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In jede Ritze sprühte der Schädlingsbekämpfer das Gas

Bewohner evakuiert

Kakerlaken-Alarm im Flüchtlingsheim

Fürstenfeldbruck - Kakerlaken im Flüchtlingsheim: In der Unterkunft in der Hasenheide rückte am Donnerstag ein Schädlingsbekämpfer an. 131 Bewohner mussten einen Tag lang das Gebäude verlassen. Acht Familien mit kleinen Kindern sogar noch länger.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Probleme mit Ungeziefer in den Unterkünften gibt. In den Containern am Hardtanger musste schon einmal ein Schädlingsbekämpfer anrücken. Nun hat es das Gebäude daneben erwischt. 131 Bewohner leben dort. Zum Teil sind sie aus den Containern hierher umgezogen – und genau das ist das Problem.

„Die Menschen nehmen ihre Sachen mit“, sagt Objektleiter Steffen Beckschulte. Unter dem Hab und Gut befinden sich zum Beispiel auch Kühlschränke, die die Flüchtlinge als Erstausstattung bekommen. Gerade in den Ritzen auf der Rückseite der Geräte würden sich aber oft Kakerlaken einnisten. „Und so kommen sie dann ins Haus.“

Dass es überhaupt zu dem starken Befall kommen konnte, liegt laut Beckschulte daran, dass die Bewohner nicht an die deutschen Hygienestandards gewöhnt sind. „Da werden Lebensmittel oder nicht aufgegessenes Essen einfach auf dem Boden gelagert.“ Das sei freilich ein Paradies für die Schädlinge. Der Befall im Gebäude überstieg zuletzt sogar den in den Containern.

Um der Kakerlakenplage Herr zu werden, setzte ein Schädlingsbekämpfer am Freitagvormittag Gas ein. Sechs bis acht Stunden muss das Mittel einwirken. Danach baut es sich von selbst wieder ab. „Es ist ein spezielles Gas, das für Krankenhäuser, Heime und Großunterkünfte im allgemeinen entwickelt wurde“, erklärt Beckschulte. Dennoch ist die Chemie beim Einatmen nicht gesund. Das Gebäude wurde deshalb abgesperrt, keiner durfte rein. Die Bewohner mussten in der Zwischenzeit woanders untergebracht werden.

THW stellt Zelte auf

Das benachbarte Technische Hilfswerk (THW) half dabei aus, wie Beckschulte berichtet. „Beim THW wurden zwei Zelte und mehrere Bierbankgarnituren aufgestellt, wo sich die Bewohner aufhalten können.“ Ein Catering-Unternehmen sorgte dafür, dass die Menschen Frühstück und Mittagessen bekamen. Alle 131 Bewohner mussten aber nicht versorgt werden. „Einige gehen zur Arbeit oder in die Schule“, sagt der Objektleiter.

Dennoch war die Betriebsamkeit rund um die Unterkünfte groß. Viel von ihrem Hab und Gut mitnehmen durften die Bewohner nicht. Die Gefahr, dass in Taschen gekrochene Kakerlaken mit rausgetragen worden wären, war zu groß. „Es bringt ja nichts, die Schädlinge zu bekämpfen, wenn man sie anschließend dann wieder mit reinbringt“, sagt Beckschulte. Die Anweisung lautete deshalb, nur das Nötigste einzupacken – „also hauptsächlich die Sachen, die die Menschen am Leib tragen.“

Rückstände mit Tüchern entfernen

Acht Stunden nach Einsatz des Gases konnten die Bewohner ihre Zimmer dann wieder betreten. Letzte Rückstände des Mittels von Oberflächen und Boden entfernten sie gemeinsam mit Mitgliedern des Helferkreises mithilfe von feuchten Tüchern. Alle vorhandenen Lebensmittel mussten entsorgt werden.

Acht Familien müssen indessen noch länger warten, ehe sie wieder zurück dürfen. „Es wird empfohlen, dass Kinder unter drei Jahren erst drei Tage nach Einsatz des Mittels wieder einziehen“, sagt Beckschulte. Ein Risiko wolle man nicht eingehen, weshalb man sich an diese Empfehlung halte. Die betroffenen Flüchtlinge mit jungen Kindern bleiben deshalb so lange in den benachbarten Containern. „Eine Familie haben wir außerdem in einem Hotel untergebracht.“

Die Kakerlaken in den Containern werden erst später bekämpft – aus Kapazitätsgründen, wie Beckschulte sagt. Man hätte nicht die dort lebenden 78 Bewohner auch noch anderweitig versorgen können. „Wir werden uns demnächst mit dem Landratsamt zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen“, sagt der Objektleiter.

Dass in der Zwischenzeit auch wieder Kakerlaken aus den Containern ins Haus gelangen können, dessen ist man sich bei den Verantwortlichen bewusst. Beckschulte gibt sich aber ohnehin nicht der Illusion hin, dass man die Schädlinge komplett los wird: „Es geht nur darum, die Population so weit einzudämmen, dass uns nicht gleich was Schwarzes entgegen wuselt, wenn wir einen Schrank aufmachen.“

Andreas Daschner

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