+
Eines dieser Zeichen des Protestes hat Ferdinand Wenig auf seinem Acker bei Puch aufgestellt.

Aktion vieler Landwirte

Junge Bauern: Protest mit 68 grünen Kreuzen

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
    schließen

Auf den Feldern herrscht Winterruhe. Vielerorts schießen aber grüne Kreuze förmlich aus dem Boden. Mit ihnen wollen die Landwirte auf ihren derzeit schweren Stand hinweisen. Vor allem der Nachwuchs ist dabei stark engagiert. Für die Jungbauern geht es um nicht weniger als ihre Zukunft.

Fürstenfeldbruck – Das neue Jahr ist noch keine sechs Tage alt, als die jungen Landwirte in einer Maschinenhalle in Wenigmünchen (Gemeinde Egenhofen) zusammenkommen. Sie wollen Bauern sein, Bauern bleiben und deshalb ein Zeichen setzen. 136 Holzlatten haben die jungen Männer und Frauen herbei geschafft. Aus ihnen werden an diesem Sonntagnachmittag insgesamt 68 grüne Kreuze gezimmert. Mittlerweile haben die Nachwuchs-Landwirte sie über den ganzen Landkreis verteilt – auf ihren Feldern nahe viel befahrener Straßen. Es ist ihre Art des Protests. Und jeder soll ihn sehen.

Jungbauern aus dem Landkreis haben 68 grüne Kreuze produziert.

Eines der grünen Kreuze gehört Ferdinand Wenig aus dem Brucker Stadtteil Puch. Sein Hof ist seit vielen Generationen in Familienbesitz. Leben kann der 25-Jährige aber nicht allein von der Landwirtschaft. Sein Geld verdient er als Maschinenbau-Ingenieur. Doch in ihm schlägt noch immer das Herz eines Bauern. Im Nebenerwerb bewirtschaftet Wenig 35 Hektar – ringt dem Boden Weizen, Dinkel, Gerste oder Mais ab. „Es macht einfach Spaß“, sagt der Pucher mit einem Lächeln.

Alleiniger Sündenbock

Wenn der 25-Jährige aber über die momentane Situation der Bauern spricht, verfinstert sich seine Mine. Die vielen Vorschriften, die von oben herab ohne die Landwirte entwickelt würden. Die Debatte über Umwelt-, Klima- und Artenschutz, in der die Landwirte oft als größter und alleiniger Sündenbock dastünden. Oder die fehlende Bereitschaft der Menschen, mehr für Lebensmittel auszugeben: „Der Unmut bei vielen Bauern ist groß“, sagt Ferdinand Wenig.

Der Landwirt hat aber auch bemerkt, dass das Interesse an seiner Arbeit gestiegen ist. Öfter als früher werde er darauf angesprochen. „Ich rede mit jedem gerne und beantworte auch gerne Fragen“, sagt Wenig. Doch es gebe einen großen Unterschied: Während die Menschen auf dem Land häufig Verständnis für die Lage der Bauern hätten, stoße man in der Stadt regelmäßig auf „große Defizite“ beim Wissen über die Landwirtschaft – was nicht selten in leidenschaftliche Debatten münde.

Mehr Miteinander

Ferdinand Wenig hat ein Anliegen. Er wünscht sich wieder mehr Miteinander. Mehr Miteinander von Bauern, Politik, Behörden und natürlich der Bevölkerung. Denn der 25-Jährige hat große Pläne. Er will wieder von der Landwirtschaft leben können. Seine Freundin kommt ebenfalls von einem Bauernhof. Gemeinsam wollen den Betrieb ihren Eltern samt Tierhaltung einmal übernehmen. Doch dafür müsse sich noch einiges ändern. Damit Landwirtschaft wieder Spaß macht.

Auch interessant: Bauern demonstrieren gegen Düngeverordnung

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare