Test mit schwerem Gerät: Florian Heininger (l.) und Matthias Schedlbauer prüfen mit einer Bohrmaschine die Dicke des Eises am Pucher Meer.
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Test mit schwerem Gerät: Florian Heininger (l.) und Matthias Schedlbauer prüfen mit einer Bohrmaschine die Dicke des Eises am Pucher Meer.

Gefrorene Seen

Keine Freigabe durch die Kommunen: Eis-Gaudi nur auf eigene Gefahr

Die meisten Seen im Landkreis sind von Eis bedeckt. Doch trägt das Eis bereits? Auf eine Antwort von offizieller Seite wartet man vergebens.

Landkreis – Eine Bohrmaschine und ein Merkblatt sind die wichtigsten Hilfsmittel der Wasserwacht, wenn es um die Beurteilung der Eisdecke geht. Der Bohrer treibt ein Loch ins Eis, das Merkblatt gibt anhand von Dicke und Beschaffenheit Hinweise auf die Tragfähigkeit. Doch die Ergebnisse ihrer Messungen gibt die Wasserwacht nicht weiter. Die Helfer fürchten, dass sich dadurch mehr Menschen in potenzielle Gefahr begeben. „Außerdem wären wir dann eventuell vor Gericht haftbar, falls etwas geschieht“, erklärt Ralph Westenrieder, Vorsitzender der Kreis-Wasserwacht.

Zuständig dafür wären ohnehin die Kommunen. Doch auch die halten sich dabei zurück, Seen freizugeben. „Der Germeringer See wird nicht freigegeben, das Betreten ist immer auf eigene Gefahr“, sagt Jochen Franz, stellvertretender Leiter des Amtes für Verwaltung und Recht der Stadt Germering. Es sei zu aufwendig, die Tragfähigkeit zu überprüfen, und Haftungsfragen seien ebenfalls ein Problem. „Außerdem ist der Germeringer See sowieso nur sehr selten tragfähig“, so Franz.

„Keine offiziellen Schlittschuhflächen, sondern Badeseen“

Auch Florian Wiesent, Leiter des Ordnungsamtes in Maisach, macht keine Aussagen dazu, ob das Eis sicher ist. „Das sind keine offiziellen Schlittschuhflächen, sondern Badeseen“, sagt er. Ebenso sieht es der für den Olchinger See zuständige Landschaftsplaner Thomas Neubert. „Da muss jeder selber gucken, und im Zweifel eben nicht drauf gehen“, meint er. Die nötigen Kontrollen würden ansonsten ein Personalaufgebot erfordern, dass die Stadt nicht leisten könne. In der Stadt Fürstenfeldbruck erfolgt das Betreten des Pucher Meeres ebenfalls immer auf eigene Gefahr. Dies sei am See so ausgeschildert und gelte auch allgemein für andere öffentlich zugängliche Seen, erklärt Sprecherin Susanna Reichlmaier.

Markus Pree, Geschäftsleiter der Gemeinde Emmering, weist außerdem auch auf die aktuelle Corona-Pandemie hin. „Wir möchten größere Menschenansammlungen nicht befürworten“, sagt er. Diese befürchtet er am Emmeringer See, wenn dort eine tragfähige Eisschicht wäre.

Viele Faktoren beeinflussen die Tragfähigkeit des Eises

Neben der Haftung und der Einhaltung der Corona-Regeln ist eine mögliche Freigabe des Eises auch aus ganz praktischen Gründen problematisch. „Man kann pauschal nicht einfach sagen, wann eine Eisdecke trägt“, Wasserwacht-Chef Ralph Westenrieder. Denn das hänge neben den Temperaturen auch von vielen anderen Faktoren ab. „Sehr wichtig ist, was unter dem Eis ist. Fließendes Wasser und Quellen können das Eis an einzelnen Stellen deutlich dünner machen“, so der 52-Jährige.

Die Feuerwehr Unterpfaffenhofen übte die Eisrettung im Germeringer See.

Besonders bei der Rettung von bereits im Eis eingebrochener Menschen rät Westenrieder zur Vorsicht. „Der deutlichste Hinweis, dass eine Eisdecke nicht trägt, ist, wenn bereits einer drin liegt.“

Wer unbedingt aufs Eis will, muss also selbst einschätzen, wie gefährlich das Betreten ist. „Man kann einen Akkuschrauber mitnehmen und ein Loch bohren, um zu schauen, wie dick das Eis ist“, sagt Ralph Westenrieder. Außerdem solle man am Rand über flacherem Wasser bleiben, wo man im Falle des Falles auf dem Boden des Sees stehen könne. „Und im Zweifel das Eis lieber gar nicht betreten.“

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