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Die Jungbräu-Pächter atmen auf (v.l.): Daniel und Renate Krölls, Patrick Gessner, Antonio Di Gorga, Uwe Ehrig. 

Nach Pacht-Geplänkel mit Kaltenberg-Brauerei

Kirche rettet altehrwürdigen Jungbräu in Brucks Innenstadt

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Es hätte nicht viel gefehlt und Brucks ohnehin darbende Innenstadt wäre um ein paar Geschäfte und ein historisches Gebäude ärmer geworden. In letzter Sekunde aber wird das legendäre Jungbräu-Haus und dessen Innenleben gerettet.

Fürstenfeldbruck – Die Kündigungen zum 31. Dezember waren im Unterhaus, beim Italiener im ersten Stock und der Parfümerie im Erdgeschoss sowie dem Fotostudio im Hintergebäude schon ins Haus geflattert. Absender: die Brauerei Kaltenberg. Sie hatte das gesamte Areal vor geraumer Zeit gepachtet. Und das zu einem für Brucker City-Verhältnisse geradezu unterirdisch günstigen Preis. Von 2500 Euro ist die Rede, was von den Beteiligten aber nicht bestätigt wird. Besitzer des Jungbräu ist die katholische Kirche. Die wollte nun wegen anstehender Renovierungsarbeiten den Pachtzins drastisch erhöhen. Das aber schmeckte den Bierbrauern – Kaltenberg gehört zum Warsteiner-Imperium aus der gleichnamigen Stadt in Nordrhein-Westfalen und ist seit 260 Jahren in Besitz der Familie Cramer – gar nicht. Sie stiegen aus dem Vertrag aus und stellten damit die vier Untermieter, die zusammen monatlich weit über 10 000 Euro an Kaltenberg überwiesen, vors Existenz-Aus.

In ihrer Not wandten sich Patrick Gessner, der Wirt des beim jugendlichen Publikum besonders attraktiven Unterhaus, sein Nabucco-Kollege Antonio Di Gorga, der Fotograf Uwe Ehrig und die Parfümerie-Familie von Daniel Krölls direkt an die Kirche. Die Verhandlungen zogen sich monatelang hin. Und mit ihnen die unvermeidlich aufkommenden Gerüchte in der Brucker Gastro- und Gesellschaftsszene, die von einer Neubelebung des Jungbräu bis hin zu dessen Abriss reichten.

Am ärgsten betroffen war die Parfümerie. Aufgeschreckt von den Gerüchten suchten sich vier Angestellte einen neuen Job. Auch über dem anlaufenden Weihnachtsgeschäft und die damit verbundenen Warenbestellungen schwebte das Damoklesschwert des Pachtvertrages. Renate Krölls, die zusammen mit ihrem Sohn Daniel die Parfümerie betreibt, spricht von einem wirtschaftlichen Schaden in vierstelliger Euro-Höhe.

Nun ist sie erleichtert, dass bald alles vom Tisch ist. Die vier Pächter, die schon die Gründung einer eigenen Jungbräu-GmbH ins Auge gefasst hatten, werden in den nächsten Tagen einen Vertrag mit der Kirche unterschreiben. Der läuft erst mal drei weitere Jahre mit Optionen zur Verlängerung.

Kaltenberg-Geschäftsführer Oliver Lenz bedauerte gegenüber dem Tagblatt den schleppenden Verlauf der Verhandlungen. „Leider, leider, leider haben wir unseren Pächtern lange Zeit die Ängste nicht nehmen können.“ Zwischenzeitlich hatte sich sogar der in Sichtkontakt zum Jungbräu arbeitende OB Erich Raff in das Prozedere eingeschaltet. Obwohl sich Kaltenberg nun von der brauereifremden Immobiliensparte verabschiedet hat – über die Modalitäten des in ihrem Besitz stehenden Gastronomie-Inventars wird noch verhandelt – und Münchner Großbrauereien bereits ein Auge auf den Jungbräu geworfen haben (Paulaner gilt als heißer Kandidat fürs Unterhaus), begrüßt Lenz die „jetzt einkehrende Stabilität“ und den verhinderten Leerstand der Immobilie.

Warum die offenbar äußerst kontrovers geführten Verhandlungen mit der Kirche trotz des günstigen Pachtzins gescheitert sind? Lenz: „Wir haben keinen Konsens gefunden und mussten wegen der von einem Gutachter empfohlenen Restaurierungsarbeiten mit erheblichen Investitionen rechnen.“ Die werden früher oder später kommen. Doch Renate Krölls ist sich nach den „ausgesprochen guten und fairen Gesprächen mit der Kirche“ sicher, dass sich das Erzbischöfliche Ordinariat seiner sozialen Verantwortung bewusst ist.

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