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Christine Dietzinger (M.) vermittelt Kindern und Jugendlichen die Welt der Bücher. Dafür erhält sie jetzt den Deutschen Lesepreis.

Auszeichnung

In ihrem Club wird mehr als nur gelesen

Christine Dietzinger hat mit ihrem Leseclub mehr als tausend Kindern Spaß an Büchern vermittelt. Für ihr Engagement erhält sie nun den Deutschen Lesepreis.

Fürstenfeldbruck – Wenn sie gewusst hätte, welche Dimensionen ihr ehrenamtliches Engagement annehmen würde, dann hätte es sich Christine Dietzinger vielleicht doch noch einmal überlegt. So aber sagte sie spontan zu, als zwei Mädchen ihr vorschlugen, einen Leseclub zu gründen. Zwölf Jahre ist das jetzt her. Seitdem hat die 59-Jährige mehr als tausend Kindern und Jugendlichen Spaß am Lesen vermittelt und die Welt der Bücher mit ihnen erkundet. Dafür bekommt sie demnächst eine hohe Auszeichnung: den Deutschen Lesepreis.

Die beiden Mädels waren ehemalige Schützlinge des Montessori-Kindergartens, in dem Christine Dietzinger als Erzieherin arbeitete. Ihnen zuliebe entwickelte die gebürtige Münchnerin, die heute in Adelshofen lebt, ein Konzept für den Leseclub. Ein Treffpunkt fand sich in der Brucker Stadtbibliothek Aumühle, wo Dietzinger mit ihren Ideen offene Türen einrannte. „Ich finde, man muss Geschichten erleben und nicht bloß hören“, sagt die Lese- und Literaturpädagogin, die bewusst ohne Auto lebt.

Sie spielte mit den Kids Szenen aus Büchern nach und ließ mit Kulissen und Requisiten die imaginäre Welt greifbar werden. Es war nur folgerichtig, dass sich das Angebot bald zum Lese- und Theaterclub ausweitete, und dass aus den zwei Terminen im Monat ein Treffen pro Woche wurde – mindestens.

Das Angebot für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ist öffentlich und kostenlos. „Ich möchte, dass wirklich jeder teilnehmen kann“, sagt Christine Dietzinger. Zu den Treffen kommen Kinder aus allen Schichten und Schularten. Inzwischen ist aus der Initiative ein eingetragener Verein namens Turmgeflüster geworden. Die beiden Mädels von damals, heute Studentinnen, sitzen mit im Vorstand.

Neben Literaturveranstaltungen und Theaterworkshops bietet der Verein auch Schreibwerkstätten, Kreativ-Wochenenden und Bildungsfahrten an. Den Anstoß für neue Projekte geben meistens die Kinder selbst. So kommen Comic-Slams zustande, Lesungen zu Filmstarts und Workshops zum Thema Superhelden. Neulich war Ex-Biermösl Michael Well zu einem Volkstanz-Nachmittag da. Als Harry Potter Thema im Leseclub war, fragte ein Mädchen, ob man nicht mal nach England fahren könnte. Und wie meistens, wenn eine Idee von den Kindern kommt, sagte sich Christine Dietzinger: Warum nicht, das kann man schon mal machen.

Inzwischen ist die vierte Englandreise „Auf den Spuren von Harry Potter“ in Vorbereitung. „Wir fahren nächstes Jahr in den Pfingstferien“, erzählt die 59-Jährige. Eine ihrer beiden Töchter, ebenfalls Erzieherin, fährt auch mit. Ein paar ältere Jugendliche haben sich zu Gruppenleitern ausbilden lassen, um bei der Betreuung der Jüngeren zu helfen. Ja, sagt Christine Dietzinger und lacht, das Ganze ist schon sehr aufwendig. „Man muss wirklich richtig Lust darauf haben.“

Allein dieses Jahr haben schon rund hundert Kinder an den verschiedenen Projekten teilgenommen. Anstrengend findet die Lese-Pädagogin ihr Engagement nicht. „Was ich tue, ist ja das, was ich will. Ich ruhe mich nicht wahnsinnig oft aus.“ Höchstens mal am Sonntag – ohne Telefon, aber mit vielen Büchern. „Dann kann ich den ganzen Tag im Schlafanzug verbringen und nur lesen.“

Hauptberuflich arbeitet die Frau mit dem kinnlangen Haar und den wachen Augen inzwischen in der Flüchtlingsbetreuung im Fliegerhorst, wo sie die offene Kindergruppe leitet. „Das Multikulturelle mag ich sehr gerne.“ (os)

Der Lesepreis

Für ihr vorbildliches Engagement wird Christine Dietzinger im November in Berlin den Deutschen Lesepreis entgegennehmen. Die Auszeichnung wird seit 2013 von der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung an Einzelpersonen, Einrichtungen und Schulen für innovative und nachhaltige Leseförderung verliehen. Heuer gab es fast 300 Bewerber, unter denen zehn Preisträger ausgewählt wurden.

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