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1967: Auf dem Bild sind auch die Englischen Fräulein zu sehen.

Niederbronner Weg

Hinter diesem Foto verbirgt sich ein Rästel

Fürstenfeldbruck – Ein Foto, viel Geschichte: Auf einem im Programm der Volkshochschule (VHS) abgedruckten Bild von 1967 sind Frauen in weltlichen und kirchlichen Gewändern zu sehen. Wer sie sind, war anfangs unklar.

Frauen in unterschiedlicher Kleidung stoßen auf die Verabschiedung einer Lehrerin an der Mädchenschule an. Es wird gelacht und gescherzt. Dieser Blick ins Jahr 1967 findet sich im VHS-Programm zu einem Vortrag über die Niederbronner Schwestern. Doch die sind darauf gar nicht abgebildet, wie VHS-Leiterin Silvia Reinschmiedt mittlerweile weiß. „Mehrere Damen haben sich gemeldet und mir gesagt, dass es sich um die Englischen Fräulein handelt.“

Sie haben an der katholischen Mädchenschule in Fürstenfeldbruck fast 100 Jahre lang die Bildungslandschaft der Stadt geprägt. Heute heißt der Schwesternorden, der von der Engländerin Mary Ward Anfang des 17. Jahrhunderts gegründet wurde, Congregatio Jesu und arbeitet in der Seelsorge, Erziehung und Bildung auf der ganzen Welt.

Auf dem Foto ist auch eine ehemalige weltliche Lehrerin zu sehen, die die Arbeit mit den Englischen Fräulein damals sehr geschätzt hat. Sie hat selbst an der Mädchenschule gelehrt, die 1969 zur Grundschule wurde. Die Lehrerin erinnert sich noch gut daran, dass es in der obersten Etage eine wunderschöne Kapelle gab. Wo die lag, sei von außen immer noch erkennbar: Da lagen die Fenster näher beieinander als bei den Klassenräumen.

Die Zusammenarbeit mit den Englischen Fräulein, die auch einen Sitz in Pasing haben, hat die Brucker Lehrkraft immer als sehr angenehm empfunden. „Ich denke so gerne an die Zeit zurück, als Mater Dietlinde Schulleiterin war“, schwelgt die Pensionärin in Erinnerungen. „Sie war immer für alle da und in allen Belangen sehr verständig.“ Nachdem die beliebte Schwester 1969 aus Altersgründen die Leitung der Mädchenschule abgab und eine Grundschule eingerichtet wurde, blieben zwar einige Schwester noch ein paar Jahre. Doch bald wurden sie zurück in ihr Münchner Stammkloster berufen. 2014 zog die gemischte Grundschule ins Gebäude am Theresianumweg. Mit dem Wegzug der Schwestern endete eine lange Schaffenszeit in Bruck.

1863 waren die ersten Englischen Fräulein als Lehrerinnen an die neu gegründete Mädchenschule gekommen, die in einem Flügel der Knabenschule an der Pruggmayrstraße eingerichtet wurde. Elf Jahre später wurde der Grundstein für ein eigenes Gebäude am Niederbronner Weg gelegt, das auch eine Kinderbewahranstalt, also den Vorläufer eines Kindergartens, beherbergte. Auch heute steht das kleine gelbe Haus noch.

Mit dem Dritten Reich brach eine harte Zeit für die Schule an. In nüchternem Ton berichtet die Schulchronik am 28. September 1933: „Einführung des deutschen Grußes in der Schule.“ Die Schwestern wurden von den Nazis misstrauisch beäugt. Der damalige Bürgermeister der Marktgemeinde plädierte 1935 für eine Aufgebung der Unterrichtserlaubnis, da sich die Schwestern seiner Ansicht nach dem NS-Gedankengut entgegensetzten. Im gleichen Jahr konstatierte ein NSDAP-Mitglied: „Gerade die Englischen Fräulein sollte man vertreiben wie damals die Juden aus dem Tempel.“ 1937 mussten die Schwestern dem Druck der Nationalsozialisten nachgeben und die Stadt verlassen.

Schon im Herbst 1945 bat der Brucker Stadtrat die Englischen Fräulein aber zurück nach Bruck. Kurz nach Kriegsende kam die Direktive, dass die Schule wieder den Betrieb aufnehmen sollte – unter widrigen Bedingungen, wie die Aufzeichnungen von Mater Wilhelmina Veit zeigen: „Allgemeine Verwirrung. Man stelle sich vor: Das Haus angefüllt mit Handwerkern, ein Lärm und Schmutz, keine Schulleitung!“ Es gab keine Schulbänke oder Tafeln, nur kahle Wände und Unterricht im Stehen.

Doch in den folgenden Jahrzehnten wurde die Katholische Mädchenschule wieder zur Heimat vieler Brucker Schülerinnen, in den 1960er-Jahren wurde sie umgebaut und erweitert. Heute dient das Gebäude als Nebenstelle der Stadtverwaltung. Doch immer noch werden dort junge Menschen betreut: Im ältesten Teil, einem kleinen Gebäude, befindet sich ein Kindergarten.

Von Maria-Mercedes Hering

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