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Daus Haus.

Im Herzen Brucks 

Hotel Post schreibt seit 400 Jahren Geschichte

Egal was war, was ist, was noch kommen wird – eines blieb die letzten 400 Jahre in Bruck immer gleich: Die Familie Weiß sitzt im Herzen der Stadt am Markplatzeck. Deswegen heißt es zurecht: „Die Stadtgeschichte und die Geschichte der Familie Weiß sind untrennbar miteinander verbunden.“

Die Ahnengalerie im Hotel Post zeigt Porträts von Vorfahren der Familie Weiß.

Fürstenfeldbruck – Das Jubiläum, welches im Jahr 2017 ansteht, ist schon ein stattliches: Denn damit sind es genau 400 Jahre, seitdem die Familie Weiß in Fürstenfeldbruck am Marktplatz ihr Zuhause hat. Seitdem sind sie ein Teil der Geschichte Fürstenfeldbrucks. Die Familie selbst, wie Ludwig Weiß senior (74) erklärt, ist schon länger nachgewiesen, zuvor waren die Weißens Fischer am Starnberger See, daher auch der Fisch im Wappen.

Auch in den damaligen Markt Bruck zog ein Mitglied der damals als „Weyss“ titulierten Familie schon vor 1617. Doch in diesem Jahr legte Michael Weiß den Grundstein für den Familienbetrieb im Herzen der Stadt: Im Stiftsbuch des Klosters Fürstenfeld ist nachzulesen, dass Weiß „Haus und Hofstatt“ neben dem Klosterrichter am Marktplatz erwarb. In den folgenden 20 Jahren kamen weitere Käufe in diesem Bereich hinzu – und dies ist immer noch derselbe Grund, auf dem sich 400 Jahre später das Hotel Post der Familie befindet.

Ludwig Weiß senior

Eine Gastwirtschaft ist auf dem Anwesen übrigens seit 1620 nachgewiesen, das heutige Hotelgebäude ist im späten 19. Jahrhundert gebaut worden. Mit dem neuen Wirt hatten die eingesessenen Gastronomen gleich einen Streit auszufechten. 1628 regelte Kurfürst Maximilian I. deswegen, dass Michael Weiß nur Wein ausschenken dürfe, kein Bier. Ab 1681 gab es dann in Bruck bei den Weißens die bis heute namensgebende Poststation, die durch die Fürsten von Thurn und Taxis als Reitpost bestallt wurde. Heute führt Ludwig Michael Weiß das Hotel Post in 13. Generation.

Alle diese Fakten, so erzählt Ludwig Weiß senior, gehen aus Dokumenten, Schriften und Verträgen hervor. Seine Mutter Therese hatte diese Fülle an Material in 50-jähriger Arbeit archiviert, geordnet und zum Teil edieren lassen. So kann Ludwig Weiß senior zum Beispiel aus einem großen Schrank die Bände der verschiedenen Generationen herausholen und in der Vergangenheit herumblättern. Eine wahre Fundgrube für jeden historisch Interessierten, mit solch ungewöhnlichen Quellen wie einem sogenannten „Einleibbrief“ aus der Mitte des 17. Jahrhunderts: Damit wurde zum Beispiel vereinbart, wie viel die Familie zahlen musste, um eines ihrer Kinder als Laienbruder im Kloster Wessobrunn unterzubringen.

Das Tagebuch von Johann Weiß, der im 17. Jahrhundert in Bruck lebte, ist ziemlich klein.

Mit solchem Material war es natürlich keine Schwierigkeit, einen Vortrag für den Historischen Verein zu erstellen, erklärt Weiß senior: „Die historische Seite ist nicht das Problem.“ Man müsse das Material aber auch so aufbereiten, dass es die Leute interessiere. Zu seinem Vortrag war der Saal in der Post jedenfalls gesteckt voll. Wirkliche Überraschungen in der Familiengeschichte sind Weiß bei der Vorbereitung aber nicht mehr über den Weg gelaufen. Er kennt sich in der Historie einfach gut aus.

Einen Weiß, den man aus 13 Generationen sicherlich herausheben kann, ist für seinen Nachfahren der Reichspoststallmeister Louis Philipp Weiß (1764-1824) aus der napoleonischen Zeit. In seiner Jugend reiste dieser quer durch Europa, kurz vor der Einschiffung nach Amerika erreichte ihn der Brief aus der Heimat: Er musste wieder zurück und den Familienbetrieb übernehmen. Es gelingt ihm, den verschuldeten Betrieb wieder auf Vordermann zu bringen. Er ist mit den bayerischen Königen persönlich bekannt, befördert den Kaiser Napoleon und ist Abgeordneter im ersten modernen bayerischen Parlament von 1818. Politisch aktiv waren die Weißens aufgrund ihrer Honoratioren-Stellung in Bruck eigentlich immer, erzählt Ludwig Weiß senior, der selbst auch im Stadtrat saß.

„Wenn man die Geschichte nicht kennt, kann man nicht in die Zukunft schauen“, sagt Weiß senior. Er selbst ist noch in einem ganz anderen Bruck als heute aufgewachsen. Am Markplatzeck staute sich in seiner Kindheit noch nicht der Verkehr, und am Viehmarktplatz, bis in die 1970er-Jahre noch eine Wiese, ritt er früher mit dem Pferd aus. So sehr sich die Zeiten auch wandeln: Die Familie Weiß wird noch eine Zeit lang dort bleiben, wo sie schon 400 Jahre sitzt. Im Herzen von Fürstenfeldbruck, untrennbar verbunden durch die gemeinsame Geschichte mit der Stadt und ihren Bürgern. (Fabian Dilger)

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