Seltenes Foto vom Fotografen: Selbst ist Peter Weber eher kamerascheu.

Fürstenfeldbruck

Jubiläum bei der Heimatzeitung: 40 Jahre als Tagblatt-Paparazzo

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Seit 40 Jahren hält Peter Weber die Geschehnisse im Landkreis für das Tagblatt im Bild fest. Anlässlich dieses Jubiläums kramte der Fotograf nicht nur in seiner Fotokiste, sondern auch in seinem Gedächtnis. Denn in vier Jahrzehnten als rasender Fotoreporter hört man auch so manches Bonmot.

Fürstenfeldbruck – Im wahrsten Sinne des Wortes anrüchig waren zwei Einsätze, die der aus Pfaffing bei Gelbenholzen stammende Fotograf nie vergessen wird. Beim Brand des Gasthauses Giggenbach in Mammendorf im Jahr 1981 suchte er sich quasi blindlings die beste Stelle, um das Feuer im Bild festzuhalten. Dabei übersah er aber eine eineinhalb Meter tiefe Odelgrube, in der er prompt landete. „Zum Glück war die Grube nur etwas mehr als knöchelhoch gefüllt“, erinnert sich Weber. Den Spott der Feuerwehrleute musste er aber ertragen.

Die Sache mit dem Tiger

Nur ein paar Wochen später sollte Weber Bilder von einem Zirkus machen. Bei der Tigerdressur wähnte sich der Fotograf schon im Glück, als sich eine der Raubkatzen plötzlich aufstellte. „Ich dachte, das Tier würde dem Dompteur gleich in den Rücken springen.“ Doch stattdessen entleerte die Tigerdame mit einem gewaltigen Strahl ihre Blase - genau in die Richtung des Tagblatt-Fotografen. „Ich konnte noch ausweichen“, erinnert sich Weber. Stattdessen bekam aber seine damalige Freundin und heutige Frau die Ladung ab.

Einige Promis

Weniger schöne Einsätze wie Unfälle oder eine Massenschlägerei zwischen deutschen und italienischen Fußballfans vor dem dem Restaurant Venezia nach dem WM-Finale 1982 gehören ebenso zum Job des Presseforografen. Aber auch so manchen Promi durfte Weber fotografieren – darunter zum Beispiel den damaligen Kardinal und späteren Papst Joseph Ratzinger, die beiden früheren Staatschefs Helmut Kohl und Francois Mitterand bei einem Besuch am Fliegerhorst oder sogar Elton John. Der Pop-Star hob seinerzeit auch einmal in Fürsty ab.

Begegnung mit FJS

„Du willst doch bloß zwei Rindviecher auf einem Bild“: Franz Josef Strauß stimmte der Aufnahme trotzdem zu.

Eine besondere Begegnung hatte Weber mit Franz Josef Strauß. Bei einem Besuch im Landkreis besichtigte der damalige Ministerpräsident auch einen Bauernhof in Galgen. Weber war auf der Suche nach einem besonderen Motiv. „Darum habe ich ihn gefragt, ob er nicht eines der Kälber streicheln will.“ Strauß’ Antwort: „Du willst doch bloß zwei Rindviecher gleichzeitig auf dem Bild haben.“ Das Foto hat Strauß trotzdem machen lassen.

Eigentlich wollte der damals 24 Jahre alte Weber 1980 nur ein halbes Jahr lang für das Tagblatt fotografieren. Der damalige Stammfotograf der Heimatzeitung, Franz Schmotz, fiel krankheitsbedingt aus. Weber übernahm ab April die Vertretung. „Mir passte das gut, weil ich danach meine Meisterprüfung an der Bayerischen Staatslehranstalt für Fotografie in München ablegen wollte“, erinnert sich Weber. Weil er aber immer wieder mal für Schmotz einspringen musste, wurden aus dem halben Jahr beim Tagblatt mittlerweile 40 Jahre.

Der stetige Wandel

Kardinal Josef Ratzinger kam und Peter Weber war dabei: der spätere Papst Benedikt XVI. beim einem Besuch in Puchheim im Jahr 1981

Klar, dass sich auch sein Beruf in vier Jahrzehnten gewaltig gewandelt hat. Vor allem die digitale Fotografie hat die Arbeit ab dem Jahr 2000 revolutioniert. Von E-Mails ganz zu schweigen. 1980 war es jedenfalls noch eine Herausforderung, aktuelle Bilder am nächsten Tag ins Blatt zu bekommen.

Wo heute ein Mausklick genügt, war vor 40 Jahren Improvisation gefragt: „Ich bin zum Bahnhof gefahren und hab dem Lokführer im Zug nach München die Abzüge in die Hand gedrückt“, erzählt Weber. Am Münchner Hauptbahnhof nahm dann ein Mitarbeiter der Druckerei die Fotos in Empfang.

Im Kollegenkreis nennt sich Weber selbst gerne Tagblatt-Paparazzo. Die Methoden der Paparazzi wendet er trotzdem nicht an. So findet sich durchaus auch das eine oder andere pikante Bild eines Promis in seinem Fundus. „Die habe ich aber nie veröffentlicht.“ Schließlich habe er immer wieder mit den Menschen auf seinen Motiven zu tun.

Und genau dieser Kontakt ist es, der ihm an seinem Job nach 40 Jahren noch immer Spaß macht: „Man ist viel unterwegs und kommt unter Leute.“

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