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Kette der helfenden Hände: Diese Liebe besiegt das Unglück

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Von: Ulrike Osman

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Die Leser der Heimatzeitung unterstützen jedes Jahr hilfsbedürftige Menschen. Heute geht es um einen besonders tragischen Fall. Nach einem Arbeitsunfall kämpft sich Giovanni ins Leben zurück – für Katharina und ihr ungeborenes Kind.

Fürstenfeldbruck –  Der Anblick eines Müllautos, oder das Knattern eines Hubschraubers reichen schon, damit Katharina H. zu zittern beginnt. Wie damals, vor drei Monaten, als vom Handy ihres Mannes ein Anruf kam und die 34-Jährige ahnungslos den Hörer abhob. Am anderen Ende war nicht ihr Giovanni, sondern sein Arbeitskollege. Er stammelte etwas von einem schweren Unfall. Und davon, dass ihr Mann mit dem Hubschrauber in die Unfallklinik nach Murnau geflogen werde. Dort ist er noch immer.

Giovanni ist Müllmann. Es war für ihn ein ganz normaler Arbeitstag auf seiner Tour in Mammendorf. Ob er beim Aufspringen auf das Fahrzeug abrutschte, oder wie es sonst passierte, weiß er nicht. An die Momente vor dem Unfall hat er keine Erinnerung mehr. Sicher ist, dass er stürzte, unter den 20 Tonnen schweren Lastwagen geriet und überrollt wurde.

Dass die Ärzte seine Beine nicht sofort amputierten, verdankt der 39-Jährige nur der Tatsache, dass sich in einem Fuß noch Reflexe feststellen ließen. Giovanni wurde ins künstliche Koma versetzt und sechs Stunden lang operiert. „Mein Mann scheint ein Kämpfer zu sein“, sagt Katharina und lächelt traurig. Inzwischen hat er zehn Operationen hinter sich, viele weitere werden noch folgen. Die Chancen, dass der 39-Jährige eines Tages wieder gehen kann, stehen zwar gut – doch bis es so weit ist, können noch Jahre vergehen.

Er weiß, warum er kämpft

Giovanni weiß, warum er kämpft. Bald wird er zum ersten Mal Vater – Katharina ist im siebten Monat schwanger. „Es ist ein pumperlgsunder kleiner Bub“, sagt die 34-Jährige und streicht über ihren Bauch. Dass es durch den Schock und die Ängste der Mama nicht zu einer Fehlgeburt kam und das Baby offensichtlich keinen Schaden genommen hat, ist für die ganze Familie Ansporn, trotz alledem positiv in die Zukunft zu blicken.

Das Kinderbettchen und der Wickeltisch stehen schon bereit. Eigentlich wollten Giovanni und sein Schwiegervater das Kinderzimmer zusammen herrichten. Nun hat Erich H. die Möbel allein aufgebaut. Auch die vielen schönen Momente ihrer Schwangerschaft kann Katharina H. nur per Whatsapp mit ihrem Mann teilen. „Ich schicke ihm jeden Tag Fotos von meinem Bauch.“ Die werdende Oma Susanne filmt die Ultraschalluntersuchungen für ihren Schwiegersohn. „Wir hoffen, dass er dann im Rollstuhl bei der Geburt dabei sein kann.“

Die Familie plagt die Existenzangst

Jedes Wochenende fahren die H.’s nach Murnau. Manchmal finden sie Giovanni voller Zuversicht vor. „Dann hat er Rosinen im Kopf und redet davon, dass er Weihnachten nach Hause kommt“, erzählt Katharina. Doch daran ist nicht zu denken. An anderen Tagen ist ihr Mann verzweifelt und mutlos. Dann versucht sie ihn aufzumuntern, so gut es geht. Neben den Schmerzen und dem zermürbend langwierigen Krankenhausaufenthalt, neben der Unsicherheit, wann er ansatzweise wieder gesund sein wird, plagt den 39-Jährigen die Existenzangst.

