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Eine Russin nimmt den Geschlechterkampf aufs Korn: Liza Kos begeisterte die Zuhörer beim Paulaner Solo und erhielt den Publikumspreis. Die Jury setzte sie nur auf Platz zwei. 

Paulaner Solo in Fürstenfeld

Kabarett-Preis: Jury und Publikum unterschiedlicher Meinung

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Bloemer und Tillack heißen die Sieger des diesjährigen Paulaner Solos. Das Duo aus Westfalen gewann den Kabarett-Preis in der Brucker Stadthalle – sehr zum Erstaunen der gut 600 Zuschauer. Die hatten nämlich eine andere Favoritin: Liza Kos.

FürstenfeldbruckEin deutlich hörbares Murren ging durch den voll besetzten Stadtsaal, als Jürgen Kirner von der Couplet AG den zweiten Platz an Liza Kos vergab. Damit war klar: Sieger des Paulaner Solo sind das Duo Bloemer/Tillack. Die Jury ahnte wohl schon, dass sie damit gegen das Publikum votierte. Denn Kirner sagte: „Das wird jetzt für Unmut im Publikum sorgen, aber wir als Jury halten das aus.“

Wenn man den Gesprächen der Besucher nach der Veranstaltung lauschte, so hätten nicht wenige das Siegerduo nur auf den vierten und letzten Platz gesetzt. Siegerin der Herzen war Liza Kos. Die gebürtige Russin aus Aachen räumte den Publikumspreis ab und strich dafür zusätzliche 1000 Euro ein. Mit ihrer lakonischen Comedy-Show begeisterte sie die Zuschauer deutlich mehr als Bloemer/Tillack.

Bloemer und Tillack

Leicht hatten es die vier Finalteilnehmer – es gingen noch Bumillo aus Rosenheim und Nagelritz aus Bremen an den Start – nicht, wenn man Moderator Christian Springer glauben durfte. Denn die Realität hole das Kabarett oft ein. „Früher haben die Kabarettisten die CSU auf den Mond geschossen, heute macht sie das selbst“, sagte er mit Blick auf das von Markus Söder propagierte Raumfahrtprogramm „Bavaria One“.

Vielleicht lag es auch daran, dass Politkabarett an diesem Abend etwas kurz kam. Der als Matrose verkleidete Nagelritz spann lieber jede Menge Seemannsgarn und interagierte ausgiebig mit dem Publikum. Das war nett anzusehen, ließ aber etwas Mut vermissen. Den brachte Bumillo mit, den auch eine technische Panne nicht aus der Ruhe brachte. Als ein Musikabspielgerät zunächst nicht funktionierte, sagte er trocken: „Wenn’s ned geht, dann is’ kaputt.“ Bumillo bewegte sich mit seiner Gesellschaftskritik oft haarscharf an der Grenze des guten Geschmacks.

Tatsächlich politisierten Bloemer/Tillack noch am meisten. Allerdings verpackten sie ihren Auftritt auch in etwas kindlichen Klamauk und skurrile Nummern, was beim Publikum nicht so zünden wollte wie bei der Jury. Ganz anders bei Liza Kos, die als „perfekt intregierte“ (sic!) Russin lakonisch-trocken Culture-Clash und Geschlechterkampf aufs Korn nahm.

Sehr unterschiedlich seien die Auftritte gewesen, sagte Kirner – keine leichte Aufgabe für die Jury, der neben dem Couplet AG-Frontmann noch Künstleragentin Rosa Wagner, Gaby Hohenberger (Kulturarbeit der Gemeinde Oberschleißheim), Walter Haber (Organisator der Kabaretttage in Ingolstadt) und der Kabarettist Winfried Frey angehörten. „Die Rangfolge fiel sehr eng aus“, so Kirner. Letztlich habe das Gesamtpaket den Ausschlag zugunsten von Bloemer/Tillack gegeben.

Das Duo darf damit in einem Atemzug mit so prominenten Vorgängern wie Django Asül, Eckart von Hirschhausen oder Maxi Schafroth genannt werden und strich für Platz eins 2500 Euro Prämie ein. Liza Kos darf sich neben dem Publikumspreis über weitere 2000 Euro freuen. Bumillo erhielt für Platz drei 1500, Nagelritz als Vierter 1000 Euro.

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