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Interview zum Abschied: Hubert Stefan zieht Bilanz nach 17 Jahren als Kreisbrandrat

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Von: Thomas Steinhardt

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Verheerende Brände gab es in der Dienstzeit von Hubert Stefan diverse – hier im September 2019 in Germering.
Verheerende Brände gab es in der Dienstzeit von Hubert Stefan diverse – hier im September 2019 in Germering. © tb

17 Jahre war Hubert Stefan Kreisbrandrat im Landkreisfürstenfeldbruck. Im Interview zieht er Bilanz zu ereignisreichen Jahren.

Landkreis - Im Schlager ist mit 66 Jahren noch lange nicht Schluss. Im aktiven Dienst der Feuerwehr sind 65 Jahre die absolute Obergrenze. Kreisbrandrat Hubert Stefan hat diese Alterslinie überschritten und sich zurück gezogen. Nun zieht er Bilanz – stoisch gelassen, wie es seine Art ist.

Hubert Stefan: „Ich hoffe, dass das weinende Auge noch zum lachenden wird“

Hubert Stefan war 17 Jahre Kreisbrandrat.
Hubert Stefan war 17 Jahre Kreisbrandrat. © tb

Sie sind altersbedingt nach 17 Jahren aus Ihrem sicher nicht immer einfachen Ehrenamt als Kreisbrandrat ausgeschieden. Überwiegt das lachende oder das weinende Auge?

Momentan ist es eins zu eins. Natürlich habe ich mehr Freizeit und weniger Ärger. Aber es gibt auch ein weinendes Auge. Ich habe eine absolut ereignisreiche Zeit erlebt und sehr interessante Menschen kennengelernt. Aber irgendwann muss Schluss sein, und es müssen neue Leute mit neuen Ideen ran. Ich hoffe, dass das weinende Auge noch zum lachenden wird.

Wenn Sie zurückblicken: Gibt es einen oder mehrere Einsätze, die besonders in Erinnerung bleiben?

Es gab viele besondere Einsätze. Ich möchte da eigentlich keinen herausheben. Wenn ein Mensch zu Schaden kommt, ist das immer schlimm. Das beschäftigt einen dann schon. Schlimm war natürlich der Fall in Puchheim, als ein Mädchen an Silvester (31. Dezember 2018) im Feuer starb. Insgesamt aber war das Geschehen sehr vielfältig, es gab viele Einsätze mit großer Herausforderung – etwa bei Unwettern oder Hochwasser.

Hubert Stefan: „Die Anforderungen im Einsatz haben sich geändert“

Der Dienst als Feuerwehrmann hat sich in 17 Jahren sicher verändert. Welche Änderungen würden Sie als besonders einschneidend bezeichnen? Handy-Gaffer am Einsatzort?

Die Anforderungen im Einsatz haben sich geändert, die Technik hat sich geändert. Beispielsweise haben wir in den Fahrzeugen mittlerweile die verschiedensten Antriebe. Zugenommen hat, dass Feuerwehrleute vermehrt Erste Hilfe leisten, dass wir also den Rettungsdienst unterstützen, weil wir oft schneller vor Ort sind. Die Feuerwehr ist vermehrt mit medizinischer Unterstützung betraut. Das Gaffer-Problem haben wir im Landkreis nicht so stark, das ist bei uns kein brennendes Problem. In München ist das etwas anders. Insgesamt haben die sozialen Medien den Vorteil, dass man viele Menschen erreicht. Oft wird die Arbeit der Feuerwehr dort auch positiv wahrgenommen. Andererseits bergen Internet-Medien die Gefahr, dass Falsch-Nachrichten verbreitet werden. Außerdem gibt es da immer wieder Menschen, die irgendwas gegoogelt haben und sich dann für Fachleute halten. Das ist nicht gerade das, was die Feuerwehr braucht.

Immer wieder Thema ist die Personalstärke der Wehren beziehungsweise die Verfügbarkeit von Einsatzkräften gerade tagsüber. Wie ist die Feuerwehr im Landkreis hier aufgestellt?

