Kordula und Rüdiger Deubert haben sich eine Photovoltaik-Anlage auf ihr Haus bauen lassen. Dafür haben sie auch Fördergelder bekommen. 	fotos: weber
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Kordula und Rüdiger Deubert haben sich eine Photovoltaik-Anlage auf ihr Haus bauen lassen. Dafür haben sie auch Fördergelder bekommen.

Energiewende

Dank Solaranlage: Ihr Strom kommt jetzt vom Dach

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Die Energiewende im Landkreis ist ins Stocken geraten. Mit Hilfe von Förderprogrammen werden Photovoltaik-Anlagen zwar attraktiv. Dennoch gibt es laut dem Energiewende-Verein Ziel 21 noch viel ungenutztes Potenzial.

Fürstenfeldbruck/Gernlinden – Kordula und Rüdiger Deubert erzeugen seit Anfang des Jahres ihren eigenen Strom. Sie haben sich eine 9,9 kWp-Photovoltaikanlage (PV-Anlage) auf das Dach ihres Hauses in Gernlinden bauen lassen – dazu einen 10 kWh-Speicher. Die Idee dazu kam den beiden 67-Jährigen, weil der Nachbar Pv-Anlagen vertreibt. Und so haben sie sich für eine Beratung an Ziel 21 gewandt.

„Im Herbst 2020 haben wir uns dann dafür entschieden“, erzählt Rüdiger Deubert. Den Ausschlag gab das Bestreben, etwas für den Umweltschutz tun zu wollen. „Und ich will keinen Hehl daraus machen, dass auch finanzielle Aspekte mit rein spielten“, sagt der Gernlindner. Zwar ist die Einspeisevergütung für Strom mittlerweile nicht mehr sonderlich attraktiv. Doch durch den Eigenverbrauch spart Deubert bares Geld – zumal er sich auch noch ein E-Auto zugelegt hat, das er mit Strom von seinem Dach auflädt.

So wie ihm geht es mittlerweile vielen Neubesitzern von PV-Anlagen. Hier zeigt eine Kampagne von Ziel 21 durchaus Wirkung, wie der Vorsitzende des Energiewendevereins, Gottfried Obermair, berichtet. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir zwei Megawatt auf die Dächer gebracht, von denen wir wissen“, sagt er. Tatsächlich dürften es sogar mehr sein, da Ziel 21 bei Weitem nicht alle Neuanlagen gemeldet werden.

Viele Anfragen bei Ziel 21

Der Verein bekommt laut Obermair viele Anfragen. Zuletzt habe man 600 Beratungen in zwei Jahren durchgeführt. Trotzdem sagt der Vereinschef: „Wenn ich durch die Gegend fahre und mir die Dächer so anschaue, dann haben wir noch viel Potenzial im Landkreis.“ Das gelte auch für Dächer von Gewerbebetrieben, die sich bei Beratungsanfragen eher zurückhaltend zeigen würden, und für kommunale Dächer.

Riesige Mengen an Sonnenstrom können durch Freiflächenanlagen erzeugt werden (siehe Kasten). Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck betreiben eine solche bei Kottgeisering. Die in zwei Bauabschnitten errichtete Anlage hat eine Gesamtleistung von mehr als 1300 kWp, wie Stadtwerke-Sprecherin Monika Lidmila berichtet. Außerdem werden in Kottgeisering eine zweite Anlage mit drei MWp und in Windach eine weitere mit zwei MWp entstehen. „Weitere Anlagen sind in Planung, aber noch nicht gesichert“, sagt Lidmila.

Stadtwerke FFB

Die Stadtwerke setzen daneben aber auch auf Dachanlagen. Selbst betreibt das Unternehmen acht Stück auf sechs Gebäuden. Weitere 75 Anlagen entstanden auf Kundendächern. 15 zusätzliche befinden sich hier noch in der Projektierungsphase. „Die verkauften Anlagen haben eine Gesamtleistung von knapp unter 1,1 MWp und eine Speicherleistung von knapp unter 0,5 MWp“, sagt Lidmila.

Obermair sieht es als problematisch an, dass Freiflächenanlagen nur entlang von Bahnlinien gefördert werden. „Das ist meist landwirtschaftlicher Grund“, sagt er. Doch Energiewende und Nahrungserzeugung müssen sich nicht ausschließen. Obermair würde sich wünschen, dass noch mehr die Möglichkeit der sogenannten Agrophotovoltaik genutzt wird. Dabei werden die PV-Module auf Ständern errichtet, darunter kann Landwirtschaft betrieben werden. „Bei Wiesen wird das oft mit Schafbeweidung kombiniert“, sagt Obermair. Aber auch Ackerbau sei möglich – wenngleich die Anbaufläche ein wenig schrumpfe.

Private Häuslebauer können derzeit auch noch von Förderprogrammen für ihre Dachanlagen profitieren. Deubert bekam zum Beispiel Geld aus dem 10 000-Häuser-Programm und hat auch steuerliche Vorteile. Manche Kommunen haben zudem eigene Fördertöpfe. So auch Maisach, wenn auch nur im Kleinen. „Ich habe 100 Euro bekommen“, erzählt Deubert. Dennoch müsse man sich die Anschaffung leisten können. Eine Anlage mit neun kWp kostet im Schnitt 11 000 bis 14 000 Euro – mit Speicher sogar bis 25 000 Euro.

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