Das Jugendamt will näher zu den Menschen kommen. Daher sollen dezentrale Anlaufstellen gebildet werden – mitsamt einem neuen Konzept zur Familienhilfe.

Fürstenfeldbruck - Jugendhilfe vor Ort: Diese Idee hat man jetzt rund zwei Jahre lang in Puchheim ausprobiert. Und das mit Erfolg, wie Jugendamtschef Dietmar König sagt. Diesem Beispiel folgend soll der Landkreis nun in fünf so genannte Sozialräume aufgeteilt werden. Anlaufstellen geben soll es in Germering im Café Zenja, weiter in Puchheim sowie künftig auch für Olching/Gröbenzell sowie für die Stadt Fürstenfeldbruck und den Westkreis. Die Anlaufstellen für die beiden letzteren Sozialräume werden in der Kreisstadt liegen, für Gröbenzell und OIching sucht man noch nach Räumlichkeiten.

Jugendhilfe vor Ort habe einen ganz großen Vorteil, schildert König: Hausbesuche werden so einfacher. In Puchheim haben die Mitarbeiter beispielsweise Dienstfahrräder. Die neue Nähe zu Problemfeldern soll gepaart werden mit einer neuen Methodik in der Hilfe – mit der Bildung so genannter Familienräte.

Die Idee ist, dass Familien in schwierigen Lagen Unterstützung aus dem eigenen Umfeld finden – etwa aus der Verwandtschaft, von Freunden, oder auch von Nachbarn. Wenn also Probleme auftauchen, soll ein Koordinator bei der Bildung des Familienrats helfen. Dieser soll und kann dann selbst entscheiden, welche Hilfe nötig und sinnvoll ist. Auf diese Art soll die Akzeptanz und letztlich die Effektivität von Jugendhilfe steigen. Sprich: So sollen Lösungsansätze gefunden werden, ohne dass Fachkräfte sie vorschreiben.

Vieles scheitert bislang

Das Jugendamt wirkt eher begleitend. Hintergrund ist auch die Erkenntnis, dass bis zu 25 Prozent der bisher praktizierten Jugendhilfemaßnahmen scheitern. Letztlich sei das dann „rausgeworfenes Geld“, meinte Jugendamtschef König. Klar ist natürlich: Über allem steht das Kindswohl, beziehungsweise die Abwehr einer Gefährdung desselben.

Bei der Änderung gehe es nicht um eine Einsparmaßnahme, betonte der Jugendhilfeplaner Max Makovec. Vielmehr gehe es darum, Menschen zu befähigen, Probleme selbst zu lösen. Die Fähigkeit dazu gehe oft unter in der bislang paternalistischen Haltung der Verantwortlichen. Im Jugendamt hofft man auch, die Zufriedenheit gerade bei den sozialpädagogischen Mitarbeitern zu erhöhen. Denn die Fluktuation war zuletzt recht hoch – gerade bei denen, die einerseits helfen sollten, andererseits oft mit Kindeswohlgefährdungen konfrontiert waren.

Verbesserungen sollen hier mit der neuen Stelle „Beratung, Vermittlung, Intervention“ (BVI) erreicht werden. Sie ist Ansprechpartner für Bürger und für Fachpersonen. Die BVI ist außerdem auf die Bearbeitung von Gefährdungsmeldungen spezialisiert. Landrat Thomas Karmasin glaubt nicht, dass sich die Kostenentwicklung bei der Jugendhilfe durch die Neustrukturierung ändern werde. Teurer werde es aber auch nicht. „Wir setzen Ressourcen besser ein.“

Unterstützung bei der Umstrukturierung kommt auch vom Kreisjugendreferenten Stefan Floerecke und von Jugendhilfereferentin Angelika Simon-Kraus (Grüne). Sie verwiesen unter anderem auf die Homepage www.familienleben-ffb.de, auf der viele Antworten rund um das Thema gebündelt seien.  

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