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Drei Bände umfasst die Dirnaglsche Häuserchronik, die im Stadtarchiv aufbewahrt wird.

Serie über Brucks Straßennamen

Jakob Dirnagl - der Häuser-Chronist von Fürstenfeldbruck 

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Wer nachschauen will, wer früher in welchem Anwesen gelebt hat, der nimmt die Dirnaglsche Häuserchronik zur Hand. Verfasst hat sie der ehrenwerte Brucker Bürstenmacher Jakob Dirnagl. Und die Stadt verdankt ihrem Namenspatron noch mehr.

Fürstenfeldbruck – Jakob Dirnagl war ein einfacher Handwerker, genauer gesagt ein Bürstenmacher. Im Jahr 1848 kam er nach Bruck. Zeitgenossen schildern ihn als geistvollen Menschen, der sich unermüdlich um das Wohl des Marktes besorgt zeigte, wie in der Rodatus-Chronik nachzulesen ist. Unter anderem war Dirnagl mehrere Jahre Vorstand des Gemeindekollegiums und Magistrat.

Sein Vermächtnis an die Stadt ist jedoch seine mehrbändige Häuserchronik. An ihr hat Jakob Dirnagl sein halbes Leben lang gearbeitet und unzählige Details mühevoll zusammen getragen. Das mehrbändige Werk reicht bis zum Jahr 1590 zurück. Jeder Besitzer der 152 alten Wohngebäude zwischen 1676 und 1878 ist erfasst – ein wichtiges Nachschlagewerk für alle, die sich für die Geschichte ihrer alten Wohnhäuser interessieren.

Jakob Dirnagl.

Die Dirnaglsche Häuserchronik liegt im Stadtarchiv. Robert Weinzierl vom Historischen Verein hat sie für die Brucker Blätter dokumentiert. So erfährt man beispielsweise, dass das Alte Rathaus im Jahr 1784 vom Kaufmann Anton Pruggmaier anstelle des alten Schneebäckerhauses und Moräsch-Kramerhauses erbaut wurde. Die Reliefs stammen von Ferdinand von Miller. Dirnagl hielt fest, wann welche Straßenzüge – er nannte es Baulinien – besiedelt wurden.

Ferner widmete er sich in den Kapiteln auch Brücken und Stegen, dem Namen Fürstenfeldbrucks, dem Gericht sowie dem Gewerbe. Wer weiß denn heute noch, dass die Absatzpapper die Schuster mit hohen Absätzen für Stöckelschuhe belieferten? Und dass Bettenmacher mit Rosenkränzen und heiligen Büchern handelten?

Passend zum Hausthema beschreibt Dirnagl auch die Ausstattung der früheren Häuser – von der getäfelten Stube über die polierten Möbel bis zum Zinn- und Kupfergeschirr, das zur Zierde diente. Der Leser erfährt, wie Mann und Frau sich früher kleideten, welche Ausstattung eine Braut zur Hochzeit bekam und wie diese gefeiert wurde. Denn sogar die Zahl der weiblichen Gäste war mit einer Obergrenze festgeschrieben. Und auch alte Rituale wie die Klöpfels- und Rauhnächte sowie das bis heute bewahrte Luzienhäuslschwimmen haben ihren Weg in das Nachschlagewerk gefunden.

Die Dirnaglstraße verläuft zwischen Plonner- und Stadelbergerstraße.

Neben seiner Häuserchronik verfasste Jakob Dirnagl weitere Aufsätze, unter anderem ein Referat über die Bedürfnisse des Krankenhauses 1859 sowie ein „Referat über die Einführung der Gewerbefreyheit in Bayern“ 1860. Außerdem führte er die Chronik von Fürstenfeldbruck von Jakob Groß einige Jahre mit anderen Bürgern fort.

Die Nachwelt verdankt dem Bürstenmacher jedoch nicht nur den Überblick über das Wachstum des Marktes Brucks, was seine Häuser angeht. Er machte sich auch um die Eisenbahnlinie München-Fürstenfeldbruck-Buchloe verdient. 1861 berief Dirnagl im Bichlerbräu eine Bürgerversammlung ein und kämpfte als Redner für eine Eisenbahnlinie von Pasing über Bruck nach Buchloe. Zusammen mit 72 Bürgern gründete er einen Eisenbahnbau-Interessenverein. Dieser begeisterte bald die gesamte Bürgerschaft für die Eisenbahnlinie und der Magistrat schickte mehrere Abordnungen zur Regierung nach München – mit Erfolg. Denn die Landsberger, die die Linie von Pasing über Gilching nach Landsberg führen wollten, zogen den Kürzeren.

Und auch die Brucker Feuerwehr ist mit dem Namen Dirnagl verbunden, wie Jakob Groß in seiner Chronik schreibt. Denn auch aufgrund seiner Bemühungen wurde die Freiwillige Feuerwehr am 24. Oktober 1862 gegründet. Dirnagl wurde bis 1874 der erste Kommandant. All das war Grund genug, dem ehrenwerten Bürger eine Straße zu widmen.

Die Serie:

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden die Persönlichkeiten vorgestellt. Auch interessant: Brauerin hat sich am Volksfestplatz verewigt

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