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Beispielfoto aus einer Asylunterkunft.

Viele Flüchtlinge mit geringer Bildung

Asyl: Integration ist ein Langlauf, kein Spurt

Bis zur Integration von Flüchtlingen ist es ein weiter Weg. Das wurde im Kreisausschuss erneut deutlich, wo die Leiterin des Jobcenters einen Überblick zur Lage gab.

Fürstenfeldbruck  – Von den etwa 2500 Flüchtlingen, die aktuell im Landkreis leben, fallen rund 1000 in die Zuständigkeit des Jobcenters. Viele kommen aus Syrien, Irak, Iran, Eritrea oder Somalia. Sie gelten als schutzberechtigt und haben (dauerhaftes) Bleiberecht. Bei den anderen 1500 laufen die Asylverfahren noch – irgendwann werden die allermeisten von ihnen aber ebenfalls im Jobcenter landen, mutmaßte dessen Leiterin Claudia Baubkus. Zentral für die Integration seien ein deutscher Bildungsabschluss und (gute) Sprachkenntnisse. Ist beides vorhanden, dann steige die Wahrscheinlichkeit auf Beschäftigung um 30 Prozent.

Allerdings sei das Bildungsniveau vieler Flüchtlinge relativ niedrig. 50 Prozent sprächen kein Deutsch. 20 Prozent könnten Angaben zur eigenen Person machen, was nicht heißt, dass eine echte Verständigung möglich wäre.

16 Prozent hätten keinen oder so gut wie keinen Schulabschluss. Acht Prozent hätten Abitur oder Fachabitur, rund fünf Prozent verfügten über einen Bachelor- oder Master-Abschluss.

Aufgabe des Jobcenters sei, die Kompetenzen der Menschen genau zu prüfen, um darauf aufbauen zu können. Dicke Bretter zu bohren gelte es wegen der kulturellen Unterschiede – allerdings sei bei vielen Geflüchteten klar die Bereitschaft zu erkennen, sich anzupassen. Dabei kämen Frauen besser zurecht als Männer, berichtete Baubkus. Letztere träten wegen ihres muslimischen Glaubens und ihrer damit einhergehenden Vorstellungen eher als Bremser auf. Froh zeigte sie sich, dass Freiwillige den Geflüchteten helfen, bürokratische Hürden zu nehmen. Insgesamt gelte: „Es sind keine Fachkräfte, die wir haben.“ Allerdings könnten die Geflüchteten die Fachkräfte von morgen oder übermorgen werden. Baubkus sprach von einem Zeithorizont von acht bis zehn Jahren. „Das hier ist ein Langlauf, kein Spurt.“ Freilich seien unter den Flüchtlingen auch ein oder zwei Ärzte. Das sei aber die Ausnahme.

1540 Flüchtlinge aus „nichteuropäischen Asylherkunftsländern“ gelten im Jobcenter als „regelleistungsberechtigt. Das heißt: Sie bekommen staatliche Hilfe. 1091 gelten als erwerbsfähig und fallen damit in den Rechtskreis SGB II, vulgo auch Hartz IV genannt. Eine Familie bestehend aus zwei Erwachsenen und vier Kindern bekommt im Monat (inklusive Miete und Kindergeld) 3200 Euro, rechnete Baubkus beispielhaft vor. 345 Personen aus den genannten fünf Asylherkunftsländern sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sprich sind in Arbeit. Rund 150 Personen gebe es, die keine Perspektive auf ein Bleiberecht haben, aber noch nicht abgeschoben wurden.

In der kurzen Aussprache zu dem Thema bedauerte Landrat Karmasin, dass eine SPD-Politikerin unlängst bei einer Diskussion diese Fakten nicht habe wahrhaben wollen. Ob denn nicht einmal unter den Syrern Menschen seien, die man unmittelbar in Arbeit bringen könne, fragte er. Die seien schon längst aus dem Markt weg, antwortete Baubkus, die in diesem Zusammenhang berichtete, dass unter den Asylsuchenden Syrer am besten, Somalier indes am wenigsten gebildet seien. Teils gebe es auch das Phänomen, dass Menschen unter ihrem Niveau beschäftigt seien, weil es ihnen – auch mit Blick auf einen Familiennachzug – darum geht, schnellstmöglich Geld zu verdienen. Kritisch merkte Baubkus an, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sich auf die Fahne schreibe, dass Asylverfahren nur eineinhalb Monate dauern würden. Diese Zahl könne nur deshalb genannt werden, kommentierte der Landrat, weil in die Statistik auch Fälle einflössen, die schnell, aber entsprechend ungenau behandelt würden. (st)

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