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Im hellen Schein der Feuersbrunst: Peter Loder beschreibt den Abend, als die alte Aumühle brannte

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Von: Peter Loder

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Peter Loder Anfang der 1980er-Jahre beim Brucker Tagblatt.
Schreiben ist Handwerk: Peter Loder Anfang der 1980er-Jahre beim Brucker Tagblatt. © Archiv

Lokalreporter Peter Loder, seit 1982 beim Fürstenfeldbrucker Tagblatt, erzählt die Geschichte seines Lebens.

Peter Loder, Jahrgang 1956, hat schon in der Schule eine Schülerzeitung herausgebracht, er machte ab 1971 erst eine Schriftsetzer-Ausbildung im Pressehaus in München, ab 1982 war er Freier Mitarbeiter beim Fürstenfeldbrucker Tagblatt, wo er später volontierte und bis zu seiner Rente im Mai 2020 arbeitete. Loder hat vier Töchter und einen Sohn. Er lebt in Fürstenfeldbruck. Dieser Text erscheint ergänzend zum Interview: „Lokaljournalismus hat eine Bombenzukunft".

Es ist der 21. März 1989, ein Dienstag. Die redaktionelle Produktion für die Mittwochausgabe ist wie gewohnt gegen 17 Uhr beendet, die größtenteils in München wohnenden Kollegen sind auf dem Heimweg, die Redaktion im Pressehaus am Stockmeierweg verwaist. Nichts deutet nach einem milden Vorfrühlingstag auf eine brandheiße Nacht hin.

Weil bei den Fußballern der Rückrundenstart unmittelbar bevorsteht, drehe ich noch eine Runde zu Vereinen, bei denen eine Story zu erwarten ist. Dann heulen um 19.35 Uhr die Sirenen. Etwa dort, wo unser Redaktionsgebäude liegt, steht eine dunkle Rauchsäule am Himmel.

Vom Telefon im Vereinsheim aus aktiviere ich den heißen Draht zur Polizei. Smartphones gibt es noch keine, E-Mails sind Science-Fiction. Doch die Info verbreitet sich auch im analogen Zeitalter in Windeseile: Die 1870 erbaute Aumühle, ein historisches Gebäude knapp 200 Meter von der Redaktion entfernt, brennt lichterloh. Um 21.12 Uhr stürzt der Mühlenturm, eines der Wahrzeichen von Fürstenfeldbruck, nach innen zusammen.

Zu diesem Zeitpunkt haben sich schon hunderte von Schaulustigen in nächster Nähe versammelt. Heutzutage undenkbar. Auch, dass wir Journalisten und Fotografen unmittelbar neben den 122 herbeigeeilten Feuerwehrleuten über die Katastrophe berichten dürfen. Entsprechend eingerußt werden im hellen Schein der Feuersbrunst erste Erkenntnisse gesammelt, Augenzeugen befragt und schockierte Kommunalpolitiker interviewt.

Zwar hatte das Brucker Tagblatt schon damals den spätesten Drucktermin aller Merkur-Regionalausgaben (1 Uhr morgens). Doch auch der wird angesichts der dramatischen Ereignisse und zwei mit heißer Feder gestrickten Sonderseiten noch mal um eine Stunde verlängert. Ab 5 Uhr liegen die glühend aktuellen Schlagzeilen in den Briefkästen der Abonnenten, während ich schon wieder im Büro sitze – nachdem mein nagelneuer, hellblauer Opel Ascona von Ruß und Asche befreit worden war.

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