Die Berufsgenossenschaft zahlt einen Teil seines geringen Grundlohns, mehr Einkünfte hat er derzeit nicht. Und wenn das Baby kommt, fällt auch Katharinas Sekretärinnen-Gehalt vorerst weg. Ob später Hilfsmittel und zusätzliche Therapien gezahlt werden müssen, ist offen. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sagt die 34-Jährige.

Die Kette möchte die Sorgen lindern

Die Kette der helfenden Hände möchte dem jungen Ehepaar wenigstens die materiellen Sorgen etwas nehmen – zumal den beiden womöglich auch noch ein Umzug bevorsteht. Denn das Mietshaus, in dem sie im zweiten Stock wohnen, hat keinen Aufzug. Wie Giovanni später die Treppen hochkommen soll, daran mag im Moment noch niemand denken. Eine Erdgeschosswohnung zu finden, die ähnlich günstig ist wie das derzeitige Zuhause des Paares – das wird noch eine eigene Herausforderung.

Ob Giovanni irgendwann wieder arbeiten kann, steht in den Sternen. Dass er je wieder als Müllmann auf Tour geht, ist nicht nur wegen der zu erwartenden Bewegungseinschränkungen unwahrscheinlich. „Das wird er seelisch nicht schaffen“, befürchtet Katharina H.. Denn auch wenn die ganze Familie tapfer nach vorne schaut – „verarbeitet haben wir den Unfall alle noch nicht.“

Großherzige Trachtenfreunde: 

Als das Team der Trachtengalerie Mammendorf von Giovannis Unfall erfährt, wird eine Spendenaktion los getreten. Die Angestellten plündern die Trinkgeldkasse, Kunden geben Geld. Nach vier Wochen ist die sagenhafte Summe von 6700 Euro zusammengekommen. Eine Trachten-Grundausstattung für das ungeborene Baby gab’s obendrauf. Das Geld ist der Familie eine große Hilfe, wird aber nicht reichen. Deshalb sammelt auch das Tagblatt.

So funktioniert die Kette der helfenden Hände

Die Spendenaktion "Kette der helfenden Hände" des Fürstenfeldbrucker Tagblatts kämpft gegen die Not vor der eigenen Haustür. Und so funktioniert's.

Mit den Spendengeldern werden Bedürftige im Landkreis Fürstenfeldbruck unterstützt. Im vergangenen Jahr waren es über 80 Einzelschicksale, die die Heimatzeitung dank der Hilfsbereitschaft ihrer Leser etwas erträglicher machen konnte. Es kamen rund 130 000 Euro zusammen.

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Neben der finanziellen Unterstützung soll die Aktion den Menschen am Rande der Gesellschaft auch zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Bei der Kette der helfenden Hände arbeitet das Tagblatt mit den sozialen Organisationen in der Region und mit den Asylhelferkreisen zusammen. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter dieser Organisationen wissen am besten, wo das Geld am dringendsten gebraucht wird.

Das kann die Seniorin sein, deren Mini-Rente nicht einmal ausreicht, um sich einmal einen Friseurbesuch zu leisten, die junge Familie, deren schmale Haushaltskasse nicht ausreicht, um die kaputte Waschmaschine zu ersetzen, oder der chronisch Kranke, der zur Milderung seiner Leiden Medikamente braucht, die die Kassen nicht bezahlen. Die Kontonummer

Die Konten sind unter dem Stichwort „Kette der helfenden Hände“ ab sofort geöffnet.

Sparkasse Fürstenfeldbruck

IBAN: DE23700530700008128126

BIC: BYLADEM1FFB

VR-Bank Fürstenfeldbruck

IBAN: DE93701633700000037788

BIC: GENODEF1FFB

Spenden sind abzugsfähig. Ab einem Betrag von 200 Euro kann eine Spendenquittung ausgestellt werden. Bitte geben Sie an, wenn dies erforderlich ist (mit lesbarer Adresse auf dem Überweisungsträger).

Die Namen aller Spender werden - falls nicht anders gewünscht - in der Printausgabe des Brucker Tagblattes veröffentlicht.

Bei Großspenden, etwa von Firmen oder Vereinen, sind Veröffentlichungen mit Foto möglich.

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