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Kahlschlag im Rothschwaiger Forst: Darum klaffen Löcher in Brucks grüner Lunge

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Auf Kontrollgang: Betriebsleiter Robert Bocksberger steht mit seinem Jagdhund Arthus auf einer Lichtung im Rothschwaiger Forst. Bei der freien Fläche handelt es sich um ein so genanntes Käferloch – der Borkenkäfer hat dort besonders gewütet. © Gehre

Der Rothschwaiger Forst südwestlich von Fürstenfeldbruck ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Aber auch für das Klima in der Großen Kreisstadt ist er unverzichtbar. Doch Trockenheit und der Borkenkäfer machen dem Wald zu schaffen. Deshalb wird er großflächig umgebaut. Ein Wald im Wandel.

Fürstenfeldbruck – Zurück zu den Wurzeln: So könnte man den Plan der Bayerischen Staatsforsten für den Rothschwaiger Forst auf den Punkt bringen. Das gut 700 Hektar große Areal soll wieder so aussehen, wie Mutter Natur es einst geschaffen hat: ein Mischwald mit den unterschiedlichsten Bäumen, widerstandsfähig und gut gerüstet für das, was noch kommt.

Momentan krallen sich aber hauptsächlich die Fundamente von Fichten und Kiefern in die dünne Schicht Lehmboden westlich von Bruck. Noch bilden sie ein Paradies für Spaziergänger, reinigen die Luft für Fürstenfeldbruck, reichern sie mit Sauerstoff an und pumpen an heißen Sommertagen angenehme Frische in die schwitzende Stadt. „Die Brucker können sich freuen, dass sie diesen Wald haben“, sagt Robert Bocksberger. Doch der Diplom-Forstwirt von den Staatsforsten weiß auch, dass das nicht von alleine so bleiben wird.

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Scharfe Grenze: Rechts der Rothschwaiger Forst, links die Kiesgrube. © Gehre

Grund ist der Klimawandel – dieses omnipräsente Phänomen, von dem alle reden, das aber doch irgendwie nicht greifbar ist. „Wir spüren ihn schon seit 30 Jahren“, sagt Bocksberger. Und auch der Wald spürt ihn. Wie tiefe Wunden klaffen überall große Lücken im Rothschwaiger Forst. Die Fachleute nennen sie Käfer-Löcher, weil dort der Borkenkäfer besonders stark gewütet hat. Die fiesen kleinen Schädlinge stehen auf die Wärme und die Trockenheit, die der Klimawandel im Gepäck hat. Fichten und Kiefern mit ihren flachen Wurzeln haben dem aber nicht viel entgegenzusetzen – sie kommen nicht an das begehrte Nass in tieferen Schichten. Faucht dann auch noch der Sturm, dann ist es schnell vorbei mit dem Wald. Und der Borkenkäfer sitzt am gedeckten Tisch – ein Teufelskreis.

Der Wald soll jünger werden

Ihn zu durchbrechen, das ist die Aufgabe von Robert Bocksberger und seinen Kollegen von den Staatsforsten. Der Wald soll jünger werden. Und vielfältiger. Multikulti im Forst sozusagen. Womit sich manche Menschen schwer tun, ist aus Sicht der Forstexperten das Mittel der Wahl, um den Wald fit für die Zukunft zu machen. Deshalb pflanzen der Betriebsleiter und seine Mitarbeiter überall im Wald junge Bäume. Im Schutz stabiler alter Stämme finden sich immer wieder Areale, auf denen dicht gedrängt Laubbäume ihre kleinen Kronen in Richtung Sonne recken. Meist sind es Buchen oder Eichen. Aber auch Linden, Spitzahorne und Speierlinge werden gesetzt. „Die kommen gut mit der Trockenheit zurecht“, sagt Bocksberger.

Momentan pausieren die Neupflanzungen – aus einfachem Grund: Es ist zu trocken. Erst wenn wieder lang anhaltende, flächendeckende Niederschläge niederprasseln, können die Förster loslegen. Solange warten mehrere 1000 kleine Setzlinge auf einem Areal bei Grafrath auf ihren Einsatz.

Bei ihren Pflanzungen haben die Forst-Experten auch den wirtschaftlichen Nutzen des Waldes im Blick. Damit die Bäume dereinst optimal und wirtschaftlich verarbeitet werden können, müssen sie gerade wachsen. Und dazu werden sie wortwörtlich erzogen.

Die Förster pflanzen bis zu 600 Stück auf eine Fläche von 30 Mal 30 Metern. So müssen sie sich in jungen Jahren in die Höhe recken, um die begehrten Lichtstrahlen aufzufangen. Das Resultat sind gerade Stämme. So wie es der Waldbauer mag.

Alt werden ist übrigens nur den wenigsten Bäumen vergönnt. Von den 600 Setzlingen bleiben nur fünf ausgewählte Stämme übrig. Dass die erst drei Förster-Generationen später geerntet werden, stört Bocksberger nicht. „Wir begleiten den Wald nur eine Zeit lang“, sagt er. Begleitung hat der Rothschwaiger Forst vor allem dort nötig, wo die Humus-Schicht besonders dünn ist. Teilweise sind es nur 30 bis 50 Zentimeter. Darunter kommen die Ausläufer der Münchner Schotterebene, in der das so wichtige Wasser schnell versickert.

Radikale Kahlschläge wird es im Rothschwaiger Forst nicht geben. „Wir versuchen, die Fichte, so lange es geht, zu halten“, sagt Bocksberger. Denn die jungen Bäume gedeihen im Schutz der alten Riesen vor Wind und Sonne einfach besser. Als dominierende Art hat die Fichte ausgedient. Als Wächterin für ihre Nachfolger erfüllt sie aber noch eine wichtige Funktion.

Deshalb gibt es so viele Fichten

Fichte und Kiefer dominieren den Rothschwaiger Forst auf rund 700 Hektar. Im Mittelalter reckten dort Buchen, Eichen, Fichten und Kiefern ihre Kronen in den Himmel, erklärt Robert Bocksberger von den Staatsforsten. Ein gesunder Wald, von Mutter Natur bestens an die Gegebenheiten angepasst. Doch dann kam der Mensch. Holz war der wichtigste Rohstoff. Ende des 18. Jahrhunderts war vielerorts nicht mehr viel übrig vom Forst. Mitte des 19. Jahrhunderts erkannten die Menschen, dass es so nicht weitergehen konnte. Es wurde aufgeforstet. Die Wahl fiel auf die Fichte und auf die Kiefer. Die wachsen schnell, waren wirtschaftlich interessant. Damals war das die Zukunft. Heute weiß man es besser. (Tobias Gehre)

Auch interessant: so kündigte das Forstamt die Arbeiten an.

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