Selbstportrait: Karl Trautmann galt als bescheidener Mann, der zum Leben weder viel brauchte noch hatte.
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Selbstportrait: Karl Trautmann galt als bescheidener Mann, der zum Leben weder viel brauchte noch hatte.

Brucker Straßenamen

Brucks armer Bildchronist

  • Ingrid Zeilinger
    VonIngrid Zeilinger
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Er gilt als erster Bild-Chronist der Stadt. Karl Trautmann hat Fürstenfeldbruck in zahlreichen Ansichten festgehalten. Dabei hätte der Maler sein Talent fast nicht ausleben dürfen. Möglich machte das erst eine Mäzenin, deren Liebe zur Kunst in einer Stiftung mündete.

Fürstenfeldbruck – Karl Trautmann hatte ein Talent zum Malen. Doch ohne die Unterstützung aus dem Hause Kester-Haeusler hätte er seine Begabung nie ausleben können. Denn sein Vater, ein Mechaniker, konnte Trautmann, der am 6. Juni 1901 in Nürnberg das Licht der Welt erblickte, keine künstlerische Ausbildung ermöglichen. Also begann der Filius eine Malerlehre und konnte dank eines Stipendiums ein Semester an der Nürnberger Kunstgewerbeschule und für ein Semester am Pendant in München studieren.

Doch es fehlte das Geld, und Trautmann musste sich nach einer Arbeit umschauen. Er fand eine Anstellung bei einem Brucker Malermeister, wo er seine Gesellenprüfung machte. Wie es der Zufall wollte, begegnete er im Alter von 23 Jahren in Bruck der kunstbegeisterten Nelly Ashton. Die Engländerin war die Tante der Schwestern Mirjam und Gabriele Haeusler. Und sie war von Trautmann begeistert. Also finanzierte sie ihm das lange ersehnte Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München – unter anderem bei Franz von Stuck und Adolf Schinnerer. Es war der Beginn des Mäzenatentums der Familie.

Nach dem Studium ließ sich Trautmann als freier Grafiker und Maler in Fürstenfeldbruck nieder. Er lebte in der Dachauer Straße – ganz in der Nähe der Haeusler-Villa. Die Haeusler-Schwestern bezahlten ihm auch die Wohnung, die nach seinen eigenen Ideen konzipiert war, berichtet Volker Thieler, Vorstandsvorsitzender der Kester-Haeusler-Stiftung. Er selbst war einmal in der Woche bei den Haeusler-Schwestern zu Gast und lernte so auch Karl Trautmann kennen. „Er war ein sehr bescheidener Mann, hat finanziell nicht viel gehabt.“ Die Schwestern hätten sich um ihn gekümmert. „Gabriele brachte ihm viel zu essen.“

Gemeinsam mit den Haeusler-Schwestern unternahm Karl Trautmann viele Reisen in den Alpenraum und nach Südeuropa. Skizzen, die er dort fertigte, setzte er später in Zeichnungen und Gemälden um. „Wir sind oft auf der Veranda gesessen und haben über Kunst gesprochen“, erinnert sich Volker Thieler. Dabei habe er auch viel von seinen Reisen erzählt.

Durch die finanzielle Unterstützung hatte Trautmann Zeit für sein künstlerisches Wirken, das sich dem Impressionismus und dem Naturalismus zuordnen lässt. Trautmann spezialisierte sich auf Stadtansichten von Fürstenfeldbruck – er galt als erster Bildchronist der Stadt – und auf Interieurbilder, sprich Innenansichten von eingerichteten Privaträumen. Besonders seine neue Wahl-Heimat hatte es ihm als Motiv angetan. Kirchen, Gebäude und Straßenzüge malte er aus immer neuen Perspektiven. So dokumentierte er auch die Entwicklung Fürstenfeldbrucks.

Karl Trautmann war Gründungsmitglied der „Künstlervereinigung Bruck bei München“, die 1924 ins Leben gerufen wurde. Bei Weihnachtsausstellungen zeigte der Maler seine Werke. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Gruppe als Fürstenfeldbrucker Künstlervereinigung weiter, Trautmann war von 1961 bis 1976 Vorsitzender und danach bis zu seinem Tod 1978 Ehrenvorsitzender.

Mirjam und Gabriele Haeusler waren seit den 1950er-Jahren passive Mitglieder der Künstlervereinigung. „Es war der Wunsch der Damen, den Gedanken an Karl Trautmann aufrecht zu halten“, berichtet Volker Thieler. Daher gründeten sie die Kester-Haeusler-Stiftung und setzten ihn als Vorstandsvorsitzenden ein. In ihrem Testament verfügten die Schwestern, dass Trautmanns Gemälde in der Haeusler-Villa ausgestellt werden.

Anlässlich des 110. Geburtstags des Künstlers wurde der Karl-Trautmann-Kunstpreis unter dem Motto „Lebensräume“ ausgelobt. Denn gerade die Lebensräume – ob als Stadt oder als Wohnraum – faszinierten ihn besonders. Zudem haben die Brucker ihren Bildchronisten nicht vergessen und ihm eine Querstraße zur Dachauer Straße gewidmet.

Brucker Straßenamen: Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden diese Persönlichkeiten vorgestellt. Hier finden einen der anderen Artikel der Serie.

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