Ein Polizeiauto von vorne.
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Die Polizei kontrolliert verstärkt im Germeringer Zentrum. (Symbolfoto).

Nach zunehmenden Gewalttaten

Jugendbanden: Polizei durchsucht etliche Wohnungen

  • Tobias Gehre
    VonTobias Gehre
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Nachdem in den vergangenen Tagen immer wieder Jugendbanden gewaltsam aneinandergeraten sind, fährt die Polizei jetzt eine harte Linie und zeigt verstärkt Präsenz.

Update 30. Juli: Rivalisierende Jugendbanden, die teils äußerst brutal aufeinander losgegangen waren, haben in den vergangenen Wochen die Polizei im Landkreis in Atem gehalten. Jetzt haben Ermittler insgesamt 17 Häuser und Wohnungen durchsucht – die meisten davon in Puchheim und Germering. Bei dem koordinierten Einsatz am frühen Dienstagmorgen waren auch drei Vertreter der Staatsanwaltschaft mit dabei. Bei den Durchsuchungen konnte einiges an Beweismaterial sichergestellt werden. Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck arbeitet weiter an der lückenlosen Aufarbeitung der Straftaten. 

Update, 7. Mai, 12.18 Uhr: Germering - Am Mittwochabend fanden zahlreiche Kontrollen im Germeringer Stadtgebiet statt. Auch in Zukunft wollen die Beamten verstärkt Präsenz zeigen. „Die Jugendlichen sollen den Kontrolldruck spüren“, sagt Germerings Polizei-Vize Andreas Ruch.

Am Mittwochabend rückten zahlreiche Beamte der Germeringer Polizei im Zentrum an. Unterstützt wurden sie von Kräften der Bereitschaftspolizei und des Einsatzzuges aus Fürstenfeldbruck. „Wir schauen, wer sich bei uns aufhält, und was sie dabei haben“, erklärt Andreas Ruch. Sowohl die Jugendlichen selbst als auch die Öffentlichkeit sollten wahrnehmen, dass sich die Polizei um die Problematik kümmere. „Das wird erst einmal so bleiben“, sagt Ruch.

Was bisher passierte

Seit Wochen halten Jugendbanden die Polizei im Landkreis in Atem. Am 24. April gingen an der Kennedystraße in Puchheim zwei rivalisierende Gruppen aufeinander los. Dabei wurde ein 16-Jähriger durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Ihm geht es mittlerweile wieder besser. Die Polizei hat einen Tatverdächtigen festgenommen.

Rund eine Woche später gerieten zwei Gruppen in Germering aneinander. Sie gingen teils mit Hieb- und Stichwaffen aufeinander los. Eine Person wurde dabei leicht verletzt.

Am vergangenen Dienstag rückten rund 20 Jugendliche an der Brucker Berufsschule an und bedrohten einen Schüler. Zuvor hatte es offenbar Streit gegeben. Am selben Tag traktierten drei 14 bis 16 Jahre alte Jugendliche am Eichenauer Bahnhof einen 19-Jährigen. Dieser hatte die Gruppe dabei beobachtet, wie sie sich an der Geldkassette eines Zeitungsautomaten zu schaffen gemacht hatte.

Sozialarbeitern fehlt der Zugang

Sozialarbeiter sehen einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Weil Jugendzentren geschlossen sind, fehlt den Mitarbeitern der Zugang zu den Jugendlichen. Zudem gebe es kaum noch Möglichkeiten für die jungen Menschen, sich zu beweisen und Erfolgserlebnisse zu haben.

Jugendbanden in Fürstenfeldbruck außer Kontrolle - Polizei sieht Zusammenhang mit Corona-Pandemie

Erstmeldung vom 5. Mai, 16.24 Uhr: Landkreis Fürstenfeldbruck – In den vergangenen Tagen haben sich die Meldungen über Gewalt unter Jugendlichen im Landkreis gehäuft. Polizei und Sozialarbeiter sehen einen Zusammenhang mit Corona.

Die Gewalt unter Jugendlichen im Landkreis nimmt erschreckende Ausmaße an. In Puchheim wurde ein 16-Jähriger lebensgefährlich durch Messerstiche verletzt. Auch in Germering, Bruck und Eichenau gab es teils brutale Auseinandersetzungen. Polizei und Sozialarbeiter sehen einen Zusammenhang mit der Corona-Krise.

