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Japanisches Kartenspiel in bayerischem Wirtshaus

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Von: Peter Loder

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Größtenteils stumm und per Fingerzeichen wird bei Digimon kommuniziert. Hier duellieren sich (v.l.) Sebastian Härtel und Norbert Reichenbach. Das Kartenspiel basiert auf einer Zeichentrickserie Die Spieler nehmen auch längere Anfahrten in Kauf
Größtenteils stumm und per Fingerzeichen wird bei Digimon kommuniziert. Hier duellieren sich (v.l.) Sebastian Härtel und Norbert Reichenbach. Das Kartenspiel basiert auf einer Zeichentrickserie Die Spieler nehmen auch längere Anfahrten in Kauf © Peter Weber

Zünftige, oft auch lautstarke Schafkopf-Runden und Watt-Turniere ist der Besucher in bayerischen Wirtschaften gewohnt. Doch seit einiger Zeit lenkt eine eher ungewöhnliche Gesellschaft die Blicke im Ameisenstüberl auf sich.

Fürstenfeldbruck – Die Szenerie erinnert an Schachduelle. Pärchenweise sitzen sich stundenlang meist jüngere Jahrgänge eher schweigend oder nur mit Fingern signalisierend gegenüber und schieben futuristisch aussehende Karten auf einer zusammenrollbaren Plastikunterlage hin und her.

Digimon heißt das auf Fantasy-Figuren basierende Duell, von dem sich auch Norbert Reichenbach, der 55-jährige Senior und Spielleiter der Brucker Gruppe, in den Bann ziehen ließ. Zweimal im Monat treffen sich im Ameisenstüberl bis zu 35 junge Männer und widmen sich diesem exotischen Kartenspiel, das von Japan aus die Welt erobert und seine Ursprünge in einer Zeichentrickserie hat. Warum es – anders als bei den sonst hierzulande üblichen Kartenspielen – kaum Frauen begeistert, können sich weder Reichenbach noch der als ausgewiesener Digimon-Experte geltende Sebastian Härtel (30) erklären.

Das Prinzip des Spiels: Es gibt häufigere und seltenere Karten. Was dazu führt, das wesentlich mehr gekauft werden müssen, um die Sammlung zu vervollständigen. Deshalb werden die Sammelkarten auch als Geldanlage genutzt. Besonders gesuchte Motive können dabei Preise im hohen fünf- oder sechsstelligen Bereich erzielen. Spielen, Tauschen und Sammeln steht deshalb im Mittelpunkt, wenn’s an den Digimon-Sonntagen im Ameisenstüberl japanisch wuselt. Wobei perfekte Englischkenntnisse Grundvoraussetzung sind, um mitzumischen. Denn die Karten, die im Internet in einem sogenannten Booster-Pack mit 24 Päckchen je zwölf Stück für 90 Euro erworben werden, sind ausschließlich in dieser Sprache beschriftet.

Eine Spielrunde dauert etwa 50 Minuten, vier Durchgänge mit jeweils einem anderen Gegner gibt es pro Spieltag. Auch ein Schiedsrichter ist vor Ort. Etwaige Mauscheleien – die soll es tatsächlich hin und wieder geben – werden online an die internationale Digimon-Zentrale gemeldet. Außer der Peinlichkeit drohen dem schwarzen Schaf dann längere Sperren.

Die zu umgehen, ist nahezu unmöglich. Denn jeder Teilnehmer muss sich vor Spielbeginn im Internet anmelden und ist dort markiert, sollte er sich einen Fehltritt erlaubt haben.

Das Spiel zu erklären ist nicht ganz einfach. Reichenbach, der sich schon intensiv mit einem ganz ähnlichen Sammel-Kartenspiel namens Yu-Gi-Oh befasst und vor 20 Jahren gemeinsam mit Ex-Bürgermeisterkandidat Axel Lämmle ähnliche Turniere in Bruck organisiert hat, wagt aber ein vollmundiges Versprechen: „Innerhalb von zwei Stunden hat’s jeder kapiert.“

Mit fünf ebenfalls vom Digimon-Fieber gepackten Mitstreitern hat er die Spieltage vor zwei Jahren in mittlerweile abgerissenen Geschäftsräumen an der Dachauer Straße gestartet. Im neuen Ameisen-Domizil treffen sich nun meist über 30 Kartenspieler aus dem ganzen Landkreis, wobei einige sogar aus München anreisen. Eine Voranmeldung ist zwar nicht notwendig, doch es lohnt sich, vor dem Besuch die genauen Daten im Internet unter www.brucklynmagic.de anzuschauen.

Das Kartenspiel basiert auf einer Zeichentrickserie

Die Spieler nehmen auch längere Anfahrten in Kauf

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