Ein zeitgenössischer Kupferstich zeigt den in Bruck geborenen Sohn eines Hufschmieds im Jahr 1840. Vier Jahre später, mit nur 52 Jahren, starb Stiglmaier.

Serie: Brucker Straßen und ihre Namenspatrone

Johann Baptist Stiglmaier: Der Macher der Münchner Monumente

  • schließen

Vom Sohn eines Brucker Hufschmieds stieg Johann Baptist Stiglmaier zum Erzgießer des bayerischen Königs auf. Bis heute zieren zahlreiche monumentale Kunstwerke aus seiner Werkstatt die Landeshauptstadt.

Die Schreibweise des Familiennamens variiert. In München gibt seit 1845 es den Stiglmaierplatz, in Bruck die Stiglmayrstraße.

Fürstenfeldbruck – Die Stiglmayrs, die sich auch Stiglmayer, Stichelmeyer oder, wie später ihr berühmtester Spross, Stiglmaier schrieben, waren eine alteingesessene Brucker Familie. Wohl über Generationen gaben sie das Schmiedehandwerk vom Vater auf den Sohn weiter. Vier Generationen lang saßen sie auf der Hennenschmiede in der Schöngeisinger Straße. Der letzte von ihnen war der 1752 geborene Hufschmiedmeister Augustin Stiglmayr, an den ein Gedenkstein am Westportal der Klosterkirche Fürstenfeld erinnert. Vielleicht wäre auch sein jüngster Sohn Hufschmied geworden, hätte nicht der Verwalter des Klosters das künstlerische Talent des 1791 geborenen Johann Baptist Stiglmaier entdeckt und ihm Zeichenunterricht erteilt.

Die königliche Erzgießerei an der Nymphenburger Straße war Stiglmaiers langjähriger Arbeitsplatz, der damals noch vor den Toren Münchens lag.

Statt den Beruf des Vaters zu ergreifen, lernte Johann von 1806 bis 1811 in München das Handwerk des Gold- und Silberschmieds – unter der Woche im Betrieb und am Sonntag in der Feiertagsschule, der damals gerade erst etablierten Vorläuferin der heutigen Berufsschulen. Dort tat er sich mit außerordentlichen Leistungen hervor.

Man wurde aufmerksam auf den begabten jungen Mann, zunächst der Direktor der königlichen Münzanstalt, der ihm parallel zur Ausbildung ein Bildhauerstudium an der Akademie der Bildenden Künste ermöglichte.

In der Münzanstalt begann Stiglmaier 1814 zu arbeiten. Seine Plastiken, die er nebenbei schuf und öffentlich ausstellte, fielen dem Kronprinzen und späteren König Ludwig I. sowie dem Baumeister Leo von Klenze auf. Von ihnen bekam er kleinere Aufträge. Vor allem aber wollte der Kronprinz, dass sich Stiglmaier, als er 1818 zum Zweiten Graveur der Münzanstalt wurde und einen längeren Italienaufenthalt zur Weiterbildung antrat, mit der Kunst des Erzgusses befasst, den Ludwig in Bayern wiederbeleben wollte. Nach vier Jahren kehrte Stiglmaier nach München zurück.

Drei Jahre später, 1825, wurde Ludwig zum König, ließ die zuvor von seinem Vorgänger Max I. Joseph auf einem ehemaligen Militärareal „an der Straße zu Nymphenburg“ errichtete Erzgießerei erweitern und machte Johann Stiglmaier zu deren Leiter.

Der Obelisk am Münchner Karolinenplatz war sein erstes Monument.

Der experimentierte fleißig, und nach ein paar Jahren stellten sich Erfolge ein. Der 29 Meter hohe Obelisk für den Münchner Karolinenplatz war 1833 nach fünf Jahren Arbeit fertig. Im Jahr 1835 wurde in München neben der Residenz die Statue von Max I. Joseph enthüllt.

König Max I. Josef gründete die Erzgießerei und wurde von Stiglmaier in Bronze verewigt.

Im Jahr 1837 – Stiglmaier war jetzt beruflich etabliert, verheiratet und Vater von zwei Kindern – unterschrieb er den Vertrag für sein größtes Vorhaben: den Guss der Bavaria. Doch deren Vollendung sollte er nicht mehr erleben. Im Jahr 1842 erkrankte Stiglmaier an Magenkrebs und starb zwei Jahre später. Die Fertigstellung der Bavaria kam einem anderen Fürstenfeldbrucker zu: seinem Neffen und Nachfolger als Erzgießerei-Direktor Ferdinand von Miller.

Die Serie

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden diese Persönlichkeiten vorgestellt. Auch interessant: Ehrenbürger Willi Buchauer.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Blaulicht-Ticker: Deshalb landete ein Hubschrauber auf dem Volksfestplatz
Rund um die Uhr sind Polizei und Feuerwehr im Landkreis Fürstenfeldbruck einsatzbereit. Wohin sie unterwegs sind und warum, erfahren Sie im Blaulicht-Ticker.
Blaulicht-Ticker: Deshalb landete ein Hubschrauber auf dem Volksfestplatz
85-Jähriger verwechselt Pedale und rast rückwärts durch Wohngebiet
Völlig außer Kontrolle: Ein 85-Jähriger hat in Eichenau Gas und Bremse verwechselt und raste rückwärts durch die Straße. 
85-Jähriger verwechselt Pedale und rast rückwärts durch Wohngebiet
Mann (22) schießt Bruder in den Kopf - aus Versehen
Zwei Brüder alberten in Emmering miteinander herum, bis einer eine Luftdruckwaffe in die Hand nahm und abdrückte. Er hielt sie für unbrauchbar - ein Irrtum. 
Mann (22) schießt Bruder in den Kopf - aus Versehen
Rathaus-Verwaltung wird „Schluderei“ vorgeworfen
 Im Stadtrat gab es einen Vorgeschmack auf den Kommunalwahlkampf.
Rathaus-Verwaltung wird „Schluderei“ vorgeworfen

Kommentare