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Anregungen zum privaten Gebet: Stadtpfarrer Otto Gäng legt in St. Magdalena und anderen katholischen Kirchen Flyer mit „Gedanken zum Sonntag“ aus. Mehr Menschen als sonst kommen abseits der Messen allein die Kirchen. 

Wegen des Coronavirus

Kirchen suchen neue Wege zu Gläubigen

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Gerade in der aktuellen Krise suchen viele Menschen Trost und Beistand – und gerade jetzt dürfen keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden. Das ist bitter für die Kirchen und die Gläubigen. Doch alleingelassen soll sich trotzdem niemand fühlen. Beide großen Konfessionen haben sich Alternativen einfallen lassen.

Landkreis – „Jeder Tag ist Mittwoch“ – so kommt es dem Brucker Stadtpfarrer Otto Gäng gerade vor. Dass die gewohnten Sonntagsgottesdienste wegfallen, macht ihm ebenso zu schaffen wie vielen in seiner Gemeinde. „Die Menschen suchen einen Haltepunkt.“ Gäng ist froh, dass man über die Homepage des Erzbistums München via Livestream Gottesdienste mitfeiern kann. Doch gerade in der älteren Generation ist nicht jeder online unterwegs. Deshalb legt Gäng seit letzter Woche jeden Freitag einen Flyer mit „Gedanken zum Sonntag“ in allen Kirchen seines Pfarrverbands aus. Für das private Gebet sind die Kirchen zugänglich, die Flyer kann sich jeder mitnehmen.

Pfarrer Gäng hat beobachtet, dass derzeit mehr Menschen als sonst in die Kirchen kommen, um dort still zu verweilen. Auch die evangelischen Gotteshäuser in Bruck sind offen. An der Erlöserkirche prangt ein Banner mit der Aufschrift „Corona – nicht unterkriegen lassen“. Der Innenraum ist beleuchtet, es läuft Musik in Dauerschleife. „Das braucht man in solchen Zeiten“, betont Dekan Markus Ambrosy. „Wir müssen mit den Menschen in Kontakt bleiben, ohne in Kontakt sein zu dürfen – das ist eine große Herausforderung. Alles, was uns ausmacht, verbietet sich momentan.“

Evangelische Gottesdienste können aber ebenfalls live im Netz verfolgt werden. Auch in die Zimmer von Seniorenheimen lassen sie sich übertragen. Mehr ist nicht möglich, denn in den Heimen gilt das so genannte Betretungsverbot für Seelsorger genauso wie für alle anderen Besucher. Stadtpfarrer Gäng berichtet jedoch von speziell verfassten Texten für die Bewohner und Mitarbeiter, die nun in gedruckter Form in den Heimen abgegeben werden.

Das Bistum Augsburg lässt derweil die Tradition der Hausgottesdienste aufleben. Jede Familie kann sie für sich feiern, Vorlagen für jeden Tag sind auf der Internetseite des Bistums zu finden. In der Pfarrei Baindlkirch, zu der unter anderem Mittelstetten, Hörbach und Althegnenberg gehören, zelebriert Pfarrer Anton Brandstetter die gewohnten Messen nach wie vor – allerdings vor leeren Bankreihen.

Verkehrte Welt: Die Kirchentüren sind den ganzen Tag über offen, werden aber während der Gottesdienste zugesperrt. „Das ist dramatisch und einschneidend“, sagt Brandstetter. Doch die Gläubigen können dank des Internets nicht nur gedanklich dabei sein. Derzeit betet der Pfarrer jeden Tag um 17 Uhr eine so genannte Novene. Das intensive neuntägige Gebet für Anliegen und Sorgen rund um die Corona-Krise wird live auf YouTube übertragen. Am ersten Tag sahen rund 70 Menschen zu, am zweiten waren es schon fast 200.

Auch die Sonntagsmesse aus der Pfarrkirche sollen die Gläubigen im Internet miterleben können. „Auf diese Weise können wir als Pfarrgemeinde zeitgleich zusammen sein im Gebet – in dieser Situation ist das eines der wichtigsten Heilmittel“, sagt Brandstetters Pastoralreferentin Regina Steinhardt.

In Bruck werden die evangelischen Gemeindemitglieder zu Ostern ein Geschenk bekommen: eine grüne Tasche mit der Aufschrift „Hoffnung“, die an den Feiertagen auf den Balkon oder an die Tür gehängt werden soll, um Zusammenhalt und Verbundenheit zu demonstrieren. „Wir sind keine Italiener, wir singen nicht auf dem Balkon“, sagt Dekan Ambrosy. Aber die Taschen-Aktion soll ähnlichen Symbolcharakter haben. Taufen und Hochzeiten können derzeit in keiner Kirche stattfinden. Beerdigungen aber müssen sein – im allerengsten Kreis. Das ist schlimm für jeden, der ausgeschlossen bleibt.

„Es ist ganz, ganz bitter, sich nicht verabschieden zu können“, weiß Dekan Markus Ambrosy. „Da fehlt etwas.“ Deshalb ist schon jetzt ein großer Trauergottesdienst für all diejenigen geplant, die jetzt nicht auf die Beerdigung eines nahestehenden Menschen gehen können. Die Gedenkfeier soll am Ewigkeitssonntag stattfinden. Der ist heuer am 22. November.

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