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Kinderbuch über den Räuber Kneißl

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Von: Ulrike Osman

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Vom Räuber Kneißl mit den gelben Schuhen handelt das Kinderbuch von Elisabeth Lang. Die Brucker Autorin hat es Kindern zum Test vorgelesen und empfiehlt es ab einem Alter von acht Jahren. fotO. peter weber
Vom Räuber Kneißl mit den gelben Schuhen handelt das Kinderbuch von Elisabeth Lang. Die Brucker Autorin hat es Kindern zum Test vorgelesen und empfiehlt es ab einem Alter von acht Jahren. © Weber

Die Geschichten vom Räuber Hotzenplotz sind Kinderbuch-Klassiker. Doch kann man jungen Lesern die Geschichte eines echten Räubers zumuten?

Fürstenfeldbruck/Jexhof – Vor allem, wenn sie kein Happy End hat? Die Brucker Autorin Elisabeth Lang hat den schweren Stoff über den Räuber Kneißl für Kinder aufbereitet. Dem Tagblatt hat sie erzählt, worauf es ankommt.

„Man muss sich in die Perspektive der Leser hineindenken und auf Augenhöhe gehen“, sagt Elisabeth Lang. Da die 55-Jährige selbst drei Kinder hat, fiel ihr das nicht schwer, auch wenn „Kneißl, der Räuber mit den gelben Schuhen“ (erschienen in der Schriftenreihe des Jexhofs, mit Illustrationen von Ruth Strähhuber) das erste Kinderbuch der Autorin ist.

Auf Details verzichtet

Die Lebensgeschichte des 1875 geborenen Banditen und Volkshelden allerdings hat es in sich. Kneißl erschoss während einer Verfolgungsjagd zwei Polizisten und wurde im Alter von nur 26 Jahren mit der Guillotine hingerichtet. Diese beiden Aspekte konnte Lang nicht weglassen, andere hingegen schon. „Man darf nicht zu sehr ins Detail gehen, aber auch nicht ungenau werden“, beschreibt sie die Gratwanderung beim Schreiben. So berichtet sie zwar, dass Kneißl mit drei Schwestern und einem Bruder aufwuchs – nicht aber, dass seine Eltern sechs weitere Kinder hatten, die alle im Säuglingsalter starben. „Das sind Dinge, die muss ich Kindern nicht erzählen.“

Die im Bildungs- und Kulturbereich tätige Freiberuflerin ist überzeugt: „Wenn man altersgemäß zu schreiben versucht, kann man Kindern auch schwierige Themen zumuten.“ Außerdem: „Es gibt Sechsjährige, die schauen Harry Potter. Und da geht es ja auch ganz schön zur Sache.“

Mindestens acht Jahre alt

Für das Kneißl-Buch sollten die Leser aber mindestens acht Jahre alt sein, ist Lang überzeugt. Um festzustellen, ob sie den richtigen Ton getroffen hatte, las sie das Manuskript einigen Nachbarskindern vor und bat ihre 20-jährige Tochter, die Reaktionen zu beobachten. Fazit: Die Kinder verhielten sich ganz unterschiedlich. Einige waren gebannt von der spannenden Geschichte, andere eher abgeschreckt. Ob die Lektüre im Einzelfall geeignet ist oder nicht, könnten am besten die Eltern einschätzen, meint die Autorin.

Wichtig war ihr auch, den jungen Lesern Ansatzpunkte zum Weiterdenken zu bieten – und für die Fantasie. Und so schließt sie das Buch mit Fragen: Wäre alles anders gekommen, wenn der junge Kneißl aus seinem kriminellen Elternhaus herausgenommen worden wäre? Wenn man sich um die Familie mehr gekümmert hätte? Wenn er dauerhaft Arbeit gefunden hätte? Oder wenn er seinen Zeitgenossen Ferdinand Porsche gekannt hätte und mit ihm in einem seiner Autos davongebraust wäre?

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