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Impfwillige überrennen die Arztpraxen - 67 000 Erstimpfungen wären möglich

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Von: Tobias Gehre

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Der Andrang in der Praxis von Dr. Peter Hösler ist riesig. Deshalb wurden dort Impfblöcke eingerichtet.
Der Andrang in der Praxis von Dr. Peter Hösler ist riesig. Deshalb wurden dort Impfblöcke eingerichtet. © Weber

Explodierende Corona-Zahlen und täglich neue Hiobsbotschaften aus den Kliniken: Die vierte Welle der Pandemie sorgt bei vielen für große Besorgnis – und sie treibt die Menschen in Scharen zum Impfen.

Fürstenfeldbruck – Für die Hausärzte ist das ein Riesen-Problem. Die meisten arbeiten am Limit. An einen normalen Praxis-Alltag ist nicht zu denken.

„Wir sind an der Grenze“, sagt Dr. Peter Hösler. Der Internist, der in Fürstenfeldbruck eine hausärztliche Praxis betreibt, kann die vielen Anfragen längst nicht mehr stemmen. Mindestens bis Mitte Dezember sind alle Termine ausgebucht.

Impfblöcke in der Praxis

Um den Betrieb der Praxis aufrecht zu erhalten, hat Hösler Impfblöcke eingerichtet. An zwei Tagen pro Woche wird für einige Stunden nur geimpft. Der Rest muss warten. Noch mehr Zeit für die Impfungen abknapsen geht nicht, so der Mediziner. „Wir haben viele Infekte und auch chronische Krankheiten zu behandeln“, erklärt Hösler.

Doch jetzt wollen so viele Leute wie nie einen Termin. „Das Telefon steht nicht mehr still“, sagt der Internist. Bei einigen schlage die Ungeduld in Aggression um. Immer wieder würden seine Mitarbeiter den Vorwurf hören, dass es zu langsam gehe. Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt es auch immer wieder Debatten mit Impfgegnern. Doch der Versuch, diese Gruppe zu überzeugen, scheitere stets. „Man erreicht nichts“, sagt Peter Hösler.

Bedenken nehmen

Es gibt aber auch Menschen, die einer Impfung nicht generell ablehnend gegenüber stehen. Um dieser Gruppe ihre Bedenken zu nehmen setzt das Landratsamt als Betreiber des Impfzentrums auf Aufklärung. Ärzte verschiedener Fachrichtungen sollen Menschen mit Sorgen ihre Angst nehmen.

Die Zahlen

Wie viele Menschen genau im Landkreis geimpft sind, ist indes noch immer unklar. Nach Angaben des Landratsamts haben rund 132 000 Menschen ihre zweite Impfung erhalten. Insgesamt wohnen im Landkreis gut 219 000 Menschen. Damit gibt es momentan bis zu 87 000 komplett Ungeimpfte. Zieht man davon die unter Zwölfjährigen – das sind etwa 20.000 – ab, so können noch bis zu 67 000 Menschen im Landkreis erstmals geimpft werden.  

Gerade Schwangere seien beim Thema Impfen häufig verunsichert, erklärt der ärztliche Leiter des Impfzentrums Dr. Matthias Skrzypczak. Doch es gebe keinerlei Erkenntnisse, die einer Impfung von Schwangeren widersprächen. Gerade gegen Ende der Schwangerschaft hätten Frauen sogar ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion. Eine Impfung sei deshalb zu empfehlen. Um betroffene Frauen aufzuklären, stehen im Impfzentrum freitags Gynäkologinnen bereit.

Auch Eltern von Kindern sind sich häufig unsicher, ob sie ihren Nachwuchs impfen lassen sollen. Deshalb sind unter den impfenden Medizinern auch Kinderärzte, die für Fragen bereit stehen. Denn auch unter Zwölfjährige können geimpft werden, wenn sie zur Risikogruppe gehören oder wenn Risiko-Patienten in der Familie leben. Darüber entscheide aber stets der Arzt.

Die Sprachbarriere

Neben medizinischen Bedenken steht häufig auch die Sprachbarriere einer Impfung im Weg. Deshalb gibt es im Impfzentrum eine afghanische Ärztin, die unter anderem arabisch und persisch spricht. Mit ihrem kulturellen Hintergrund könne die Medizinerin auch Vertrauen schaffen – gerade bei Frauen aus ihrer Herkunftsregion.

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