So lecker! Igel-Kind Arwen kann nicht genug von seinem Spezialfutter bekommen, das ihm Verena Hilger mit einer Spritze verabreicht.
+
So lecker! Igel-Kind Arwen kann nicht genug von seinem Spezialfutter bekommen, das ihm Verena Hilger mit einer Spritze verabreicht.

Nach dem trockenen Sommer

Stachliger Alarm: Viele Igel-Babys zu schwach zum Überleben

Für die Igel ist es kein leichtes Jahr. Wegen der langen Trockenheit haben viele Tiere zu wenig Futter und Wasser gefunden. Wo es genug gab, haben Weibchen oft eine zweite Generation zur Welt gebracht. Deshalb sind jetzt viele geschwächte Tiere unterwegs. Zum Glück gibt es Menschen wie Verena Hilger.

Fürstenfeldbruck – Arwen weiß noch nicht, dass er eigentlich Angst vor Menschen hat. Und auch, dass er ein nachtaktives Raubtier ist, hat dem kleinen Igelchen bisher niemand gesagt. Also tippelt das stachelige Kerlchen putzmunter auf der Arbeitsplatte in der Küche von Verena Hilger herum und nuckelt genüsslich an der Spritze mit seinem Spezialfutter. Und so wird das wohl noch eine ganze Weile gehen. Denn für den Winterschlaf, der für die Igel bald beginnt, ist Arwen mit seinen 100 Gramm noch viel zu klein. Das Kerlchen gehört wohl zur zweiten Generation. Weil es früh warm war, haben die Igel früh mit der Fortpflanzung begonnen – und teilweise im Herbst noch einmal Nachwuchs bekommen.

Arwen ist einer von elf Igeln, die momentan im Reihenhaus der Bruckerin aufgepäppelt werden. Die meisten werden wohl auch den Winter bei der 41-Jährigen verbringen. Denn sie sind zu leicht für den anstehenden Winterschlaf, haben nicht die nötigen Fettreserven. Der Grund: „Durch den langen und trockenen Sommer waren Insekten Mangelware. Doch sie sind die Hauptnahrung der Igel“, sagt Hilger. Deshalb hat es die „Igel-Mama“ heuer nicht nur mit kleinen Kerlchen wie Arwen zu tun. Auch ausgewachsene Tiere sind häufig abgemagert und brauchen Hilfe.

Das Telefon steht deswegen nicht mehr still bei Verena Hilger. Täglich melden sich Menschen, die hilfsbedürftige Igel aufgelesen haben. Doch die Biologin ist längst „ausgebucht“, hat keinen Platz mehr für weitere Tierchen. Zum Glück hat sie sich ein Netzwerk geschaffen und kann auf sechs Helferinnen zurückgreifen, die ebenfalls ein Herz für die stacheligen Gesellen haben.

Der Aufwand, den Hilger betreibt, ist groß. Neben Katzenfutter gibt es für die Tierchen Rührei oder gekochtes Hackfleisch und Hühnerhälse. Aber auch das Sauberhalten der Ställe sowie die Behandlung von Krankheiten nehmen viel Zeit in Anspruch. Wenn nötig, verabreicht die 41-Jährige ihren Schützlingen Antibiotika, Wurmkuren oder Flohmittel. Zwei Stunden am Tag ist die Biologin mit ihren Mitbewohnern beschäftigt. Sonderfälle wie der kleine Sauron – alle Igel haben heuer Namen aus „Herr der Ringe“ bekommen – brauchen mehr Zuwendung. Das kleine Kerlchen hatte sich den Fuß gebrochen. Also verpasste Hilger ihm einen Mini-Gips. Das hat Sauron zwar gar nicht gepasst. Mittlerweile ist das Füßchen aber verheilt.

Dass die stacheligen Gesellen immer öfter die Hilfe der Menschen brauchen, hat mehrere Gründe. Heuer kam die Trockenheit erschwerend hinzu. Für Martina Gehret, Igel-Expertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV), sind die Menschen aber der Hauptgrund. Agrar- und Gartengifte dezimierten die Zahl der Insekten, Gärten seien durch Zäune oft nicht mehr zugänglich und böten oft wenig Vielfalt für die Tiere. Auch deshalb steht der Igel seit Ende vergangenen Jahres auf der Vorwarnliste der bedrohten Tierarten.

Für Verena Hilger ist das ein Grund mehr, sich für die knuffigen Kerlchen einzusetzen. Ihr Ziel ist immer das gleiche. Ihre Gäste sollen aufgepäppelt wieder „nach Hause“ – also zurück in die Natur.

So kann man Igeln helfen

Laub liegen lassen: Das Nestmaterial sammeln Igel in einem kleinen Umkreis um den Nestplatz. Wer wenig Platz hat, kann fertige Igelhäuser anbieten. Wer es lieber selber bauen möchte, findet auf www.igel-in-bayern.de eine Anleitung. Nach dem Winterschlaf sollte das Nistmaterial gewechselt werden. So bekommt der zukünftige Bewohner ein sauberes und parasitenfreies Heim. Das Igelhaus sollte ohne Boden an einem trockenen Standort aufgestellt werden. Die Erde sollte durch ein Sand-Kies-Gemisch ersetzt werden. Zum Schutz vor jedem Wetter sollte das Igelhaus mit Laub und Reisig abgedeckt werden. Hierfür kann der Weihnachtsbaum wiederverwertet werden, denn die Zweige von Fichte, Kiefer und Nordmanntanne eignen sich gut zum Schutz.


Das Igel-Telefon

von Verena Hilger ist unter (01 60) 97 63 02 20 zu erreichen. Plätze gibt es momentan aber nicht mehr – dafür aber jede Menge Tipps. Weitere Infos, wie man Igeln helfen kann, gibt es im Internet unter www.pro-igel.de oder unter www.igel-in-bayern.de. Außedem gibt es die Facebook-Gruppe „Igel in Fürstenfeldbruck“.

Tobias Gehre

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare