Patrick Geng vom gleichnamigen Autohaus in Puchheim-Ort zeigt auf den Katalysator eines Autos. Bei ihm kamen bisher zum Glück keine Katalysatoren abhanden.  Foto: gehre
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Patrick Geng vom gleichnamigen Autohaus in Puchheim-Ort zeigt auf den Katalysator eines Autos. Bei ihm kamen bisher zum Glück keine Katalysatoren abhanden.

Metalle

Katalysatoren als begehrte Diebes-Beute

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Unter jedem Auto ein kleiner Schatz: Im Katalysator stecken Metalle, wertvoller als Gold. Das haben auch Ganoven herausgefunden – und flexen die kostbaren Teile mit ungeahnter Dreistigkeit einfach ab. Besonders oft zu Tatorten werden Parkplätze an Bahnhöfen. Auch Autohändler sind betroffen.

VON TOBIAS GEHRE

Landkreis – Ein Auto soll nicht brummen. Doch genau das tat es, als Sadettin Yalcin Mitte November einen seiner Wagen anließ. Der Gebrauchtwagenhändler aus Fürstenfeldbruck sah unter dem Wagen nach – und traute seinen Augen kaum. Dort, wo normalerweise der Katalysator hängt, herrschte gähnende Leere. Das Gerät zur Abgasreinigung war einfach abgeflext worden. Yalcin hatte eine böse Vorahnung. Und die sollte sich bestätigen. Auch an neun anderen Fahrzeugen auf seinem Platz fehlten die Katalysatoren. „So etwas hatten wir noch nie“, sagt der Autohändler. Den Schaden schätzen er und sein Sohn auf mehrere 1000 Euro.

Eine ähnlich böse Überraschung erlebten in den vergangenen Wochen zahlreiche Pendler, die ihre Autos an S-Bahnhöfen abgestellt hatten. Schöngeising, Grafrath, Türkenfeld, Geltendorf: Die Täter arbeiteten sich offenbar entlang der S 4 Richtung Westen vor. Auch aus Maisach sowie dem Landkreis Landsberg gab es entsprechende Meldungen. Die Ganoven gehen dabei äußerst dreist vor. Sie legen sich am helllichten Tag unter die Autos und flexen seelenruhig ihre Beute aus der Abgasanlage.

Oliver Erhardt, Sprecher der Brucker Polizei, vermutet organisierte Banden hinter den Taten. Diese seien in ganz Deutschland aktiv. Die Täter haben es laut Erhardt offenbar auf ältere Fahrzeug-Modelle abgesehen. Um unter die Autos zu kommen, würden die Täter wahrscheinlich Wagenheber benutzen. Die anderen abgestellten Autos dienten als Sichtschutz.

Doch warum haben es die Banden ausgerechnet auf Katalysatoren abgesehen? In den Geräten stecken wertvolle Metalle – vor allem Platin, Palladium und Rhodium. Diese haben in den vergangenen Jahren massiv an Wert zugelegt. Rhodium etwa kostete früher etwa 50 Euro pro Gramm – jetzt sind es 400.

Oliver Krestin, Geschäftsführer des Aschaffenburger Unternehmens Hensel Recycling, kennt die Masche nur zu gut. Seine Firma hat sich unter anderem darauf spezialisiert, die Edelmetalle aus den Katalysatoren zurück zu gewinnen. Krestin weiß: An den wertvollen Inhalt kommen die Banden nicht direkt heran. „Um an die Metalle zu gelangen, benötigt man aufwendige Schmelzverfahren, gefolgt von chemischen Aufschlüssen.“ Das könnten nur spezialisierte Unternehmen.

Die Kriminellen würden ihre erbeuteten Katalysatoren im Ganzen weiter verkaufen. Es gebe einen „munteren Handel“ im Internet – etwa auf Ebay. „Hier wird offiziell gegen so viele Vorschriften verstoßen, aber es gibt wohl wenig Interesse daran, das zu unterbinden“, so Krestin. Katalysatoren seien als gefährlicher Abfall eingestuft. Der Recycling-Experte fordert von den Behörden, die so genannten Stoff-Ströme besser zu kontrollieren.

Weil der Handel mit den Katalysatoren so lukrativ ist, werden die Sicherheitsvorkehrungen auch bei vielen Recycling-Unternehmen verschärft, berichtet der Geschäftsführer. „Hohe Werte locken nun mal Kriminelle an.“

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