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Warten auf Arbeit: Derzeit kümmert sich das Jobcenter um 1124 Arbeitssuchende im Alter zwischen 15 und 25 Jahren.

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Der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit

Zwar ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt derzeit außergewöhnlich gut. Jedoch haben viele junge Menschen im Landkreis keinen Job oder keine Lehrstelle. Gerade sozial schwachen Jugendlichen will nun das Jobcenter unter die Arme greifen.

FürstenfeldbruckNur ein Prozent der Bürger im Landkreis Fürstenfeldbruck sind im Moment arbeitslos – das bedeutet Vollbeschäftigung. Dennoch treibt es Claudia Baubkus, der Leiterin des Brucker Jobcenters, Sorgenfalten auf die Stirn. Denn auf dem Ausbildungsmarkt klafft eine Lücke.

Ihre Mitarbeiter kümmern sich derzeit um 1124 Arbeitssuchende zwischen 15 und 25 Jahren. Die Schulabgänger würden sich nicht gleichmäßig auf die freien Lehrstellen bewerben, sagte sie bei der vierten Jugendkonferenz des Jobcenters, bei der auch Vertreter von Arbeitsagentur, Jugendamt, Sozialamt sowie von Berufsschule und Schulamt dabei waren. Hoch im Kurs stünde bei den Jugendlichen etwa der Beruf des Fitnesskaufmanns. Kaum Beachtung findet laut Baubkus hingegen das Handwerk.

Deutlich wird diese Ungleichverteilung an den Zahlen für 2016: 1082 Jugendliche haben sich auf 958 Lehrstellen beworben. Das sei im Grunde eine gute Quote, sagt die Leiterin des Jobcenters. Allerdings wurden lediglich 375 neue Ausbildungsverträge geschlossen – der Großteil in kaufmänischen Berufen, nur ein Drittel im Handwerk.

Damit blieben vergangenes Jahr gut 580 Lehrstellen unbesetzt – ein großes Problem für die Betriebe in der Region. Es müssten Strategien gefunden werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sagte Claudia Baubkus bei der Jugendkonferenz. Gerade Kindern aus sozial schwachen oder Flüchtlingsfamilien müsse beim Übergang vom Schul- ins Berufsleben geholfen werden. Denn eine fundierte Schulbildung und ein Ausbildungsabschluss seien die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft.

Viele der Jugendlichen, die das Jobcenter bei der Suche nach einem Beruf unterstützt, haben eines gemeinsam: Bereits ihre Eltern sind arbeitslos. Entsprechend gering sei der Ansporn der Jugendlichen, in die Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen, sagte Claudia Baubkus. „Für einen jungen Menschen ist es schwer sich zu motivieren, wenn einem in der eigenen Familie vorgelebt wird, dass man nicht arbeiten muss, um Geld zu bekommen.“

Um solche „Hartz-IV-Karrieren“ zu vermeiden, sollen die Wege zwischen Schulen und Ämtern vereinfacht und verkürzt werden. „Jugendliche sollen nicht von Amt zu Amt laufen müssen, sondern sie stehen in der Mitte, und wir kümmern uns um sie“, so Baubkus. Zudem sollen potenzielle Ausbilder dafür sensibilisiert werden, jungen Erwachsenen eine Chance zu geben.

Geholfen werden soll zum Beispiel Alleinerziehenden. Sie sollen Finanzhilfen bekommen. „Wohnen im Landkreis ist sehr teuer und das können sie sich trotz Arbeit kaum leisten“, sagt Baubkus. Unterstützung bekommen sollen zum anderen auch Kinder von Asylbewerbern, die eine gute Aussicht auf ein Bleiberecht haben oder deren Antrag schon genehmigt wurde. In der Regel dauert es vier bis acht Jahre, bis diese Jugendlichen voll integriert sind, sagte Baubkus. Migrantenkinder sollen nicht in eine Negativspirale abrutschen und zu einer Generation ungelernter Arbeiter heranwachsen, so die Chefin des Jobcenters. Was Deutschland brauche, seien gut ausgebildete Fachkräfte. Baubkus glaubt: „Diese jungen Menschen brauchen Erfolgserlebnisse, denn ein Erfolg zieht oft den nächsten nach sich.“ (Tom Eldersch)

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