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Zum Abschied nach 40 Jahren in der Bäckerei Wimmer ließ Inge Ostermeir bunte Luftballons fliegen.

Der besondere Ruhestand

Sie gehörte zum Inventar der Traditions-Bäckerei

Fürstenfeldbruck – Inge Ostermeir war Verkäuferin mit Leib und Seele. Fast 40 Jahre lang hat die 79-Jährige in der Brucker Bäckerei Wimmer Brote, Brezen und Kuchen verkauft. Nun wurde sie in den Ruhestand verabschiedet.

Viel hat sie erlebt in diesen knapp vier Jahrzehnten, vor allem viel Schönes. Es ist also wenig verwunderlich, dass sie ihre ehemaligen Kollegen und Chefs ihre „zweite Familie“ nennt. „Aber ich erzähle am besten der Reihe nach“, sagt die rüstige 79-Jährige schmunzelnd. 

In Berchtesgaden geboren, zog es sie schon als junge Frau von zuhause fort. „Ich wollte beweisen, dass ich es auch alleine schaffen kann – ohne meine Familie“, erklärt Ostermeir. Und während ihr Bruder und ihre Schwester in der Heimat blieben, kam sie mit 21 Jahren in die Amperstadt. „Damals war man mit 21 volljährig“. Bereut hat sie diesen Schritt nie. 

Im ehemaligen Traditionscafé Brameshuber an der Münchner Straße hat sie eine Lehre zur Bäckerei- und Konditoreifachverkäuferin absolviert. An ihre Zeit dort erinnert sich die 79-Jährige gern. „Aber ich wollte lieber in einer Bäckerei arbeiten.“ 

Es war also ein Glücksfall, dass Max Wimmer sen., damaliger Chef der Bäckerei Wimmer, auf sie aufmerksam wurde. Am 18. Januar 1977 fing sie in der Filiale in der Schöngeisinger Straße an. „Er wollte, dass ich für ihn arbeite und stellte mich an meinem 40. Geburtstag ein“, berichtet die Bruckerin. Und zu ihrer ersten Familie, die sie mit ihrem Mann Walter Ostermeir nach der Hochzeit 1965 gründete, kam also noch eine zweite Familie hinzu. 

„Die Arbeit im Laden hat mir auch durch schwere Phasen in meinem Leben geholfen“, sagt sie. Sowohl mit den Kollegen, als auch mit den Chefs – Max Wimmer sen. und seiner Frau Gerda – habe sie sich immer gut verstanden. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange und auch so gerne dort arbeiten würde“, sagt Ostermeir rückblickend. 

Mit Freude erinnert sie sich an die Weihnachtsfeiern. „Familie Wimmer hat uns da zu sich nach Hause eingeladen“, erzählt sie. Gefeiert wurde zusätzlich auch in einem Aufenthaltsraum über der Filiale in der Schöngeisinger Straße. „Das war immer schön, wir hatten viel Spaß“, berichtet die 79-Jährige. Später wurde die Feier in die Filiale in der Hasenheide verlegt. „Dort hat Stub’nmusik gespielt“, sagt sie. „Aber irgendwann haben alle nur geratscht und niemand hat mehr zugehört.“ 

Da kam der Bruckerin eine Idee: „Ich habe angefangen, Theater zu spielen. Das war ungefähr 1996.“ Mit ihren Kolleginnen hat sie zum Beispiel Szenen aus dem Arbeitsalltag nachgespielt. „Einmal habe ich sogar Frau Wimmer, meine damalige Chefin, dargestellt“, erzählt sie.

Dabei hatte Inge Ostermeir nie zuvor für Theater auf der Bühne gestanden. „In meiner Jugend habe ich in meiner Freizeit viel Sport gemacht“, erzählt sie. Schwimmen, Skifahren und Leichtathletik waren nur einige ihrer Hobbys. Dass sie auch schauspielerisches Talent besitzt, hat sie erst auf den Weihnachtsfeiern bemerkt. „Den Kollegen haben meine Stücke immer gut gefallen“, erzählt sie. 

Ebenfalls für Lacher sorgten ihre „Ratschkathln“. „Da habe ich mit Kolleginnen auf der Bühne über Anekdoten aus der Arbeit geratscht“, sagte sie. „Aber nie so, dass sich jemand beleidigt gefühlt hat.“ Überhaupt sei es immer mit sehr viel Humor zugegangen, auch an Fasching. Da waren die Angestellten sogar während der Arbeit verkleidet. 

„Auch wenn ich jetzt aufhöre“, sagt Inge Ostermeir etwas wehmütig, „der Kontakt zu Familie Wimmer wird immer da bleiben.“ Verabschiedet wurde die 79-Jährige vom derzeitigen Chef, Max Wimmer jun., höchstpersönlich. Er hat sie zum Auto begleitet. Dort wartete ihr Sohn mit vielen bunten Luftballons. „Es war ein schöner, warmer Tag, die Ballons habe ich dann alle fliegen lassen. Das war ein wunderschöner Moment“, erzählt sie gerührt. 

Zu Beginn ihres Ruhestands zog es die Seniorin wieder zurück in ihre Heimat nach Berchtesgaden. „Zum Bergsteigen und im Winter gehe ich vielleicht Skifahren“, erklärt sie schmunzelnd.

von Regina Mittermeier

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