Die Meldungen über Gewalt unter Jugendlichen reißen nicht ab. Nach den Vorfällen in Puchheim und Germering gerieten am Dienstag wieder junge Männer aneinander. An der Brucker Berufsschule rotteten sich laut Polizei etwa 20 Jugendliche zusammen und bedrohten einen Schüler. Hintergrund war offenbar ein zurückliegender Streit. Angeblich soll der Rädelsführer auch ein Messer dabei gehabt haben. Die alarmierte Polizei konnte keine Waffe finden – verhinderte aber eine tätliche Auseinandersetzung. Die Jugendlichen waren zwischen 16 und 20 Jahre alt. Sie stammen aus München, Fürstenfeldbruck, Germering und verschiedenen Gemeinden im westlichen Landkreis.

Corona/Bayern: Jugendbanden außer Kontrolle: Attacke am Eichenauer Bahnhof

Am Nachmittag gingen dann drei Jugendliche am Eichenauer Bahnhof auf einen 19-Jährigen los. Dieser hatte beobachtet, wie sich eine Gruppe an der Geldkassette eines Zeitungskasten zu schaffen machte. Der 19-Jährige ging weiter, wurde dann aber von dem Trio attackiert. Einer trat ihm gegen die Schläfe. Der junge Mann ging zu Boden. Dann traten die Angreifer auf ihn ein. Als ein couragierter 49-jähriger Passant dazwischen ging, ergriff das Trio die Flucht. Die alarmierte Polizei konnte die Verdächtigen im Alter von 14, 15 und 16 Jahren festnehmen. Sie sind den Beamten bereits aufgrund diverser Delikte bekannt.

Corona in Bayern: Jugendbanden außer Kontrolle - 14-Jährige unter den Schlägern

Bei der Polizei hat man bereits seit Längerem ein Auge auf die Jugendgruppen. Bisher habe man die Sache aber gut im Griff gehabt. Die Heftigkeit, mit der die jungen Männer in jüngster Zeit aufeinander losgehen, habe man nicht erwartet, heißt es aus Ermittlerkreisen. Erstaunlich sei auch das Alter der Beteiligten. Bereits 14-Jährige seien mit von der Partie. Die jungen Leute kämen in der Regel aus sozial benachteiligten Schichten. „Es sind keine Wohlstands-Jugendlichen“, sagt ein Ermittler. Viele hätten einen Migrationshintergrund.

Bei den verschiedenen Vorfällen seien nicht immer die selben Protagonisten beteiligt. Es scheine aber durchaus Verbindungen unter den Gruppierungen zu geben, sagt ein Ermittler. So seien einige der Jugendlichen, die am Dienstag vor der Fürstenfeldbrucker Berufsschule auftauchten, auch in Germering bekannt.

Die Ermittlungen der Polizei gestalten sich schwierig. Meist treffe man auf eine Mauer des Schweigens. Auch die Opfer von Angriffen würden meist nicht mit den Beamten kooperieren. Dass man keinen Zugang mehr zu den Jugendlichen habe, bereite Sorgen. „Ich sehe eine soziale Zeitbombe ticken“, so ein Ermittler.

Jugendbanden außer Kontrolle: Corona-Pandemie als Brandbeschleuniger

Die Corona-Pandemie wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Denn Sozialarbeit ist so gut wie nicht mehr möglich. Jugendzentren und andere Anlaufstellen sind geschlossen. „Den jungen Leuten fehlen Möglichkeiten, sich zu beweisen und Selbstvertrauen aufzubauen“, sagt Martin Rattenberger Leiter des Amtes für Jugend, Familie, Senioren, Soziales und Schulen in Germering. Zudem könnten die Mitarbeiter in den Jugendzentren in normalen Zeiten aufkommende Konflikte erkennen und entsprechend gegensteuern. Das sei komplett weggebrochen.

Auch Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl weist auf diese Problematik hin. „Man weiß gar nicht mehr, wo die Jugendlichen sind“, sagt der Rathaus-Chef. Treffen von Gruppen in der Öffentlichkeit sind ja momentan tabu. Die Sozialarbeiter hätten so gut wie keinen Zugang mehr zu den jungen Menschen.

Nach Jugendgewalt fordert Bürgermeister: Jugendzentrum wieder öffnen

Der Ausbruch der Gewalt in seiner Stadt hat Seidl überrascht – und entsetzt. Man müsse das JUZ so bald wie möglich wieder aufmachen um wieder Kontakt zu den jungen Menschen zu bekommen. Weil auch andere Kommunen ein Problem mit gewalttätigen Jugendlichen haben, kann sich der Puchheimer Bürgermeister auch einen runden Tisch mit anderen Kommunen vorstellen. Auch die Schulen könne man mit ins Boot holen.

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