Der Technische Direktor der Kaltenberg Brauerei Helmut Guggeis hat ein Problem. In vielen seiner Tragl sind die falschen Flaschen drin.
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Der Technische Direktor der Kaltenberg Brauerei Helmut Guggeis hat ein Problem. In vielen seiner Tragl sind die falschen Flaschen drin.

Wenn Leergut zum Problem wird

Hitzewelle heizt Getränke-Logistikern ein

Viel Trinken ist bei der momentanen Hitze oberstes Gebot. Das bekommen auch Brauereien, Abfüller, Logistiker und Getränkemärkte im Landkreis zu spüren. Sie haben alle Hände voll zu tun, den Durst der Menschen zu stillen. Mancherorts wird das Leergut bereits knapp.

Landkreis – Im Hof der König Ludwig Brauerei in Fürstenfeldbruck stapeln sich die Getränkekisten in den Himmel. Zehntausende Tragl warten dort auf ihren erneuten Einsatz. Das Problem: Mit den Flaschen in den Trägern können die Brucker Bierbrauer nichts anfangen. Denn in der Großen Kreisstadt werden so genannte NRW-Flaschen mit Gerstensaft befüllt. Und die finden sich in den zahllosen Tragln nicht. Stattdessen lagern dort Flaschen großer Brauereien aus dem Norden oder Westen der Republik. „Leergut ist momentan knapp“, sagt der Technische Direktor der Brauerei, Helmut Guggeis. Trotzdem sei man nach wie vor in der Lage, die Kunden zu beliefern.

Die seit Monaten andauernde Wärme, die seit rund zwei Wochen in einer Hitzewelle gipfelt, bringt die Logistikkette an ihre Grenzen. Es sind viele Akteure, die dabei mitmischen, die Getränke vom Hersteller zum Konsumenten zu bringen. Da sind zum Beispiel die so genannten Leergut-Tauscher, erklärt Helmut Guggeis. Wie der Name schon sagt, sollen sie Flaschen, die der jeweilige Abfüller nicht nutzen kann, gegen die richtigen umtauschen. Doch die Kapazitäten der Tauscher sind begrenzt – weswegen sich bei den Brucker Brauern die falschen Flaschen stapeln.

Viele andere Marken finden sich in den zurückgebrachten Bierkisten.

Es komme aber generell zu wenig Leergut zurück, sagt Guggeis. Er sieht das Problem bei den Getränke-Logistikern. „Es gibt zu wenig Frachtraum.“ Deshalb würden die Unternehmen sich darauf konzentrieren, volle Träger zu den Kunden zu bringen. Leergut bleibe dann nicht selten im Lager.

Diesen Vorwurf weist Peter Zeitter, Regionsleiter Süd beim größten deutschen Getränkegroßhändler Trinks vehement zurück. Das Unternehmen liefert von Fürstenfeldbruck aus täglich rund 1,5 Millionen Flaschen an die Kunden. „Woher die Meldungen kommen, dass zu wenig Pfandflaschen und -träger zurückgegeben werden, ist für uns nicht nachvollziehbar“, so Zeitter. Gerade bei mittelständischen Brauereien sei das Problem eher auf begrenzte Vorratshaltung zurückzuführen.

Trinks schicke momentan sogar mehr leere Flaschen und Träger zu den Abfüllern zurück, als volle ausgeliefert würden. In Zahlen: 120 000 volle Getränkekisten gehen täglich am Standort in Fürstenfeldbruck raus, rund 160 000 zurück.

Generell sei die momentane Situation eine große Herausforderung. Die Mitarbeiter gingen in drei Schichten an die Grenzen der Leistungsfähigkeit. Auch externe Dienstleister und Speditionen würden beauftragt – falls sie noch Kapazitäten frei haben.

Ein Mitarbeiter vor der Maschine, die die Pfandflaschen reinigt.

Coca Cola hat diese an seinem Standort in Fürstenfeldbruck – von wo aus große Teile Süddeutschlands beliefert werden – nach eigenen Angaben noch. Dort werden vor dem Sommer gigantische Lagerbestände aufgebaut, erklärt Sprecherin Christina Witt. „Dieser Sommer ist mit seinen hohen Temperaturen über einen langen Zeitraum aber eine besondere Herausforderung.“ Deshalb fahre man an einzelnen Tagen zusätzliche Schichten. Leergut sei noch ausreichend vorhanden. Trotzdem bittet Coca Cola, leere Flaschen und Träger möglichst schnell wieder zurück zu bringen.

Dass der Durst der Menschen im Landkreis in den vergangenen Monaten gestiegen ist, macht sich auch bei der Brauerei Maisach bemerkbar. 200 Hektoliter mehr haben Geschäftsführer Michael Schweinberger und seine Mitarbeiter im Juli an den Mann gebracht. Die Sache mit den fehlenden Pfandflaschen sieht Schweinberger eher gelassen. „Man muss bei den Kunden eben auch nachbohren.“ Den großen Engpass kann er noch nicht erkennen. „Für mich ist das auch ein bisschen PR, was manche Brauer da betreiben.“

Tobias Gehre

Nicht nur den Brauereien macht der Hitzesommer zu schaffen.

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