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Große Auswahl: Michael Gumtau vom Förderverein für kulturelle Bildung zeigt Schriftstellerin Daniela Lindemann die große Bücherauswahl am Eichenauer Bahnhof.

Lektüre to go

Immer mehr öffentliche Bücherschränke: Leselust am Straßenrand

Öffentliche Bücherschränke werden immer beliebter. In vielen Gemeinden gibt es bereits die Möglichkeit, an Straßen und Plätzen Bücher zu tauschen. Das ruft zwar gelegentlich auch Vandalen und Diebe auf den Plan. Trotzdem wollen andere Kommunen nachziehen.

Fürstenfeldbruck – Wenn im heimischen Wohnzimmer die alten Schmöker bereits aus den Schränken quellen, dann ist es Zeit zum Ausmisten. Aber die Werke von Tolkien, Rowling, King und Co. sind eigentlich zu schade für die Tonne. Bevor die Literaturklassiker zu Taschentüchern oder Küchenrollen recycelt werden, bringen sie immer mehr Menschen zu sogenannten Bücherschränken. Dort können dann Leseratten nach literarischen Perlen tauchen und so den Büchern einen zweites Leben ermöglichen.

Eine dieser Auffangstationen ist selbst konservierte Geschichte und vor der Verschrottung gerettet worden. In Eichenau steht kurz vor dem Bahnhof eine alte, gelbe Telefonzelle – randvoll mit Büchern. Mit-Initiator der sogenannten „Buchhaltestelle“ ist Michael Gumtau vom Förderverein für kulturelle Bildung. Für ihn ist das Konzept des öffentlichen Büchertauschens eine Erfolgsgeschichte, obwohl er im nachhinein mit der Wahl der Bücherunterbringung nicht ganz zufrieden ist. „Die Telefonzelle ist recht klein und man muss beim Stöbern die Tür offen halten, sonst wirds zu eng“, sagt Gumtau.

Betreut wird das Telefonhäuschen von der Gemeindebücherei, die ebenfalls die Stromkosten für die Beleuchtung zahlt, so dass man auch abends nach einer neuen Bettlektüre suchen kann. Neuerdings findet sich in allen ausliegenden Büchern ein Stempel der Bibliothek. Hintergrund: „Es kam jetzt schon ein paar mal vor, dass Personen die Zelle komplett geleert und wahrscheinlich dann die Bücher im Internet versetzt haben“, sagt Gumtau.

Mit diesem Problem hat auch Florian Döring in Fürstenfeldbruck seine Erfahrung gemacht. Er und seine Frau Caro Vogt betreiben auf ihrem Grundstück in der Brucker Straße den „Bücherschwarm“, ein umgebautes Bienenhaus mit viel Platz für alte Wälzer. Ihm wurde ebenfalls schon ein mal der Schrank leer geräumt, so dass es jetzt die Regel gibt: „Nicht mehr als fünf Bücher pro Tag.“

Ansonsten kann sich Döring nicht beschweren. „Ich hatte es noch nicht mit Vandalismus zu tun und neun von zehn Besuchern sind sehr nett“, erzählt er. Auch die zehn Minuten am Tag, die er für das Sortieren der Bücher braucht, nimmt er gerne in Kauf.

In Germering sind die Planungen für eigene Bücherschränke schon weit fortgeschritten. Nachdem Stadträtin Agnes Dürr im Juni diesen Jahres die Idee im Hauptausschuss durchgesetzt hatte, geht es jetzt an die Umsetzung. „Wir planen mit größeren Schränken, die die Kinder der Eugen-Papst-Schule mitgestalten sollen.“ Im Frühjahr 2019 werden sie dann vor dem Rathaus und dem Mehrgenerationenhaus Zenja aufgestellt.

Christine Förster-Grüber, von der Stadtbibliothek Germering, ist schon auf die Bücherschränke gespannt: „Alles was Menschen zum Lesen animiert, freut mich.“ Sie sieht in dem zusätzlichen Angebot auch keine Konkurrenz sondern eine Erweiterung. Sie will außerdem mit Bücherspenden, die die Stadtbibliothek regelmäßig erhält, für einen Grundbestand in den Schränken sorgen und so das Tauschen ankurbeln.

Über die ganze Kommune verteilt finden jetzt schon Lesebegeisterte Bücherboxen in Puchheim und Gröbenzell. Ungeachtet einer Rasierschaum-Attacke vor kurzem auf eine Box in der Gemeinde am Gröbenbach, werden die Büchertauschgelegenheiten auch hier gut angenommen. In Maisach steht ein Bücherschrank vor dem Edeka in der Bahnhofstraße. Der nächste Ort, der jetzt auf den Zug mit aufspringen will, ist laut Michael Gumtau, Alling. Wann es dort soweit sein wird, ist aber noch nicht bekannt.

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