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Das Steinzeit-Spiel im großen Format kann im Museum in Fürstenfeldbruck in der Sonderausstellung gespielt werden

Gernlinden

Kinder erfinden Steinzeit-Spiel

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Etwa 8000 Jahre alt ist der Obsidian, der von einer griechischen Insel aus den Weg bis in den Landkreis gefunden hat. Rund um den Stein, der ab sofort im Museum Fürstenfeldbruck zu sehen ist, haben Kinder ein Gesellschaftsspiel entwickelt – passend zum Thema „Unterwegs“, dem Motto der Kreiskulturtage.

Gernlinden/FürstenfeldbruckDen Obsidian hat die Fürstenfeldbruckerin Monika Störmann Mitte der 1990er-Jahre bei einer Feldbegehung in der Nähe des Moorenweiser Ortsteils Purk gefunden. Mit anderen kleinen Steinen, die den Menschen der mittleren Steinzeit (Mesolithikum) als Werkzeuge dienten. Vielleicht war dort ein Jagdlager. Jedenfalls gehören die Funde aus Purk in den Haspelmoorer Komplex der Silices (Abschläge und Geräte aus Feuerstein, die als Werkzeuge, Waffen oder zum Funkenerzeugen dienten). Deshalb ist das Ziel der Reise des Steins – und das Ziel des Gesellschaftsspiels – das Haspelmoor. Wer zuerst dort ist, hat gewonnen.

Etwa 8000 Jahre alt

Doch die Reise ist weit. Denn der Obsidian – genau genommen kein Stein, sondern vulkanisches Glas – kommt von der Insel Milos, die südlich der Peloponnes liegt. Dort gibt es mehrere Vulkane. Aus Lava ist das Glas entstanden, eines der härtesten und schärfsten Materialien, die es gibt. Robert Graf, der die Funde aus dem Haspelmoor in seiner Dissertation ausgewertet hat, tippte zunächst auf die Karpaten als Herkunftsort. Doch Chemiker lieferten dann eine andere Antwort: Milos. Sehr viel früher war klar, dass das Stück etwa 8000 Jahre alt ist.

Gesellschaftsspiel war die Idee

Mit dem Obsidian und seiner spannenden Geschichte ist Anna Ulrike Bergheim, Vorsitzende des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck, in den Hort in Gernlinden gegangen. Ihre Idee war, mit Kindern ein Gesellschaftsspiel rund um das besondere Fundstück zu entwickeln. Von Oktober bis Weihnachten haben Edith Kaiser (9), Daniel Schneider, Nils Gräbe, Lorenz Sedlmeier (alle 10) und Fratashia Fareed (12) mit Bergheim und Hortleiterin Sabine Neumann jeden Freitagnachmittag an dem Spiel getüftelt. „Wir haben überlegt, wie der Stein hierher gekommen ist“, erzählt Daniel. Es wurde über verschiedene Reisestrecken – entlang der Donauroute oder entlang der Mittelmeerküste – gesprochen. „Dann haben wir Ideen gesammelt, was auf dem Weg passiert sein könnte“, berichtet Edith. Im Spiel muss nun jeder die Strecke so schnell wie möglich zurücklegen. Doch es lauern die Gefahren der Steinzeit. Kommt ein Bär, muss man stillstehen. Geht das Boot kaputt oder sind die Schuhe durchgelaufen, so muss der Steinzeit-Spieler aussetzen, um ein neues Boot zu bauen oder Schuhe zu nähen. Es gibt noch mehr Pantomime-Aufgaben wie Paddeln, Schwimmen und Schlafen – wer das nicht ordentlich erledigt, wird schnell von den anderen überholt. Fratashia erzählt, dass man natürlich auch mal krank wird auf einer so langen Reise: „Dann muss man aussetzen, um Heilkräuter zu sammeln.“

Immer wieder getestet

Seit Jahresbeginn haben die Kinder das Spiel immer wieder getestet und weiterentwickelt. Jetzt ist es fertig. Der Spielplan ist eine runde Landkarte aus Leder, die zwölf Spielsteine sind Halbedelsteine. Dazu gibt es ein ausführliches Begleitheft, das Nils besonders gefällt: „Da ist nicht nur die Spielanleitung drin, sondern es gibt auch Geschichten aus der Steinzeit.“ Aquarelle dazu kamen von Hannah Stupitzky (19).

Die Arbeit am Spiel machte den fünf Kindern so viel Spaß, dass sie jetzt mit Rebekka Blümel (11), Josepha (8) und Philomena Strähhuber (11) durch die Sonderausstellung führen (siehe Kasten).

„Weil das Leder sehr teuer ist, kostet das Spiel 39,50 Euro“, sagt Bergheim. Doch man wollte auch mit den verwendeten Materialien so nah wie möglich an die Steinzeit herankommen. Die anfängliche Idee eines Kindes wurde dann aber doch verworfen: Es hatte angemerkt, dass man die Landkarte nicht aufs Leder drucken dürfe. Druck gab es nicht in der Steinzeit. Man müsste die Karte besticken.

Kinderführungen und Verkaufspunkte

Die Sonderausstellung „Von Milos ins Haspelmoor – eine steinzeitliche Reise“, veranstaltet vom Historischen Verein Fürstenfeldbruck, ist bis 2. Juni im Museum Fürstenfeldbruck zu sehen. Acht Kinder wurden extra als Familienführer ausgebildet: Sie begleiten Mädchen, Buben, Jugendliche, Eltern und Großeltern am Samstag, 4./11./18. und 25. Mai, jeweils ab 14 Uhr, durch die Sonderausstellung und lassen die Reise des Obsidians lebendig werden. Das Steinzeit-Spiel „Die Reise des Obsidians“ kann bei den Familienführungen gekauft werden, zudem bei Veranstaltungen des Historischen Vereins. Weitere Verkaufsstellen sind der Buchladen an der Fritzstraße in Olching, die Buchhandlung Bräunling in Puchheim, Litera in Gröbenzell, Rezai in Eichenau und Lesezeichen in Germering, der Klosterladen in Fürstenfeldbruck, das Museum Fürstenfeldbruck und das Museum in Germering hinter dem Rathaus. 

Auch interessant: Die Kreiskulturtage.

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