Rothschwaiger Lauf

Kaiserwetter lockt wenige Läufer in den Wald

Rund 150 Sportler sind beim Rothschwaiger Waldlauf an den Start gegangen. Bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen haben sie Strecken zwischen sechs und 21 Kilometern bezwungen.

Fürstenfeldbruck – Sie hatten noch einhundertfünfzig Meter vor sich: der Brucker Richard Mühlwitz und Jürgen Ostermaier aus Mittelstetten. Zuvor waren sie gemeinsam fast acht von den insgesamt zehn Kilometern durch den Rothschwaiger Forst geeilt – mit einem Tempo von rund vier Minuten pro Kilometer. Dann zog Mühlwitz zu einem Schlusssprint an, Ostermaier wehrte sich – doch vergebens. Der Brucker hatte schließlich ganz knapp die Nase vorne. Eine Minute später lagen sie sich lachend in den Armen.

Wohlgemerkt: Bei den beiden ging es nicht um den Sieg, sie stritten sich um die Plätze fünf und sechs. Ihr Duell war jedoch typisch für eine Sportveranstaltung wie den Rothschwaiger Waldlauf: Viele Teilnehmer wollen ihre eigenen Grenzen ausloten und, wenn möglich, eine persönliche Bestleistung erzielen. Was dabei besonders anspornt, ist ein Zweikampf wie zwischen dem Brucker Mühlwitz und seinem Konkurrenten aus Mittelstetten.

Rekorde motivieren aber nicht nur zusätzlich. Wer eine persönliche Bestzeit läuft, hat Chancen, bei großen Wettkämpfen wie dem Berlin-Marathon starten zu dürfen. „Wir haben alle Strecken vom Deutschen Leichtathletik-Verband neu vermessen lassen, damit sind sie offiziell Bestzeiten-fähig“, sagt Armin Falkenburger, der neue Leiter der Leichtathletik-Abteilung des Brucker TuS.

Viele Teilnehmer haben bereits vor dem Start des Waldlaufs eine genaue Zielzeit vor Augen. Der Emmeringer Swen Gasch etwa wollte „unter einer Stunde bleiben“ und die in Bruck lebende Spanierin Miriam Yelamos wollte die zehn Kilometer in 55 Minuten schaffen. Hinterher waren beide überglücklich: Gasch, weil er gute fünf Minuten schneller als erhofft war, Yelamos, weil sie ihr Soll ziemlich genau erfüllt hatte.

Sylvia Kieschnick (30:02 Minuten), Martina Tippmann (30:13) und Bettina Schünke (30:30) waren die schnellsten Läuferinnen über sechs Kilometer. Das Rennen war für sie aber praktisch ein Heimspiel, denn sie laufen diese Distanz mehrmals in der Woche. Das Trio ging für ein Maisacher Unternehmen auf die Strecke.

Der Brucker Ernst-Michael Heß war mit seinen 83 Jahren der älteste Teilnehmer. Beim Waldlauf hat er zum ersten Mal mitgemacht – ebenso wie Melanie Khoshmashrab, die den „wunderschönen Parcours durch den Wald“ lobte. Die Vielläuferin, die viermal pro Woche trainiert, war vor einer Woche beim Olchinger Frühlingslauf mitgerannt und vor zwei Wochen hat sie den Gröbenzeller Halbmarathon bewältigt.

Besonders auffällig: die hohe Politikerdichte beim diesjährigen Wettbewerb. Angeführt vom amtierenden Bürgermeister Erich Raff und seiner Stellvertreterin Karin Geißler tummelten sich rund ein halbes Dutzend Kommunalpolitiker auf der Strecke.

Bilder: Rothschwaiger Waldlauf 2017

Den Hauptlauf über zehn Kilometer hat übrigens Fabian Schaffert (TriTeam FFB) in 37:40 Minuten gewonnen. Noch auf den letzten Metern hatte er sich mit dem Eritreer Habke Kesele einen erbitterten Kampf geliefert.

Richard Mühlwitz und Jürgen Ostermaier hatten gehofft, die 40-Minuten-Marke zu knacken – was beiden zwar um 23 Sekunden misslungen ist, ihrer guten Laune aber keinen Abbruch tat.

von Horst Kramer

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