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Der Turm der Brucker Klosterkirche.

Fürstenfeldbruck

Kirchen tun sich schwer mit Corona-Regeln

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
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Die Freude bei vielen Gläubigen ist groß: Nach etwa sieben Wochen dürfen sie wieder gemeinsam und live den Gottesdienst zelebrieren. Es gibt jedoch ein Problem: Die strengen Sicherheitsauflagen zum Schutz vor einer Infektion mit Covid-19 sind nicht in allen Kirchen umsetzbar.

Fürstenfeldbruck – Der evangelische Dekan Markus Ambrosy geht davon aus, dass vorerst nur etwa die Hälfte der Gemeinden seiner Konfession Gottesdienste abhalten können. Sein katholisches Pendant Martin Bickl denkt bereits über Alternativen nach. Auch im Pfarrverband Fürstenfeld von Otto Gäng wird am Wochenende erst einmal nur in der Klosterkirche Gottesdienst gefeiert. Und hier ausschließlich mit Voranmeldung – damit man gegebenenfalls die Infektionskette nachvollziehen kann.

Die Diözese München-Freising hat in Zusammenarbeit mit der Staatsregierung ein Schutzkonzept herausgegeben, das in den Grundzügen auf alle Glaubensgemeinschaften übertragbar ist. Zu den Auflagen gehören zwei Meter Mindestabstand zu jeder Zeit, die obligatorische Mund-Nasen-Bedeckung und möglichst kein Gesang. Das ließe sich noch umsetzen. Aber bei den Regularien bezüglich des Abstandes kommen vor allem die kleinen Kirchen in die Bredouille. Beispiel Puch: Da würden nach den neuen Hygiene-Vorschriften nur zwölf Gläubige hineinpassen. „Wir rennen gerade alle mit Zollstock herum“, berichtet der evangelische Dekan Markus Ambrosy.

Sicherheitsregel

Es gibt nämlich noch eine Sicherheitsregel wegen Corona: Zehn Meter Abstand zwischen Liturg und erster Sitzreihe (in alle Richtungen). In Puchheim, Olching und Maisach würden deshalb vorerst noch keine evangelischen Gottesdienste stattfinden können. Markus Ambrosy sagt auch klar, dass man nicht auf Biegen und Brechen einen Gottesdienst veranstalten sollte. Die Würde müsse erhalten bleiben. Für ihn kommt eine Voranmeldung nicht in Frage. Ob es besser gewesen wäre, noch etwas zu warten?

Ambrosy ist jedenfalls überzeugt: „Die Kirche hat schon Schlimmeres überstanden, als ein Vierteljahr keine Gottesdienste anbieten zu können.“ Ihm sei bewusst, dass der Kirchenbesuch für viele Leute auch wichtig sei, um soziale Kontakte zu pflegen. Aber in der momentanen Situation manifestiere sich die soziale Distanz eher. „Die Leute müssen nach dem Gottesdienst ja alle nach Hause und können mit niemandem ratschen.“ Da bekommt man erst recht zu spüren, dass nichts normal läuft. Für Ambrosy waren die im Internet übertragenen Gottesdienste auch deshalb eine wirklich gute Alternative. Und diese sei ebenso gut angenommen worden.

Es wird getüftelt

Auch bei den Katholiken tüfteln die Pfarrer noch an ihren jeweiligen Schutzkonzepten. Es ist eine logistische Herausforderung, Ständer für Desinfektionsmittel müssen zum Beispiel besorgt werden.

Der katholische Dekan Martin Bickl wird den Gottesdienst am kommenden Sonntag in seiner Pfarrkirche Eichenau feiern. Dort passen dann 45 Menschen hinein. Und auch dort müssen sich die Gläubigen vorher anmelden. Auf die Verteilung der Kommunion wird verzichtet.

Bickl ist aber ebenso bewusst, dass es in einigen kleineren Kirchen im Landkreis problematisch werden dürfte. Vor allem, wenn es keine Seitengänge gibt. „Ich denke schon über andere Möglichkeiten nach, wie zum Beispiel Freiluft-Gottesdienste.“ Hier gelten 1,50 Meter Mindestabstand und maximal 50 Menschen, so Bickl.

Dass man noch weit entfernt ist vom normalen Alltag, weiß auch der Brucker Pfarrer Otto Gäng. Er will alles langsam hochfahren. Die Gottesdienste in der Klosterkirche seien ein Testlauf, der im Übrigen vorher sogar geprobt werde. Danach sehe man weiter.

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