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Hotel Post Fürstenfeldbruck 400 Jahre
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Das heutige Aussehen erhielt das Hotel Post in Fürstenfeldbruck im Jahr 1873. Bis 1923 hielten dort noch Postkutschen.

Hotel Post in Fürstenfeldbruck

Vier Jahrhunderte Gastlichkeit am Marktplatz

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Seit 400 Jahren steht eine Gaststätte direkt am Marktplatz. Heute ist das einstige Gasthaus ein Romantikhotel. Mit Nostalgiewochen wird die Geschichte des Hauses gefeiert. Und die ist noch nicht zu Ende: Hinter dem Hotel wird gerade wieder gebaut. Ein Blick zurück und in die Zukunft.

Fürstenfeldbruck – Eigentlich beginnt die Geschichte der berühmten Posthalter-Familie Weiß nicht erst vor 400 Jahren, sondern bereits drei Jahre früher. Am 13. Juli 1617 kaufte Michael Weiß das Moosmüllersche Kramerhaus am Marktplatz – und vier weitere in den folgenden Jahren. Im Juni 1620 kamen dann die ersten Bürger ins Gasthaus. Damals durfte nur Wein ausgeschenkt werden.

Die Posthalter

Den Namen erhielt die Gaststätte von der Poststation: Paul Weiß wurde im Jahr 1664 zum ersten Posthalter des Marktes Bruck ernannt – das sicherte der Familie über Generationen die Existenz. Im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges wurde Bruck geplündert. Wie viele Gebäude ging 1704 auch das Gasthaus zur Post in Flammen auf. Paul Weiß ließ es neu bauen – allerdings ohne den charakteristischen Zwiebelturm am Marktplatzeck.

Das Gasthaus war beliebt und für seine gute Küche bekannt. Das änderte sich jedoch. 1760 wurde die Poststraße verlegt, die Gäste blieben aus. Nach dem Tod von Franz Jakob Weiß im Jahr 1767 verkam der Postbesitz, das Gasthaus wurde 30 Jahre von Vormündern verwaltet. Bis Ursula Weiß ihren Sohn Ludwig Philipp überredete, das väterliche Erbe zu übernehmen.

Ludwig Philipp Weiß

Unter Ludwig Philipp Weiß blühte das Anwesen wieder auf. Der berühmteste Sohn der Familie hatte sich in Straßburg in „Küche, Keller und der Kellnerey“ ausbilden lassen, wie Ludwig Weiß senior in der Familienchronik schreibt. In Bruck absolvierte er noch eine Brauerlehre. Der Posthalter brachte mit seiner Frau Anna den Besitz wieder auf Vordermann. So sicherte er die Wasserversorgung über eine dem Weiherhaus entspringende Quelle in einem Vertrag. Das Glasbild über den Einzug von Kurfürst Max IV. Josef 1799, das in der Maximiliansstube hängt, zeigt ihn als Posthalter, wie in der Chronik zu lesen ist.

Vor der Zerstörung durch einen Brand im Jahr 1704 hielt ein Maler das ursprüngliche Gasthaus im Bild fest.

Sein heutiges Gesicht erhielt das Hotel Post in Fürstenfeldbruck im Jahr 1873. Zu der Zeit trat Ludwig Weiß auch 18 Tagwerk Grund am Weiherhaus – dieses gehört seit 1645 zum Besitz der Postgaststätte – für den Bahnbau ab.

Die Küche seiner Frau Fanny genoss überregionale Anerkennung. Die Menschen genossen Kayser-Dinner und Prinzregenten-Menü. Doch unter Ludwig und Therese Weiß wurde das Gasthaus noch einmal verpachtet – der exzellente Ruf des Hauses litt. Nach vier Jahren übernahmen sie den Betrieb wieder. Das Gasthaus erhielt vor dem Ersten Weltkrieg Zentralheizung und fließendes Wasser.

Kriegszeiten

Die letzte Postkutschenfahrt 1923 nach Maisach ist das Ende einer Ära. Zwar wurden noch bis 1937 Pakete ausgefahren, doch der Postdienst zog an die Fürstenfelder Straße. Aus den freien Räumen wurde in den 1930er-Jahren eine gemütliche Weinstube. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Hotel Post seinen Namen. Eineinhalb Jahre war es von den Amerikanern besetzt. Nach der Wiedereröffnung fanden die Stammgerichte – etwa Kartoffeln mit Spinat – reißenden Absatz. Gekocht wurden sie mit Lebensmitteln aus der hauseigenen Landwirtschaft.

In der Postküche: Ludwig Weiß mit den Töchtern Anna und Fanny um 1890.

Ab den 1950er-Jahren ging es wieder aufwärts. Das Hotel Post florierte, viele Reisegesellschaften hielten am Marktplatz. Ludwig Weiß senior und der heutige Geschäftsführer Ludwig Weiß steckten viel Geld in Renovierungen. Denn das geschichtsträchtige Haus musste stets auf modernstem Stand sein, um im Konkurrenzkampf bestehen zu können. 1999 übernahm Ludwig Weiß in 13. Generation die Geschäfte. Unter ihm wurde das Hotel Post 2001 in die Reihe der Romantik-Hotels aufgenommen. Die 14. Generation leitet mit Neffe Florian Egli die Küche.

Die Geschichte des Hauses ist „Last und Ansporn zugleich“, sagt Ludwig Weiß. Seine Vorfahren haben viel Geld hineingesteckt und Entbehrungen auf sich genommen, um das Haus an die nächste Generation zu übergeben. Und er will es ihnen gleich tun. So verändert sich ständig etwas rund um das Hotel Post – Küchenumbau, Zimmerrenovierungen, Digitalisierung, um nur einige Stichworte zu nennen.

Die Großbaustelle

Und in der 13. Generation verändert das Anwesen noch einmal sein Gesicht. Der Hinterhof ist seit März eine Baustelle – „die größte Baumaßnahme in der Weiß’schen Geschichte“, wie Ludwig Weiß sagt. Unter dem ehemaligen Posthof entsteht eine Tiefgarage mit 100 Plätzen. Darüber werden bald Geschäfte und 35 gehobene Wohnungen Platz finden. Am Durchstich zum Brezngasserl sollen Läden zum Flanieren einladen. Den Baufortschritt können die Hotelgäste mitverfolgen. Der provisorische Hotel-Parkplatz ist vorübergehend an der Pucher Straße, der Weg zur Rezeption führt quer über die Baustelle.

Die größte Baumaßnahme: Ludwig Weiß und Ludwig Weiß senior (l.) auf der Baustelle im einstigen Posthof.

In 400 Jahren ist viel passiert. Derzeit kämpft die Familie mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Wichtig war, dass man bald wieder habe öffnen können. „Wir haben uns sehr gefreut, dass viele Brucker wieder ins Restaurant gekommen sind“, sagt Ludwig Weiß. So könne er fast alle langjährigen Mitarbeiter wieder beschäftigen. Und den Bruckern bietet er anlässlich des Geburtstags ab Montag drei Nostalgiewochen mit historischen Rezepten auf der Speisekarte.

Für die Zukunft wünscht sich Weiß vor allem Gesundheit. „Und jeden Tag eine Inspiration, um das Haus weiter zu bringen.“

Die Nostalgiewochen

zum Jubiläum des Hotel Post laufen vom 3. bis zum 30. August. Auf der Speisekarte stehen dann Gerichte aus früheren Zeiten – vom Postillionsbraten bis zum Prinzregenten-Menü.

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