Die Zahl der Feuerwehrleute ist in den ganzen Jahren sogar leicht gestiegen, jedenfalls ist sie konstant. Bei der Jugend sind wir sehr gut aufgestellt. Tagsüber verfügbar haben wir 400 Einsatzkräfte. Damit kann man schon was abdecken. Außerdem: Wir drücken eben so lange auf den roten Knopf bis genügend Leute da sind. Außer uns kann das niemand.

Hubert Stefan: „Seien wir froh, dass wir die kleineren Wehren noch haben“

Im Landkreis gibt es nach wie vor 52 Einzel-Feuerwehren. Ist das aus Sicht des obersten Verantwortlichen noch zeitgemäß?

Da gibt es zwei Gesichtspunkte. Der erste ist gesellschaftlicher und sozialer Natur, der zweite einsatztaktisch. Zu ersterem muss man sagen: Seien wir froh, dass wir die kleinen Wehren haben. Sie halten die Gemeinschaft aufrecht. Es heißt ja immer, dass die Gesellschaft unpersönlicher wird und sich keiner mehr engagiert. Bei der Feuerwehr ist das anders. Die Wehren kümmern sich auf verschiedene Art um die Mitbürger, halten die Dorfgemeinschaften aufrecht. Zum zweiten Punkt, der Einsatztaktik: Wir brauchen die kleinen Wehren, um die Hilfsfrist einhalten zu können. Wir brauchen sie also ganz einfach, damit die Städte und Gemeinden ihre Pflichtaufgabe, die Einhaltung der Hilfsfrist, erfüllen können.

Ihre Fähigkeit zu stoischer Gelassenheit ist bekannt. Selbst als im Kreistag immer wieder bis zuletzt ergebnislos über das neue Notfall-Lager diskutiert wurde, haben Sie selbige behalten. Hat’s da in Ihnen nicht gebrodelt?

Freilich hat es gebrodelt (lacht). Aber es hilft ja nichts, man muss sachlich bleiben. Inzwischen gibt es den Vorschlag, ein richtiges Zentrum daraus zu machen, mit Kreiseinsatzzentrale. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Landkreis-Ausbildung bei den einzelnen Wehren bleiben soll. Die Katastrophen wie etwa im Westen Deutschlands zeigen, dass ein Landkreis vorbereitet sein muss, damit er den Bürgern helfen kann. Wir müssen Befüllanlagen für Sandsäcke vorhalten, Pumpen und so weiter. Wir sind in der Verantwortung. Dass das Notfall-Lager ein dickes Brett werden würde, war uns klar. Aber es wird kommen. Da bin ich sicher.

Hubert Stefan: „Alles was notwendig war, haben wir geschafft“

Wie ist die Feuerwehr im Landkreis in Ihren Augen bisher durch die Pandemie gekommen?

Wir haben es geschafft, dass alle Feuerwehren im Landkreis immer einsatzbereit waren. Dank der frühen Impfaktion mussten wir dann auch nicht mehr so strenge Maßnahmen ergreifen, als wären alle ungeimpft gewesen. Das Problem sind Veranstaltungen wie Kommandantentag oder Jugendwissenstest, die nicht stattfinden können. In den vergangenen Monaten der Entspannung haben wir aber den Stau an Lehrgängen, der vorher entstanden war, abtragen können. Wir haben beispielsweise 200 Leute durch die Grundausbildung gebracht. Alles was notwendig war, haben wir geschafft.

Früh gegen Corona geimpft: Hubert Stefan (l.) und Landrat Thomas Karmasin sorgten dafür, dass die Einsatzkräfte ihre Immunisierungen erhielten.
Früh gegen Corona geimpft: Hubert Stefan (l.) und Landrat Thomas Karmasin sorgten dafür, dass die Einsatzkräfte ihre Immunisierungen erhielten. © tb

Ziehen Sie sich eigentlich völlig von der Feuerwehr zurück, oder übernehmen Sie andere Aufgaben?

Ich gebe alles ab. Mein aktiver Dienst endet auch altersbedingt. Freilich bleibe ich im Verein, aber die aktive Zeit ist vorbei.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Eine glückliche Hand, die man immer braucht. Und dass seine Familie hinter ihm steht. Es ist oft nicht leicht, Dienst und Familie unter einen Hut zu bringen. Mir war das eine große Stütze. Wenn meine Familie nicht hinter mir gestanden hätte, wäre es nicht gegangen.

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